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Lungenwürmer beim Pferd – wenn Eselparasiten Husten verursachen

Lungenwürmer (Dictyocaulus arnfieldi) gehören zu den seltenen Parasiten des Pferdes. Sie unterscheiden sich von den meisten bisher besprochenen Endoparasiten dadurch, dass nicht der Darm im Vordergrund steht, sondern die Atemwege. Zwar können auch andere Parasiten – etwa Spulwürmer während ihrer Leber-Lungen-Wanderung – vorübergehend die Atemwege reizen. Beim Lungenwurm ist die Lunge jedoch der eigentliche Zielort des Parasiten.

Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass Pferde nicht der natürliche Hauptwirt des Lungenwurms sind. Diese Rolle übernimmt der Esel. Esel können Lungenwürmer tragen, Larven ausscheiden und dabei oft nur wenige oder gar keine Symptome zeigen. Pferde reagieren dagegen häufig deutlich empfindlicher. Gleichzeitig wird die Entwicklung des Parasiten im Pferd oftmals nicht vollständig abgeschlossen. Dadurch können betroffene Pferde bereits Husten und andere Atemwegsprobleme entwickeln, obwohl nur wenige oder gar keine Larven im Kot nachweisbar sind. Genau diese Besonderheit macht die Diagnose beim Pferd schwieriger als beim Esel.

Aus diesem Grund sollte bei chronischem Husten besonders dann an Lungenwürmer gedacht werden, wenn Pferde gemeinsam mit Eseln gehalten werden oder früher Kontakt zu Eselweiden hatten.

Wie infiziert sich das Pferd?

Der Lebenszyklus des Lungenwurms beginnt normalerweise im Esel. Die erwachsenen Würmer leben in den Bronchien und größeren Atemwegen. Dort produzieren die weiblichen Würmer Eier, aus denen bereits in den Atemwegen Larven schlüpfen. Diese Larven werden mit Schleim aus den Atemwegen nach oben transportiert, abgeschluckt und schließlich mit dem Kot ausgeschieden.

Auf der Weide entwickeln sich die Larven innerhalb weniger Tage zu infektiösen Stadien. Das Pferd nimmt diese Larven anschließend beim Grasen auf. Anders als beim Leberegel oder Bandwurm ist kein Zwischenwirt erforderlich. Der Lebenszyklus ähnelt in diesem Punkt eher den Strongyliden.

Beim Pferd wird die Entwicklung des Parasiten jedoch häufig nicht vollständig abgeschlossen. Deshalb scheiden Pferde oft deutlich weniger Larven aus als Esel oder bleiben sogar vollständig larvennegativ. Für die Aufrechterhaltung des Lebenszyklus spielt das Pferd daher eine wesentlich geringere Rolle als der Esel. In der Praxis stammen die meisten Infektionsquellen von Eseln, weshalb Pferdebestände ohne Kontakt zu Eseln nur selten Probleme mit Lungenwürmern zeigen.

Was passiert im Pferd?

Nach der Aufnahme gelangen die Larven zunächst durch die Darmwand in die Blut- und Lymphgefäße. Von dort wandern sie über den Blutkreislauf in die Lunge. Dort entwickeln sie sich in den Bronchien und kleineren Atemwegen weiter. Anders als beim Esel wird die Entwicklung jedoch häufig nicht vollständig abgeschlossen. Zwar können sich auch beim Pferd adulte Würmer entwickeln, die Zahl geschlechtsreifer und fortpflanzungsfähiger Parasiten ist jedoch meist geringer.

Die Anwesenheit der Würmer führt zu Reizungen der Atemwege, vermehrter Schleimbildung und Entzündungsreaktionen. Je nach Befallsstärke können die Parasiten die Atemwege teilweise verlegen und die normale Lungenfunktion beeinträchtigen. Die Beschwerden entstehen dabei nicht nur durch die Würmer selbst, sondern auch durch die Reaktion des Immunsystems auf die Parasiten und ihre Stoffwechselprodukte. Deshalb können Pferde bereits bei vergleichsweise geringer Wurmbelastung deutliche Symptome entwickeln.

