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Entwurmung und Wurmmanagement – verschiedene Wege zum gleichen Ziel

Würmer gehören zum natürlichen Lebensumfeld von Pferden. Gleichzeitig können einzelne Parasitenarten erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen und müssen gemanagt werden. Die Einführung moderner Entwurmungsmittel hat die Pferdehaltung deshalb nachhaltig verändert und die Gesundheit vieler Pferde deutlich verbessert. Heute stehen verschiedene Strategien des Wurmmanagements zur Verfügung. Sie verfolgen dasselbe Ziel, unterscheiden sich jedoch darin, wie entschieden wird, wann eine Behandlung durchgeführt wird.

Die Einführung moderner Wurmkuren

Vor der Einführung wirksamer Entwurmungsmittel waren starke Verwurmungen deutlich häufiger als heute. Besonders Fohlen und Jungpferde litten regelmäßig unter den Folgen von Spulwürmern und anderen Parasiten. Koliken, Entwicklungsstörungen und Abmagerung waren wesentlich häufiger als in modernen Pferdebeständen. Mit den ersten wirksamen Wurmkuren wurde es möglich, große Teile der vorhandenen Parasiten gezielt abzutöten und damit die Gesundheit vieler Pferde nachhaltig zu verbessern.

Die Erfolge waren so deutlich, dass sich regelmäßige Entwurmungen schnell als Standard etablierten. Viele gefährliche Parasiten konnten stark zurückgedrängt werden und die allgemeine Wurmbelastung in Pferdebeständen nahm deutlich ab. Die modernen Wurmkuren zählen deshalb ohne Zweifel zu den wichtigsten Fortschritten in der Pferdemedizin.

Die klassische strategische Entwurmung

Über viele Jahrzehnte bestand das Wurmmanagement vor allem aus festen Entwurmungsterminen. In vielen Beständen wurden die Pferde drei- bis viermal pro Jahr behandelt, unabhängig davon, ob tatsächlich ein Wurmbefall nachgewiesen wurde. Da zuverlässige Untersuchungsmethoden nur eingeschränkt verfügbar waren, galt dies als die sicherste Möglichkeit, die Wurmbelastung dauerhaft niedrig zu halten.

Dabei kamen unterschiedliche Wirkstoffe zum Einsatz, die häufig zwischen den Behandlungen gewechselt oder miteinander kombiniert wurden. Ziel war es, möglichst viele Parasitenarten und Entwicklungsstadien zu erfassen und die Vermehrung der Würmer im Bestand zu begrenzen. Diese Form der Entwurmung wird heute meist als klassische oder strategische Entwurmung bezeichnet und wird nach wie vor in vielen Pferdehaltungen praktiziert.

Neue Erkenntnisse über Würmer und Wurmkuren

Mit zunehmendem Wissen über Parasiten zeigte sich, dass nicht alle Pferde gleichermaßen zur Verbreitung von Würmern beitragen. Während einige Tiere regelmäßig größere Mengen an Wurmeiern ausscheiden, bleiben andere Pferde über lange Zeit unauffällig. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Behandlungen durchgeführt werden, ohne dass überhaupt bekannt ist, ob ein relevanter Wurmbefall vorliegt.

Hinzu kam die Beobachtung, dass bei verschiedenen Wurmarten zunehmend Resistenzen gegen einzelne Wirkstoffe auftraten. Überleben einzelne Würmer eine Behandlung, können sie ihre Widerstandsfähigkeit an die nächste Generation weitergeben. Je häufiger Wirkstoffe eingesetzt werden, desto größer wird die Gefahr, dass sich solche resistenten Parasiten im Bestand ausbreiten. Parallel dazu wurden die diagnostischen Möglichkeiten immer besser. Kotproben, Larvenanzuchten und weitere Untersuchungsverfahren ermöglichten erstmals einen gezielteren Blick auf die tatsächliche Wurmsituation einzelner Pferde und ganzer Bestände.

Die zeitgemäße selektive Entwurmung

Aus diesen Entwicklungen entstand die zeitgemäße selektive Entwurmung. Ihr Grundgedanke besteht darin, Entwurmungen möglichst auf diagnostische Befunde zu stützen. Die Entwurmung selbst wird dabei nicht ersetzt. Es werden dieselben Wirkstoffe eingesetzt wie bei der klassischen Entwurmung. Neu ist lediglich, dass vor einer Behandlung möglichst untersucht wird, ob überhaupt ein relevanter Befund vorliegt.

Grundlage sind regelmäßige Kotuntersuchungen sowie weitere Untersuchungsverfahren für Parasiten, die sich nicht zuverlässig über eine Standardkotprobe nachweisen lassen. Ziel ist es, unnötige Medikamentengaben zu vermeiden, die Entwicklung von Resistenzen zu verlangsamen und gleichzeitig einen besseren Überblick über die Wurmsituation im Bestand zu erhalten. Die selektive Entwurmung verfolgt damit nicht das Ziel eines vollständig wurmfreien Pferdes, sondern die Vermeidung krankmachender Wurmbelastungen.

Zwischenformen in der Praxis

In der Praxis gibt es nicht nur die klassische Entwurmung und die zeitgemäße selektive Entwurmung. Viele Betriebe nutzen Mischformen beider Systeme. So werden beispielsweise regelmäßige Kotuntersuchungen durchgeführt, während bestimmte Behandlungen weiterhin fest eingeplant bleiben. Häufig betrifft dies Parasiten wie Bandwürmer oder Magendasseln, die sich nicht immer zuverlässig über Standardkotproben erfassen lassen.

Auch Unterschiede zwischen Altersgruppen sind üblich. Fohlen und Jungpferde werden aufgrund ihres höheren Risikos häufig enger überwacht oder häufiger behandelt als erwachsene Pferde. Die Übergänge zwischen den verschiedenen Strategien sind daher fließend und werden oft an die jeweilige Bestandssituation angepasst.

Zwei Wege mit demselben Ziel

Sowohl die klassische strategische Entwurmung als auch die zeitgemäße selektive Entwurmung verfolgen letztlich dasselbe Ziel: Pferde vor krankmachenden Parasiten zu schützen. Die klassische Entwurmung hat wesentlich dazu beigetragen, die Gesundheit von Pferden zu verbessern und gefährliche Parasiten zurückzudrängen.

Moderne Diagnoseverfahren haben das Wurmmanagement jedoch grundlegend verändert. Sie ermöglichen heute einen gezielteren Einsatz von Entwurmungsmitteln und liefern zusätzliche Informationen über die tatsächliche Wurmsituation im Bestand. Deshalb setzen viele Pferdehalter inzwischen ganz oder teilweise auf Formen der zeitgemäßen selektiven Entwurmung. Sie ermöglicht es, unnötige Behandlungen zu vermeiden und gleichzeitig die Entwicklung von Resistenzen zu verlangsamen. Dennoch gibt es Situationen, in denen auch klassische oder kombinierte Strategien sinnvoll sein können. Welche Vorgehensweise am besten geeignet ist, hängt von den Haltungsbedingungen, der Altersstruktur der Pferde, den vorhandenen Parasiten und den Zielen des jeweiligen Bestandes ab. Die folgenden Artikel stellen die einzelnen Strategien und ihre praktische Umsetzung genauer vor.

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