Könnte mein Pferd Würmer haben? Hinweise und Diagnosemöglichkeiten
Würmer gehören zum natürlichen Lebensumfeld von Pferden. Gleichzeitig zeigen viele betroffene Tiere lange Zeit überhaupt keine Symptome. Umgekehrt werden stumpfes Fell, Husten oder Koliken nicht automatisch durch Parasiten verursacht. Viele Beschwerden können ganz unterschiedliche Ursachen haben und müssen sorgfältig abgeklärt werden.
Dennoch gibt es einige Beobachtungen, Haltungsbedingungen und Untersuchungsergebnisse, die auf bestimmte Parasiten hindeuten können. Sie ersetzen keine Diagnose durch Tierarzt oder Labor, können aber helfen, die passende Untersuchung auszuwählen und mögliche Ursachen gezielt einzugrenzen. Die folgenden Hinweise sollen deshalb nicht zur Selbstdiagnose dienen, sondern dabei helfen, Parasiten als mögliche Ursache mit in Betracht zu ziehen.
Wiederkehrende Koliken
Wiederkehrende oder schlecht erklärbare Koliken können durch verschiedene Wurmarten begünstigt werden. Besonders Bandwürmer werden mit Problemen im Bereich der Ileozäkalklappe zwischen Dünndarm und Blinddarm in Verbindung gebracht. Auch Spulwürmer können insbesondere bei Fohlen und Jungpferden durch größere Wurmmengen Verstopfungen und Koliken verursachen. Große Strongyliden kommen ebenfalls infrage, da sie durch ihre Wanderung in Blutgefäßen die Durchblutung des Darms beeinträchtigen können. Treten Koliken wiederholt auf, lohnt sich daher ein Blick auf diese Parasiten.
Husten
Husten kann neben Infektionen, Staubbelastung oder Allergien auch durch Parasiten verursacht werden. Besonders bei Fohlen und Jungpferden kommen Spulwürmer als mögliche Ursache infrage, da ihre Larven während der Entwicklung durch die Lunge wandern. Bei Pferden mit Kontakt zu Eseln sollten zusätzlich Lungenwürmer berücksichtigt werden. Diese werden häufig übersehen, da Pferde trotz Erkrankung nur wenige oder gar keine Larven ausscheiden können.
Massives Schweifscheuern
Starker Juckreiz am Schweifansatz gehört zu den wenigen Symptomen, die relativ typisch für einen bestimmten Parasiten sind. Pfriemschwänze legen ihre Eier außerhalb des Darms rund um den After ab. Der dabei abgesonderte Klebstoff verursacht den charakteristischen Juckreiz. Allerdings können auch Ekzeme, Hauterkrankungen oder andere Ursachen zu Schweifscheuern führen. Besteht ein entsprechender Verdacht, sollten Pfriemschwänze in die Abklärung einbezogen werden.
Gelbe Eier an den Beinen
Gelbliche, fest am Haar klebende Eier an Vorderbeinen, Schulter oder Brustbereich sind ein deutlicher Hinweis auf die Dasselfliege und deren Larvenstadien, die sogenannten Magendasseln. Anders als Schmutz oder Blütenstaub lassen sich diese Eier nicht einfach abbürsten. Werden solche Eier entdeckt, spricht dies für einen Kontakt mit Dasselfliegen und ein entsprechendes Risiko für einen Befall mit Magendasseln.
Stumpfes Fell, Gewichtsverlust oder schlechter Allgemeinzustand
Stumpfes Fell, Gewichtsverlust oder ein schlechter Allgemeinzustand können viele Ursachen haben. Neben Fütterungsfehlern, Zahnproblemen oder Stoffwechselerkrankungen kommen auch Parasiten als mögliche Ursache infrage. Besonders stärkere Belastungen mit kleinen Strongyliden, großen Strongyliden oder Spulwürmern können die Nährstoffversorgung beeinträchtigen und dadurch zum schlechten Allgemeinzustand beitragen.
Ein dicker Bauch beim Jungpferd
Ein ausgeprägter Bauchumfang bei gleichzeitig schlechter Bemuskelung kann insbesondere bei Fohlen und Jungpferden auf einen Wurmbefall hindeuten. Vor allem Spulwürmer werden regelmäßig mit diesem Erscheinungsbild in Verbindung gebracht. Allerdings können auch Fütterung, Körperbau und Entwicklungsstand eine Rolle spielen, sodass die äußere Erscheinung allein keine sichere Aussage erlaubt.
Erhöhte eosinophile Granulozyten im Blutbild
Erhöhte eosinophile Granulozyten können ein Hinweis auf einen Parasitenbefall sein. Sie zeigen, dass sich das Immunsystem mit größeren Parasiten oder deren Wanderstadien auseinandersetzt. Dies kann beispielsweise bei Spulwürmern während ihrer Wanderung durch den Körper oder bei anderen Endoparasiten auftreten. Allerdings kommen auch Allergien, Ekzeme und andere Überempfindlichkeitsreaktionen als Ursache infrage. Der Befund sollte deshalb immer zusammen mit weiteren Symptomen und Untersuchungsergebnissen bewertet werden.
