Spulwürmer beim Pferd – die typischen Parasiten von Fohlen und Jungpferden
Spulwürmer (Parascaris spp.) gehören zu den bekanntesten Endoparasiten des Pferdes. Fast jeder Pferdehalter hat schon einmal von ihnen gehört, denn sie zählen zu den wichtigsten Parasiten bei Fohlen und Jungpferden. Während viele andere Wurmarten Pferde jeden Alters befallen können, treten Spulwürmer vor allem in den ersten Lebensjahren auf. Fohlen und Jungpferde verfügen noch nicht über eine wirksame Abwehr gegen diese Parasiten und können deshalb erhebliche Wurmbelastungen entwickeln. Im Laufe der ersten Lebensjahre bildet das Immunsystem jedoch eine zunehmende Widerstandsfähigkeit aus, sodass Spulwürmer bei gesunden erwachsenen Pferden deutlich seltener werden. Gerade deshalb gelten sie als typische „Kinderkrankheit“ des Pferdes.
Hohe Spulwurmbelastungen können bei jungen Pferden erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen. In schweren Fällen können die Würmer sogar zu Darmverschlüssen und lebensbedrohlichen Koliken führen.
Wie infiziert sich das Pferd?
Der Lebenszyklus der Spulwürmer beginnt mit Eiern, die von den erwachsenen Würmern im Dünndarm produziert und mit dem Kot ausgeschieden werden. Frisch ausgeschiedene Eier sind zunächst noch nicht infektiös. Anders als bei den Strongyliden schlüpfen die Larven jedoch nicht bereits im Kothaufen und wandern anschließend auf die Weidevegetation. Stattdessen entwickelt sich die Larve vollständig innerhalb des Eis.
Erst nach mehreren Tagen bis wenigen Wochen – abhängig von Temperatur und Feuchtigkeit – enthält das Ei eine vollständig entwickelte infektiöse Larve. Das Pferd nimmt also nicht die Larve selbst auf, sondern das gesamte Ei. Erst nach der Aufnahme schlüpft die Larve im Verdauungstrakt des Pferdes und beginnt ihre Wanderung durch den Körper.
Eine Besonderheit der Spulwurmeier ist ihre enorme Widerstandsfähigkeit. Die dickwandigen Eier können unter günstigen Bedingungen über viele Monate bis Jahre in Stallungen, Ausläufen oder auf Weiden überleben. Anders als die Larven der Strongyliden wandern sie jedoch nicht aktiv auf Grashalme. Stattdessen verbleiben die infektiösen Eier in der Umgebung und können durch Staub, Schmutzpartikel, verschmutztes Futter, Wasser oder an Pflanzen anhaftende Erdpartikel aufgenommen werden.
Gerade Fohlen und Jungpferde nehmen beim Erkunden ihrer Umwelt regelmäßig kleine Mengen Erde, Sand oder verschmutztes Pflanzenmaterial auf. Dadurch gelangen die infektiösen Eier in den Verdauungstrakt. In Fohlenaufzuchtbetrieben können sich auf diese Weise über die Jahre erhebliche Infektionsquellen aufbauen, selbst wenn aktuell keine stark befallenen Pferde vorhanden sind.
Was passiert im Pferd?
Nach dem Schlüpfen im Dünndarm verbleiben die Larven nicht einfach im Verdauungstrakt. Die Wanderung durch den Körper ist vielmehr ein zwingender Bestandteil ihres Lebenszyklus. Zunächst durchdringen die Larven die Darmwand und gelangen über die Blutbahn zur Leber. Von dort wandern sie weiter in die Lunge, wo sie sich mehrere Tage entwickeln. Anschließend gelangen sie über die Atemwege in den Rachenraum, werden vom Pferd hochgehustet und anschließend wieder abgeschluckt.
Erst nach dieser Wanderung kehren die Larven in den Dünndarm zurück. Dort entwickeln sie sich zu den erwachsenen Würmern, die schließlich Eier produzieren und den Lebenszyklus fortsetzen. Ohne diese Leber-Lungen-Wanderung könnten sich Spulwürmer nicht zu geschlechtsreifen Würmern entwickeln.
