Magendasseln beim Pferd – die Larven der Dasselfliege
Magendasseln gehören zu den ungewöhnlichsten Parasiten des Pferdes. Streng genommen handelt es sich dabei nicht um Würmer, sondern um die Larven verschiedener Dasselfliegen (Gasterophilus spp.). Während die erwachsenen Fliegen nur wenige Tage leben und keine Nahrung aufnehmen, verbringen ihre Larven mehrere Monate im Körper des Pferdes. Umgangssprachlich wird häufig von einem Befall mit Dasselfliegen gesprochen, tatsächlich sind jedoch die Larven – die Magendasseln – die eigentlichen Parasiten.
Eine weitere Besonderheit ist, dass die Infektion nicht über Kot oder Weidegras erfolgt. Stattdessen legt die Dasselfliege ihre Eier direkt auf dem Pferd ab. Das Pferd infiziert sich anschließend selbst, wenn es die Eier beim Putzen oder Knabbern aufnimmt. Dadurch unterscheidet sich der Lebenszyklus der Magendasseln grundlegend von dem aller anderen wichtigen Endoparasiten des Pferdes.
Wie infiziert sich das Pferd?
Die erwachsenen Dasselfliegen erscheinen in Mitteleuropa vor allem in den Sommer- und Herbstmonaten. Die Weibchen legen ihre gelblichen Eier bevorzugt an Körperstellen ab, die das Pferd gut mit dem Maul erreichen kann. Häufig findet man die Eier an den Vorderbeinen, im Schulterbereich oder am Brustkorb.
Die Eier sind sehr fest mit dem Haar verklebt und lassen sich nicht einfach abschütteln. Dadurch unterscheiden sie sich deutlich von Schmutz, Staub oder Blütenpollen, die häufig ebenfalls als gelbliche Beläge auf dem Fell zu sehen sind. Viele Pferdehalter entdecken die Eier deshalb bereits vor der eigentlichen Infektion.
Die Eiablage selbst scheint zudem einen lokalen Reiz auszulösen. Viele Pferde reagieren auf die Eier mit vermehrtem Knabbern oder Belecken der betroffenen Stellen. Genau dieser Mechanismus hilft der Dasselfliege bei ihrer Verbreitung. Durch die Wärme und Feuchtigkeit des Pferdemauls schlüpfen die Larven aus den Eiern und gelangen auf die Schleimhäute von Maul und Zunge.
Dort verbringen sie zunächst einige Wochen, bevor sie abgeschluckt werden und schließlich den Magen erreichen. Erst dort entwickeln sie sich weiter und verbringen den größten Teil ihres Lebenszyklus.
Was passiert im Pferd?
Nach dem Schlüpfen dringen die jungen Larven in die Schleimhaut von Maul und Zunge ein. Dabei können kleine lokale Reizungen und Entzündungen entstehen, die jedoch häufig unbemerkt bleiben. Nach einigen Wochen werden die Larven abgeschluckt und gelangen in den Magen.
Dort heften sie sich mit speziellen Mundhaken an die Magenschleimhaut an. Über viele Monate verbleiben sie an dieser Stelle und ernähren sich von Gewebeflüssigkeit und Schleimhautsekreten. Die Larven überwintern typischerweise im Magen und werden erst im folgenden Frühjahr wieder ausgeschieden.
Die Anheftungsstellen in der Magenschleimhaut führen zu lokalen Entzündungen. Bei stärkerem Befall können zahlreiche Larven gleichzeitig die Magenschleimhaut besetzen. Dadurch entstehen größere gereizte Bereiche, Schleimhautdefekte und Entzündungsreaktionen. Besonders im Bereich des drüsenlosen Magens werden solche Veränderungen regelmäßig beschrieben.
Die tatsächliche klinische Bedeutung wird unterschiedlich bewertet. Viele Pferde zeigen trotz eines Befalls keine offensichtlichen Symptome. Bei stärkerem Befall werden jedoch Magenreizungen, verminderte Futteraufnahme, Leistungseinbußen oder unspezifische Verdauungsstörungen beschrieben. In seltenen Fällen können große Larvenmengen auch im Bereich des Magenausgangs oder im Darm Probleme verursachen.
