Kleine Strongyliden
Kleine Strongyliden sind heute die häufigsten Würmer beim Pferd. Sie sind oft lange unauffällig, lassen sich aber gut über Kotproben überwachen. [lesen]

Wenn Pferdehalter von Parasiten sprechen, denken sie meist an Würmer. Tatsächlich gehören Würmer zu den wichtigsten Parasiten des Pferdes. In der Fachsprache werden sie jedoch gemeinsam mit einigen anderen inneren Parasiten als Endoparasiten bezeichnet. Der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern „endo“ für „innen“ und „parasitos“ für „Schmarotzer“ zusammen und beschreibt Parasiten, die zumindest einen Teil ihres Lebens im Körper ihres Wirtes verbringen.
Zu den Endoparasiten des Pferdes zählen verschiedene Wurmarten wie Strongyliden, Spulwürmer oder Bandwürmer, aber auch Sonderfälle wie die Larven der Dasselfliege. Obwohl diese Parasiten oft gemeinsam unter dem Begriff „Würmer“ zusammengefasst werden, unterscheiden sie sich teilweise erheblich in ihrem Lebenszyklus, ihren Übertragungswegen und ihrer Bedeutung für die Pferdegesundheit.
Eines haben sie jedoch gemeinsam: Ihr Ziel ist nicht, das Pferd krank zu machen, sondern ihren Lebenszyklus erfolgreich abzuschließen und ihre Nachkommen auf neue Wirte zu übertragen. Die verschiedenen Wurmarten begleiten Pferde seit Millionen von Jahren. In dieser Zeit haben sich sowohl die Parasiten als auch ihre Wirte ständig weiterentwickelt. Während die Parasiten Strategien entwickelten, um möglichst erfolgreich zu überleben, entstanden beim Pferd Abwehrmechanismen, die eine unkontrollierte Vermehrung verhindern sollen. Das Ergebnis ist ein biologisches Gleichgewicht, das unter natürlichen Bedingungen oft erstaunlich stabil funktioniert.
Trotz ihrer unterschiedlichen Lebensweisen haben die meisten Endoparasiten einige grundlegende Gemeinsamkeiten. Sie verbringen zumindest einen Teil ihres Lebens im Körper des Pferdes, nutzen den Wirt als Nahrungsquelle und müssen ihre Nachkommen irgendwann wieder in die Umwelt entlassen. Dort entwickeln sich Eier oder Larven weiter, bevor ein neues Pferd infiziert werden kann.
Genau dieser Punkt wird häufig missverstanden. Würmer leben zwar im Pferd, ihr Lebenszyklus findet aber meist nur teilweise dort statt. Die Umwelt spielt für nahezu alle Endoparasiten eine entscheidende Rolle. Weiden, Böden, Pflanzen oder Zwischenwirte sind oft genauso wichtig wie das Pferd selbst. Wer Parasiten verstehen möchte, muss deshalb immer das gesamte System betrachten und nicht nur das einzelne Tier.
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet, dass sich Würmer im Pferd immer weiter vermehren. Tatsächlich können die meisten Wurmarten ihre Population im Pferd nicht einfach beliebig vergrößern.
Die erwachsenen Würmer produzieren Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Erst außerhalb des Pferdes entwickeln sich daraus Larven oder andere Entwicklungsstadien. Damit ein neuer Wurm entsteht, müssen diese infektiösen Stadien später erneut aufgenommen werden. Die Anzahl der Würmer im Pferd hängt deshalb nicht nur von den vorhandenen Würmern ab, sondern vor allem davon, wie viele infektiöse Larven aus der Umwelt aufgenommen werden.
Hier kommt der sogenannte Infektionsdruck oder Wurmdruck ins Spiel. Je stärker Weiden mit infektiösen Larven belastet sind, desto größer ist das Risiko, dass Pferde neue Parasiten aufnehmen. Deshalb spielen Weidemanagement, Kotabsammeln und Besatzdichte eine so wichtige Rolle in der Parasitenkontrolle.
Viele Pferdehalter gehen davon aus, dass ein frisch abgesetzter Pferdeapfel bereits eine direkte Ansteckungsquelle darstellt. Für die meisten Wurmarten trifft das jedoch nicht zu.
Die ausgeschiedenen Eier müssen sich zunächst weiterentwickeln. Dafür benötigen sie Zeit und geeignete Umweltbedingungen wie Feuchtigkeit, Sauerstoff und passende Temperaturen. Erst nach dieser Entwicklung entstehen infektiöse Stadien, die von anderen Pferden aufgenommen werden können.
Das bedeutet nicht, dass Kot auf der Weide unproblematisch wäre. Im Gegenteil: Bleiben Kothaufen über längere Zeit liegen, können sich daraus große Mengen infektiöser Larven entwickeln. Deshalb gehört das regelmäßige Absammeln von Kot zu den wirksamsten Maßnahmen, um den Infektionsdruck auf Weiden zu reduzieren.
Obwohl man oft einfach von „Würmern“ spricht, unterscheiden sich die einzelnen Parasitenarten teilweise erheblich voneinander. Manche Arten haben einen direkten Lebenszyklus und benötigen lediglich Pferd und Umwelt. Andere nutzen zusätzliche Zwischenwirte, bevor sie wieder in ein Pferd gelangen können.
