Große Strongyliden beim Pferd – die gefürchteten Wurmlarven in den Blutgefäßen
Große Strongyliden gehörten über viele Jahrzehnte zu den gefährlichsten Parasiten des Pferdes. Bevor moderne Wurmkuren zur Verfügung standen, waren sie eine häufige Ursache schwerer Koliken, Durchblutungsstörungen und teilweise sogar plötzlicher Todesfälle. Heute sind große Strongyliden in vielen Pferdebeständen deutlich seltener geworden. Dennoch gelten sie weiterhin als eine der medizinisch wichtigsten Wurmgruppen des Pferdes.
Im Gegensatz zu den kleinen Strongyliden entsteht der größte Schaden nicht durch die erwachsenen Würmer im Darm, sondern durch die Wanderung der Larven im Körper. Besonders die Art Strongylus vulgaris hat sich darauf spezialisiert, Blutgefäße zu besiedeln und dort erhebliche Schäden zu verursachen. Schon vergleichsweise wenige Parasiten können dabei problematisch werden.
Wie infiziert sich das Pferd?
Der Lebenszyklus ähnelt zunächst dem der kleinen Strongyliden. Die erwachsenen Würmer leben im Darm des Pferdes und produzieren Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Frischer Kot ist auch hier noch nicht unmittelbar ansteckend. Erst im Kothaufen entwickeln sich aus den Eiern Larven, die mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen.
Die infektiösen Larven verlassen anschließend den Kothaufen, gelangen auf die umgebende Vegetation und werden beim Grasen aufgenommen. Mit der Aufnahme beginnt die eigentliche Besonderheit der großen Strongyliden: die Larvenwanderung im Körper des Pferdes.
Was passiert im Pferd?
Nach der Aufnahme verbleiben die Larven nicht einfach im Darm. Stattdessen durchdringen sie die Darmwand und wandern über die Blutgefäße weiter. Besonders Strongylus vulgaris nutzt die großen Darmarterien als Entwicklungsort.
Während dieser Wanderung können die Larven die Gefäßwände schädigen und Entzündungen auslösen. Die betroffenen Blutgefäße verdicken sich, verlieren an Elastizität und können teilweise verengt werden. In schweren Fällen entstehen Blutgerinnsel, die die Blutversorgung einzelner Darmabschnitte beeinträchtigen.
Gerade diese Gefäßschäden sind der Grund, warum große Strongyliden als besonders gefährlich gelten. Die eigentlichen Würmer im Darm verursachen oft vergleichsweise geringe Probleme. Die schwersten Schäden entstehen bereits während der Larvenwanderung, lange bevor die Parasiten ausgewachsen sind.
Warum große Strongyliden oft lange unbemerkt bleiben
Die Wanderung der Larven verläuft häufig über viele Monate. Während dieser Zeit zeigen betroffene Pferde oft keine eindeutigen Symptome. Erst wenn die Gefäßschäden stärker werden oder die Blutversorgung einzelner Darmbereiche beeinträchtigt wird, können Probleme auftreten.
Typische Anzeichen können wiederkehrende Koliken, Leistungsschwäche, Gewichtsverlust oder unspezifische Allgemeinstörungen sein. Da diese Symptome auch viele andere Ursachen haben können, werden große Strongyliden häufig nicht unmittelbar als Ursache erkannt.
Besonders gefürchtet sind sogenannte thromboembolische Koliken. Dabei führen Gefäßveränderungen oder Blutgerinnsel zu Durchblutungsstörungen im Darm. Solche Koliken können lebensbedrohlich verlaufen.
Große Strongyliden und die Diagnostik
Eine Besonderheit der großen Strongyliden besteht darin, dass ihre Eier in einer normalen Kotprobe praktisch nicht von den Eiern kleiner Strongyliden unterschieden werden können. Wird bei einer Kotuntersuchung lediglich „Strongyliden-Eier“ nachgewiesen, lässt sich daraus daher nicht erkennen, welche Art tatsächlich vorliegt.
