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Wirkstoffe in Wurmkuren – wie sie funktionieren

Für viele Pferdehalter besteht eine Wurmkur aus einer Paste, die ein- oder mehrmals pro Jahr verabreicht wird. Welche Wirkstoffe dahinterstecken und wie sie eigentlich wirken, ist dagegen oft wenig bekannt. Dabei unterscheiden sich die verschiedenen Entwurmungsmittel teilweise erheblich in ihrem Wirkspektrum, ihrer Wirkungsweise und ihrer Bedeutung für das moderne Wurmmanagement.

Die heute verfügbaren Wirkstoffe haben die Pferdehaltung nachhaltig verändert. Starke Verwurmungen, die früher erhebliche gesundheitliche Probleme verursachten, sind deutlich seltener geworden. Gleichzeitig haben sich im Laufe der Jahre Resistenzen entwickelt, sodass die Auswahl und der gezielte Einsatz von Wirkstoffen zunehmend an Bedeutung gewonnen haben.

Warum gibt es mehrere Wirkstoffe?

Nicht alle Würmer reagieren gleich empfindlich auf dieselben Medikamente. Einige Wirkstoffe wirken besonders gut gegen bestimmte Parasitenarten oder Entwicklungsstadien, andere besitzen ein breiteres Wirkspektrum. Deshalb wurden im Laufe der Zeit verschiedene Wirkstoffgruppen entwickelt, die unterschiedliche Angriffspunkte im Organismus der Parasiten nutzen.

Die Existenz mehrerer Wirkstoffe ermöglicht es außerdem, auf unterschiedliche Situationen zu reagieren. Sie spielt eine wichtige Rolle bei der Behandlung verschiedener Parasitenarten und ist zugleich ein wichtiger Bestandteil des Resistenzmanagements. Denn je weniger Alternativen zur Verfügung stehen, desto schwerer wird es, auf resistente Wurmpopulationen zu reagieren.

Wie wirken Wurmkuren überhaupt?

Die meisten modernen Entwurmungsmittel greifen lebenswichtige Funktionen der Parasiten an. Häufig betroffen sind das Nervensystem, die Muskulatur oder der Energiestoffwechsel der Würmer. Die Folge sind Lähmungen, Stoffwechselstörungen oder andere Schäden, die dazu führen, dass die Parasiten absterben oder mit dem Kot ausgeschieden werden.

Dabei nutzen die Wirkstoffe Unterschiede zwischen dem Organismus des Pferdes und dem der Würmer. Deshalb können die Parasiten gezielt geschädigt werden, während das Pferd die Behandlung in der Regel gut verträgt. Trotzdem handelt es sich um wirksame Medikamente, die nicht nur auf die Zielparasiten wirken können. Dies wird besonders deutlich, wenn man ihre Auswirkungen auf andere wirbellose Tiere betrachtet.

Benzimidazole

Zu den Benzimidazolen gehört vor allem der Wirkstoff Fenbendazol. Diese Wirkstoffgruppe gehört zu den ältesten noch verwendeten Entwurmungsmitteln beim Pferd.

Benzimidazole greifen in die Zellteilung und den Energiestoffwechsel der Parasiten ein. Dadurch verlieren die Würmer wichtige Stoffwechselfunktionen und sterben schließlich ab. Früher wurden diese Wirkstoffe häufig gegen Strongyliden und andere Rundwürmer eingesetzt.

Heute steht Fenbendazol vor allem wegen der Resistenzentwicklung im Fokus. Gegen kleine Strongyliden bestehen in vielen Regionen ausgeprägte Resistenzen, sodass die Wirksamkeit deutlich eingeschränkt sein kann. Fenbendazol ist deshalb ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig die Überwachung der Wirksamkeit von Entwurmungsmitteln geworden ist.

Tetrahydropyrimidine

Der wichtigste Vertreter dieser Wirkstoffgruppe ist Pyrantel. Der Wirkstoff beeinflusst die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskulatur der Parasiten. Dadurch kommt es zu einer dauerhaften Muskelanspannung und schließlich zu einer Lähmung der Würmer.

Pyrantel besitzt ein gutes Wirkspektrum gegen verschiedene Rundwürmer. In erhöhter Dosierung wird es zudem gegen Bandwürmer eingesetzt. Die Resistenzlage ist regional unterschiedlich. Während Pyrantel in vielen Beständen weiterhin gut wirkt, wurden in einigen Regionen bereits verringerte Empfindlichkeiten und Resistenzen beschrieben.

Makrozyklische Laktone

Die Wirkstoffgruppe der makrozyklischen Laktone umfasst vor allem Ivermectin und Moxidectin. Beide Wirkstoffe greifen in die Signalübertragung des Nervensystems der Parasiten ein und führen zu deren Lähmung und Tod. Aufgrund ihres breiten Wirkspektrums gehören sie heute zu den am häufigsten eingesetzten Entwurmungsmitteln beim Pferd.

Ivermectin besitzt eine sehr gute Wirkung gegen viele Rundwürmer und wird häufig auch zur Bekämpfung von Magendasseln eingesetzt. Die meisten klassischen Entwurmungsprogramme basieren ganz oder teilweise auf diesem Wirkstoff.