Warum Magendasseln oft lange unbemerkt bleiben
Anders als viele andere Parasiten verursachen Magendasseln häufig keine eindeutigen Symptome. Die eigentliche Infektion bleibt deshalb oft unbemerkt. Auffälliger als die Larven im Magen sind meist die Eier auf dem Fell.
Wer die typischen gelben Eier kennt, kann einen Befall häufig schon erkennen, bevor die Larven überhaupt in den Magen gelangen. Die Eier stellen deshalb eine Besonderheit unter den Pferdeparasiten dar: Kaum ein anderer Parasit lässt sich bereits vor der eigentlichen Infektion so leicht entdecken.
Trotzdem sollte ein Befall nicht unterschätzt werden. Werden an einzelnen Pferden Eier gefunden, ist davon auszugehen, dass die Dasselfliegen auch andere Pferde des Bestandes angeflogen haben. Nicht jedes Pferd trägt später sichtbar Eier, sodass der sichtbare Befall häufig nur die Spitze des Eisbergs darstellt.
Magendasseln und die Diagnostik
Eine klassische Kotprobe spielt bei Magendasseln nur eine untergeordnete Rolle. Die Larven verbringen den größten Teil ihres Lebenszyklus im Magen und scheiden keine Eier aus, die zuverlässig in einer Kotprobe gefunden werden könnten.
Die wichtigste Diagnostik erfolgt daher direkt am Pferd. Während der Flugzeit der Dasselfliegen sollten insbesondere die Vorderbeine, Schultern und die Brustregion regelmäßig auf die typischen gelben Eier kontrolliert werden. Werden Eier entdeckt, können diese mit speziellen Dasselmessern, Bimssteinen oder ähnlichen Hilfsmitteln möglichst frühzeitig entfernt werden.
Der Nachweis der Eier ist häufig aussagekräftiger als jede Kotprobe und liefert einen direkten Hinweis darauf, dass die Pferde Kontakt mit Dasselfliegen hatten.
Resistenzen und Behandlung
Zur Bekämpfung von Magendasseln haben sich insbesondere die Wirkstoffe Ivermectin und Moxidectin bewährt. Resistenzen spielen bei Magendasseln derzeit keine vergleichbare Rolle wie bei Strongyliden oder Spulwürmern.
Da die Larven erst nach dem ersten Frost vollständig in den Pferdekörper eingewandert sind und die Flugzeit der Dasselfliegen dann endet, erfolgt die Behandlung traditionell im Spätherbst oder frühen Winter. Werden während der Saison an einem Pferd Eier gefunden, wird in vielen Beständen nach dem ersten Frost der gesamte Pferdebestand behandelt. Dadurch werden auch Larven erfasst, die bereits aufgenommen wurden, selbst wenn nicht an jedem Pferd Eier sichtbar waren.
Zusätzlich kann das regelmäßige Entfernen der Eier vom Fell die Zahl der aufgenommenen Larven deutlich reduzieren und damit den Infektionsdruck senken.
Fazit
Magendasseln sind keine Würmer, sondern die Larven der Dasselfliege. Ihr Lebenszyklus unterscheidet sich deutlich von dem anderer Pferdeparasiten, da die Infektion direkt über am Fell abgelegte Eier erfolgt. Die charakteristischen gelben Eier sind oft schon vor der eigentlichen Infektion sichtbar und ermöglichen eine frühe Erkennung. Nach der Aufnahme wandern die Larven über die Maulschleimhaut in den Magen, wo sie sich über Monate an der Magenschleimhaut festsetzen und lokale Entzündungen verursachen können. Werden während der Saison Eier an einem Pferd gefunden, sollte der gesamte Bestand im Rahmen des Entwurmungskonzeptes berücksichtigt werden. Dadurch gehören Magendasseln trotz ihrer ungewöhnlichen Lebensweise zu den Parasiten, die in keinem modernen Parasitenmanagement fehlen sollten.