Um große Strongyliden sicher nachzuweisen, ist eine sogenannte Larvenanzucht erforderlich. Dabei werden die im Kot enthaltenen Eier unter kontrollierten Bedingungen ausgebrütet, bis sich daraus Larven entwickeln. Diese Larven können anschließend mikroskopisch bestimmt und den verschiedenen Strongyliden-Arten zugeordnet werden.
Da große Strongyliden heute deutlich seltener geworden sind als kleine Strongyliden, gehört die Larvenanzucht meist nicht zur Standarduntersuchung einer Kotprobe nach dem McMaster-Verfahren. Gerade deshalb kann ein Befall leicht übersehen werden, wenn ausschließlich die Eizahl bestimmt wird.
Viele Parasitologen empfehlen daher, bei Pferden im Rahmen einer selektiven Entwurmung zusätzlich regelmäßig eine Larvenanzucht durchführen zu lassen. In der Praxis hat es sich bewährt, diese Untersuchung etwa einmal jährlich einzuplanen. Dadurch lässt sich frühzeitig erkennen, ob große Strongyliden im Bestand vorkommen und ob weiterführende Maßnahmen notwendig sind.
Anders als bei kleinen Strongyliden geht es hier nicht darum, eine bestimmte Wurmbürde zu tolerieren. Große Strongyliden gelten aufgrund ihrer Larvenwanderung und der möglichen Gefäßschäden bereits bei niedrigen Befallszahlen als medizinisch relevant. Ihr Nachweis sollte deshalb immer ernst genommen werden.
Warum große Strongyliden heute seltener sind
Große Strongyliden gelten als einer der größten Erfolge moderner Parasitenkontrolle. Durch die regelmäßige Entwurmung der vergangenen Jahrzehnte konnten ihre Bestände in vielen Regionen drastisch reduziert werden.
Während sie früher als häufigste und gefährlichste Wurmgruppe galten, werden heute in vielen Pferdebeständen nur noch vereinzelt Infektionen nachgewiesen. Genau dieser Erfolg führt allerdings dazu, dass die Parasiten heute manchmal unterschätzt werden. Da schon wenige Larven erhebliche Schäden verursachen können, bleibt ihre Überwachung weiterhin wichtig.
Im Gegensatz zu den kleinen Strongyliden spielen Resistenzen bei den großen Strongyliden derzeit eine deutlich geringere Rolle. Die größte Herausforderung besteht heute eher darin, ihr Wiederauftreten in Beständen rechtzeitig zu erkennen.
Resistenzen und Behandlung
Zur Behandlung großer Strongyliden stehen dieselben Wirkstoffgruppen zur Verfügung wie bei vielen anderen Rundwürmern des Pferdes. Dazu gehören insbesondere die Makrozyklischen Laktone wie Ivermectin und Moxidectin, aber auch weitere Wirkstoffe können je nach Situation eingesetzt werden.
Da große Strongyliden in vielen Beständen selten geworden sind, liegt der Schwerpunkt heute weniger auf häufigen Behandlungen als auf einer gezielten Überwachung und frühzeitigen Bekämpfung nach einem Nachweis.
Fazit
Große Strongyliden gehören heute zwar nicht mehr zu den häufigsten Würmern des Pferdes, zählen aber weiterhin zu den medizinisch bedeutendsten Parasiten. Anders als bei den kleinen Strongyliden entstehen die größten Schäden nicht im Darm selbst, sondern während der Wanderung der Larven durch die Blutgefäße. Die daraus resultierenden Gefäßschäden und Durchblutungsstörungen können schwere Koliken verursachen. Da ihre Eier in der normalen Kotprobe nicht von denen kleiner Strongyliden unterschieden werden können, spielt die regelmäßige Larvenanzucht eine wichtige Rolle bei der Überwachung dieser Parasiten. Gerade weil große Strongyliden heute selten geworden sind, sollten sie nicht in Vergessenheit geraten.