Während Esel häufig nur geringe Symptome zeigen, entwickeln Pferde oftmals deutlich stärkere Entzündungsreaktionen. Dadurch fallen die klinischen Beschwerden beim Pferd häufig stärker auf als beim eigentlichen Hauptwirt.

Warum Lungenwürmer oft lange unbemerkt bleiben

Das wichtigste Symptom eines Lungenwurmbefalls ist Husten. Dieser beginnt häufig schleichend und wird zunächst oft als Staubbelastung, leichte Atemwegsinfektion oder allergische Reaktion eingeordnet. Besonders bei Pferden mit wiederkehrendem oder chronischem Husten wird deshalb häufig zuerst nach anderen Ursachen gesucht.

Bei stärkerem Befall können zusätzlich Nasenausfluss, erhöhte Atemfrequenz, Leistungsschwäche und eine verminderte Belastbarkeit auftreten. Da diese Symptome vielen anderen Atemwegserkrankungen ähneln, wird der Lungenwurm häufig nicht sofort als Ursache erkannt.

Besonders verdächtig sind Fälle, in denen Pferde gemeinsam mit Eseln gehalten werden oder wurden und sich andere Ursachen für die Atemwegsprobleme nicht eindeutig nachweisen lassen.

Lungenwürmer und die Diagnostik

Die Diagnose erfolgt häufig über spezielle Kotuntersuchungen, bei denen gezielt nach Larven gesucht wird. Anders als bei Strongyliden werden dabei nicht die Eier, sondern die ausgeschiedenen Larven nachgewiesen.

Beim Pferd hat diese Methode jedoch Grenzen. Da die Entwicklung der Parasiten häufig nicht vollständig abgeschlossen wird, können betroffene Pferde deutliche Symptome zeigen, ohne große Mengen an Larven auszuscheiden. Ein negativer Kotbefund schließt einen Lungenwurmbefall deshalb nicht sicher aus.

Bei unklaren Fällen können zusätzliche Untersuchungen der Atemwege sinnvoll sein. Dazu gehören beispielsweise Spülproben aus den Atemwegen oder weiterführende Untersuchungen durch den Tierarzt. Besonders bei Pferden mit Kontakt zu Eseln sollte der Lungenwurm auch bei negativen Kotproben weiterhin als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden.

Resistenzen und Behandlung

Lungenwürmer lassen sich grundsätzlich mit mehreren der in der Pferdemedizin etablierten Wirkstoffe behandeln. Dazu gehören insbesondere Ivermectin, Moxidectin und Fenbendazol.

Resistenzen spielen beim Lungenwurm bislang keine vergleichbare Rolle wie bei kleinen Strongyliden oder Spulwürmern. Entscheidend ist vielmehr, mögliche Infektionsquellen im Bestand zu erkennen und zu beseitigen.

Werden Pferde gemeinsam mit Eseln gehalten, sollten bei einem nachgewiesenen Befall grundsätzlich auch die Esel untersucht und gegebenenfalls behandelt werden. Andernfalls kann es immer wieder zu Neuinfektionen kommen. Gerade weil Esel häufig nur wenige Symptome zeigen, bleiben sie als Infektionsquelle leicht unentdeckt.

Fazit

Lungenwürmer gehören zu den seltenen Parasiten des Pferdes und treten heute meist im Zusammenhang mit Eseln auf. Während Esel häufig nur geringe Symptome zeigen und als Reservoir für den Parasiten dienen können, reagieren Pferde deutlich empfindlicher und entwickeln oft Husten sowie andere Atemwegsprobleme. Da die Entwicklung der Würmer im Pferd häufig unvollständig verläuft, können betroffene Tiere trotz Erkrankung nur wenige Larven ausscheiden. Das erschwert die Diagnose und führt dazu, dass Lungenwürmer häufig übersehen werden. Besonders bei chronischem Husten und Kontakt zu Eseln sollten sie deshalb immer in die Differentialdiagnose einbezogen werden.

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