Feuchte Weiden mit Rindern oder Schafen
Feuchte Senken, Überschwemmungsflächen und Weiden mit Rindern oder Schafen erhöhen das Risiko für Leberegel. Werden in einer Region regelmäßig Leberegel bei Rindern oder Schafen festgestellt, spricht dies für geeignete Umweltbedingungen und ein erhöhtes Risiko auch für Pferde. Viele Landwirte kennen die Situation ihrer Region gut, da Leberegelbefall bei Schlachttieren dokumentiert wird und entsprechende Rückmeldungen an die Tierhalter erfolgen können.
Kontakt zu Eseln
Esel sind die wichtigsten Wirte der Lungenwürmer. Sie können den Parasiten ausscheiden, ohne selbst deutlich krank zu wirken. Bei Pferden mit Husten oder wiederkehrenden Atemwegsproblemen sollte deshalb immer berücksichtigt werden, ob aktuell oder früher Kontakt zu Eseln bestand.
Kotprobe mit Strongyliden-Eiern
Der Nachweis von Strongyliden-Eiern gehört zu den häufigsten Befunden in der selektiven Entwurmung. Eine normale Kotprobe kann jedoch nicht zwischen kleinen Strongyliden und großen Strongyliden unterscheiden. Werden Strongyliden nachgewiesen, sollte deshalb regelmäßig zusätzlich eine Larvenanzucht erfolgen, um auch große Strongyliden sicher erkennen oder ausschließen zu können.
Viele Pferde auf kleiner Fläche oder viele Kothaufen auf der Weide
Hohe Besatzdichten und mangelnde Weidehygiene erhöhen den Infektionsdruck nahezu aller Weideparasiten. Besonders kleine Strongyliden, große Strongyliden und Spulwürmer profitieren von solchen Bedingungen. Viele liegen gelassene Kothaufen bedeuten nicht automatisch einen Wurmbefall, erhöhen aber die Wahrscheinlichkeit, dass infektiöse Larven auf die Weide gelangen und erneut aufgenommen werden.
Neu gekauftes Pferd unbekannter Herkunft
Bei neu eingestellten Pferden ist häufig nicht bekannt, wie die bisherige Parasitenkontrolle durchgeführt wurde. Wurden regelmäßig Kotproben untersucht? Wurde selektiv entwurmt oder routinemäßig behandelt? Gab es Probleme mit bestimmten Parasiten im Herkunftsbestand? Solche Informationen fehlen beim Kauf oft oder sind nur teilweise verfügbar.
Gerade deshalb empfiehlt sich bei neu übernommenen Pferden häufig eine gezielte Untersuchung, bevor sie dauerhaft mit dem bestehenden Bestand zusammenkommen. Auf diese Weise lassen sich nicht nur häufige Parasiten wie Strongyliden oder Spulwürmer erfassen, sondern auch seltenere Probleme frühzeitig erkennen. Gleichzeitig kann verhindert werden, dass bisher unbekannte Parasiten in einen Bestand eingeschleppt werden.
Die Kotprobe ist negativ – und jetzt?
Eine negative Kotprobe bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine Parasiten vorhanden sind. Bandwürmer werden über Kotproben oft nur unzuverlässig erfasst. Pfriemschwänze legen ihre Eier außerhalb des Darms ab und werden deshalb häufig übersehen. Lungenwürmer können beim Pferd trotz Erkrankung nur wenige Larven ausscheiden. Auch Leberegel werden nicht in jedem Stadium zuverlässig nachgewiesen.
Bleibt ein Verdacht bestehen, können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein. Welche Diagnostik für die jeweilige Wurmart geeignet ist, wird in den entsprechenden Einzelartikeln beschrieben.
Fazit
Die meisten Wurmarten verursachen keine eindeutig erkennbaren Symptome. Viele betroffene Pferde wirken über lange Zeit völlig unauffällig, während andere Beschwerden zeigen, die ebenso gut andere Ursachen haben können. Einzelne Beobachtungen wie wiederkehrende Koliken, Husten, Schweifscheuern, ein schlechter Allgemeinzustand oder bestimmte Haltungsbedingungen können jedoch wertvolle Hinweise liefern und dabei helfen, die passende Diagnostik auszuwählen.
Besonders wichtig ist dabei die Kombination verschiedener Informationen. Symptome, Kotuntersuchungen, Blutwerte, Weidemanagement und Haltungsbedingungen ergeben gemeinsam oft ein deutlich klareres Bild als jeder einzelne Befund für sich. Wer typische Risikofaktoren kennt und Auffälligkeiten richtig einordnet, kann Parasiten frühzeitig erkennen und gezielt untersuchen lassen. Genau darin liegt heute die Grundlage eines modernen und verantwortungsvollen Parasitenmanagements.