Moxidectin weist einige Besonderheiten auf. Der Wirkstoff besitzt eine längere Wirkdauer und erreicht auch bestimmte Entwicklungsstadien kleiner Strongyliden, die sich in der Darmwand befinden. Zudem zeigt er eine gute Wirkung gegen wandernde oder eingekapselte Stadien dieser Parasiten. Gerade deshalb wird Moxidectin von vielen Tierärzten und Parasitenexperten als besonders wertvoll angesehen. Um seine Wirksamkeit möglichst lange zu erhalten, empfehlen viele Fachleute einen gezielten und zurückhaltenden Einsatz.

Im Vergleich zu Fenbendazol ist die Resistenzlage bei den makrozyklischen Laktonen derzeit noch günstiger. Dennoch werden auch hier erste Hinweise auf nachlassende Empfindlichkeiten beobachtet, weshalb ihre langfristige Wirksamkeit als besonders schützenswert gilt.

Praziquantel

Praziquantel ist der wichtigste Wirkstoff zur Bekämpfung von Bandwürmern beim Pferd. Er wirkt über eine Schädigung der Körperoberfläche sowie eine Lähmung der Parasiten, wodurch diese vom Darm abgestoßen werden.

In der Praxis wird Praziquantel heute meist in Kombination mit Ivermectin oder Moxidectin eingesetzt. Reine Praziquantel-Präparate spielen im Pferdebereich kaum noch eine Rolle. Da Bandwürmer eine besondere Stellung innerhalb des Wurmmanagements einnehmen, wird dieser Wirkstoff häufig im Rahmen der sogenannten „Großen Wurmkur“ eingesetzt.

Bislang besitzen Resistenzen gegen Praziquantel beim Pferd keine vergleichbare praktische Bedeutung wie bei einigen anderen Wirkstoffgruppen.

Wissenswertes zu Ivermectin und Moxidectin

Ivermectin und Moxidectin werden nach der Behandlung teilweise wieder ausgeschieden. Dadurch gelangen geringe Mengen der Wirkstoffe in den Kot und können dort auch auf andere wirbellose Tiere wirken. Untersuchungen zeigen, dass bestimmte Dungkäfer, Dungfliegen und andere Organismen des Mistabbaus beeinträchtigt werden können. Sie verdeutlichen, dass Entwurmungsmittel nicht ausschließlich auf die Zielparasiten im Pferd wirken.

Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft Hunde mit einem sogenannten MDR1-Defekt. Besonders einige Hütehundrassen wie Collies, Australian Shepherds, Shetland Sheepdogs, Border Collies und deren Mischlinge können auf Ivermectin und Moxidectin deutlich empfindlicher reagieren als andere Hunde. Durch den Gendefekt gelangen die Wirkstoffe leichter in das Nervensystem und können dort schwere neurologische Symptome verursachen. Dazu gehören Gleichgewichtsstörungen, Zittern, Sehstörungen, Bewusstseinsstörungen bis hin zu Krampfanfällen und lebensbedrohlichen Vergiftungen.

Pferdehalter sollten deshalb darauf achten, dass Hunde keinen Zugang zu Wurmkuren oder ausgespuckten Medikamentenresten erhalten. Auch frisch ausgeschiedener Kot von Pferden, die mit Ivermectin oder Moxidectin behandelt wurden, kann für empfindliche Hunde problematisch sein und sollte insbesondere von Hunden mit bekanntem MDR1-Defekt nicht gefressen werden.

Warum die richtige Dosierung so wichtig ist

Bei Entwurmungsmitteln wird häufig über die Gefahr einer Überdosierung gesprochen. In der Praxis stellt jedoch oft die Unterdosierung das größere Problem dar. Wird das Körpergewicht zu niedrig geschätzt oder ein Teil der Paste nicht aufgenommen, kann die tatsächliche Wirkstoffmenge unter der empfohlenen Dosis liegen.

Dadurch werden besonders empfindliche Würmer abgetötet, während widerstandsfähigere Parasiten überleben können. Diese überlebenden Würmer vermehren sich anschließend weiter und tragen zur Entstehung von Resistenzen bei. Eine korrekte Gewichtsschätzung und die vollständige Aufnahme der Wurmkur gehören deshalb zu den wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Behandlung.

Fazit

Die verschiedenen Wirkstoffe in Wurmkuren unterscheiden sich nicht nur in ihren Namen, sondern auch in ihrer Wirkungsweise, ihrem Wirkspektrum und ihrer Bedeutung für das moderne Wurmmanagement. Jeder Wirkstoff besitzt eigene Stärken und Grenzen, weshalb unterschiedliche Präparate für unterschiedliche Situationen eingesetzt werden.

Die gleichen Wirkstoffe werden sowohl in der klassischen strategischen als auch in der zeitgemäßen selektiven Entwurmung verwendet. Entscheidend ist nicht nur die Auswahl des passenden Wirkstoffs, sondern auch dessen korrekte Dosierung und ein verantwortungsvoller Einsatz. Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Resistenzen gewinnt dieses Thema immer mehr an Bedeutung und bildet die Grundlage für das Verständnis moderner Entwurmungsstrategien.

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