Diese ungewöhnliche Entwicklungsstrategie erklärt viele der gesundheitlichen Auswirkungen eines Befalls. Während der Passage durch die Leber entstehen kleine Entzündungsherde und Gewebeschäden. In der Lunge können die wandernden Larven Reizungen der Atemwege hervorrufen, die sich insbesondere bei Fohlen als Husten oder verminderte Belastbarkeit bemerkbar machen können. Die größten Probleme entstehen jedoch meist erst nach der Rückkehr in den Dünndarm. Einzelne Spulwürmer können über 20 Zentimeter lang werden und in großer Zahl auftreten. Bei starkem Befall können sich regelrechte Wurmknäuel bilden, die den Darminhalt behindern oder im Extremfall sogar einen Darmverschluss verursachen.
Warum Spulwürmer nicht immer sofort auffallen
Leichte Infektionen verlaufen häufig unauffällig. Gerade weil Fohlen und Jungpferde viele Veränderungen durch Wachstum und Ausbildung durchlaufen, werden erste Anzeichen eines Befalls oft nicht unmittelbar mit Parasiten in Verbindung gebracht.
Während der Larvenwanderung durch die Lunge können Husten, Nasenausfluss oder eine verminderte Belastbarkeit auftreten. Später stehen meist Verdauungsprobleme im Vordergrund. Betroffene Fohlen zeigen häufig ein schlechteres Wachstum, Gewichtsverlust, einen aufgetriebenen Bauch, stumpfes Fell oder wiederkehrende Verdauungsstörungen. Bei sehr starkem Befall können Koliken auftreten. Besonders gefürchtet sind Darmverschlüsse durch große Mengen lebender oder abgestorbener Würmer.
Spulwürmer und die Diagnostik
Spulwürmer gehören zu den Parasiten, die sich über Kotproben vergleichsweise gut nachweisen lassen. Die erwachsenen Würmer produzieren große Mengen charakteristischer Eier, die mikroskopisch gut erkannt werden können.
Wichtig ist jedoch, dass die Organwanderung der Larven bereits stattfindet, bevor die ersten Eier ausgeschieden werden. Sehr junge Infektionen können deshalb trotz vorhandener Larven noch unauffällige Kotproben liefern. Bei Fohlen und Jungpferden besitzen regelmäßige Kotuntersuchungen deshalb einen besonders hohen Stellenwert. Sie ermöglichen eine gezielte Überwachung des Befalls und helfen dabei, unnötige Behandlungen zu vermeiden.
Resistenzen und Behandlung
Spulwürmer spielen eine besondere Rolle bei der Resistenzentwicklung gegen Wurmkuren. Während bei den Strongyliden vor allem Benzimidazole und teilweise Pyrantel betroffen sind, wurden bei Spulwürmern in vielen Ländern zunehmend Resistenzen gegen Makrozyklische Laktone wie Ivermectin beschrieben.
Zur Behandlung stehen grundsätzlich Wirkstoffe wie Fenbendazol, Pyrantel, Ivermectin und Moxidectin zur Verfügung. Welche Wirkstoffe sinnvoll eingesetzt werden sollten, hängt von der Altersgruppe, der regionalen Resistenzsituation und dem jeweiligen Entwurmungskonzept ab.
Gerade bei Fohlen ist eine gezielte Parasitenkontrolle besonders wichtig, da hohe Wurmbelastungen deutlich schwerwiegendere Folgen haben können als bei erwachsenen Pferden.
Fazit
Spulwürmer gehören zu den wichtigsten Parasiten von Fohlen und Jungpferden. Charakteristisch sind ihre widerstandsfähigen Eier, die Aufnahme über die Umwelt sowie die obligatorische Wanderung der Larven durch Leber und Lunge, bevor sie als ausgewachsene Würmer den Dünndarm besiedeln. Während gesunde erwachsene Pferde meist eine wirksame Immunität entwickeln, können hohe Spulwurmbelastungen bei jungen Pferden erhebliche gesundheitliche Probleme bis hin zum Darmverschluss verursachen. Durch ihre gute Nachweisbarkeit in Kotproben lassen sich Spulwürmer meist zuverlässig überwachen, gleichzeitig spielen zunehmende Resistenzen gegen einzelne Wurmkuren eine wichtige Rolle. Gerade deshalb kommt der gezielten Parasitenkontrolle im Fohlen- und Jungpferdealter eine besondere Bedeutung zu.