Auch innerhalb des Pferdes verfolgen die Parasiten unterschiedliche Strategien. Einige bleiben überwiegend im Darm, während andere Larvenstadien durch Blutgefäße, Leber oder Lunge wandern. Manche verursachen ihre größten Schäden als erwachsene Würmer, andere bereits während ihrer Wanderung durch den Körper.
Diese Unterschiede erklären, warum einzelne Parasitenarten unterschiedliche Symptome hervorrufen und warum nicht jede Wurmart mit denselben Maßnahmen kontrolliert werden kann.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die sogenannte Wirtsspezifität. Viele Parasiten haben sich im Laufe der Evolution so stark an ihre Wirte angepasst, dass sie ihren Lebenszyklus nur noch in bestimmten Tierarten vollenden können.
Deshalb stecken sich Pferde normalerweise nicht mit sämtlichen Würmern anderer Weidetiere an. Die meisten Pferdeparasiten sind auf Pferde spezialisiert. Dennoch gibt es einige interessante Ausnahmen. So spielen beispielsweise Esel bei bestimmten Lungenwürmern eine wichtige Rolle und können als Reservoir für Pferdebestände dienen. Auch Leberegel stammen ursprünglich vor allem aus der Rinder- und Schafhaltung. Unter geeigneten Bedingungen können jedoch auch Pferde betroffen sein.
Solche Ausnahmen zeigen, dass Parasitenmanagement nicht nur das einzelne Pferd berücksichtigen sollte, sondern immer auch die gesamte Weidegemeinschaft und die örtlichen Gegebenheiten.
Eine Besonderheit unter den Endoparasiten stellt die Dasselfliege dar. Genau genommen handelt es sich dabei nicht um einen Wurm, sondern um die Larve eines Insekts. Da diese Larven einen Teil ihrer Entwicklung im Verdauungstrakt des Pferdes verbringen und traditionell zur Parasitenkontrolle gezählt werden, wird die Dasselfliege meist gemeinsam mit den Endoparasiten betrachtet.
Ihr Lebenszyklus unterscheidet sich jedoch deutlich von dem klassischer Würmer und wird deshalb in einem eigenen Artikel ausführlicher behandelt.
Nicht jedes Pferd reagiert gleich auf Parasiten. Während einige Tiere trotz regelmäßigen Kontakts mit Wurmlarven kaum Probleme entwickeln, reagieren andere deutlich empfindlicher.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das Immunsystem. Gesunde erwachsene Pferde entwickeln gegen viele Parasitenarten eine gewisse Widerstandsfähigkeit und können deren Vermehrung begrenzen. Das bedeutet nicht, dass sie vollständig wurmfrei sind, sondern dass der Organismus die Parasiten auf einem verträglichen Niveau hält.
Besonders empfindlich reagieren häufig Fohlen, Jungpferde, alte Pferde oder Tiere mit chronischen Erkrankungen. Auch Stress, hohe Besatzdichten, mangelhafte Weidehygiene oder andere Belastungen können dazu beitragen, dass Parasiten leichter zum Problem werden.
Die Parasitenlandschaft beim Pferd hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Während früher vor allem die großen Strongyliden als gefürchtete Parasiten galten, stehen heute meist die kleinen Strongyliden im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Ein wichtiger Grund dafür sind die Entwurmungsprogramme der vergangenen Jahrzehnte. Durch regelmäßige Behandlungen konnten einige Parasitenarten stark zurückgedrängt werden, während andere besser mit dem Selektionsdruck zurechtkamen und heute häufiger auftreten.
Gleichzeitig wird zunehmend über Resistenzen gegen Wurmkuren diskutiert. Bei verschiedenen Parasitenarten haben einzelne Wirkstoffe bereits einen Teil ihrer früheren Wirksamkeit verloren. Moderne Parasitenkontrolle beschäftigt sich deshalb nicht nur mit der Bekämpfung von Würmern, sondern auch mit der Frage, wie vorhandene Medikamente möglichst lange wirksam erhalten werden können.
Endoparasiten sind weit mehr als nur „Würmer im Darm“. Hinter ihnen verbergen sich hochspezialisierte Organismen mit teilweise erstaunlich komplexen Lebenszyklen. Obwohl sie sich in ihrer Biologie und Krankheitsbedeutung deutlich unterscheiden, verbindet sie ein gemeinsames Ziel: die erfolgreiche Weitergabe ihrer Nachkommen an neue Wirte.
Wer Parasiten beim Pferd verstehen möchte, muss deshalb nicht nur das einzelne Pferd betrachten, sondern auch die Umwelt, die Haltung und die Lebensweise der jeweiligen Parasitenart. Erst dieses Gesamtbild ermöglicht eine sinnvolle Einschätzung, wann ein Befall harmlos ist und wann er zum Gesundheitsrisiko werden kann.
Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Endoparasiten des Pferdes einzeln vor und betrachten ihre Lebenszyklen, ihre Bedeutung für die Pferdegesundheit und die Möglichkeiten ihrer Kontrolle genauer.