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Resistenzen gegen Wurmkuren – wie sie entstehen und warum sie uns alle betreffen

Wurmkuren gehören seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Werkzeugen im Wurmmanagement von Pferden. Sie haben dazu beigetragen, schwere Verwurmungen deutlich zu reduzieren und die Gesundheit vieler Pferde nachhaltig zu verbessern. Gleichzeitig hat ihr erfolgreicher Einsatz ein Problem hervorgebracht, das heute zu den größten Herausforderungen der Parasitenbekämpfung gehört: die Entwicklung von Resistenzen.

Resistenzen sind kein theoretisches Zukunftsproblem, sondern bereits Realität. Besonders bei einigen Wirkstoffen zeigen viele Wurmarten heute eine deutlich geringere Empfindlichkeit als noch vor wenigen Jahrzehnten. Um zu verstehen, warum moderne Entwurmungsstrategien entstanden sind, lohnt sich deshalb ein Blick darauf, wie Resistenzen überhaupt entstehen.

Was bedeutet „Resistenz“?

Wenn Pferdehalter von Resistenzen sprechen, entsteht oft der Eindruck, die Würmer würden sich an eine Wurmkur „gewöhnen“. Tatsächlich läuft der Prozess anders ab. Die Wurmkur verändert die Würmer nicht aktiv. Stattdessen sorgt sie dafür, dass empfindliche Würmer absterben, während einzelne widerstandsfähigere Parasiten überleben.

Diese überlebenden Würmer vermehren sich anschließend weiter. Mit jeder Generation steigt dadurch der Anteil der Parasiten, die gegen den eingesetzten Wirkstoff weniger empfindlich sind. Irgendwann erreicht die Population einen Punkt, an dem die Wurmkur nicht mehr zuverlässig wirkt. Dann spricht man von einer Resistenz.

Die Evolution im Pferdedarm

Die Entstehung von Resistenzen ist letztlich ein Beispiel für natürliche Selektion. In einer Wurmpopulation gibt es immer kleine Unterschiede zwischen einzelnen Individuen. Manche Würmer sind etwas empfindlicher gegenüber einem Wirkstoff, andere etwas robuster.

Wird nun eine Wurmkur verabreicht, sterben die empfindlichen Würmer ab. Die widerstandsfähigeren Würmer überleben und produzieren die nächste Generation. Wiederholt sich dieser Vorgang über viele Jahre, verschiebt sich die Zusammensetzung der Wurmpopulation immer weiter in Richtung Resistenz.

Vereinfacht gesagt: Die Wurmkur erzeugt keine resistenten Würmer. Sie sorgt lediglich dafür, dass resistente Würmer einen Überlebensvorteil erhalten.

Fenbendazol – ein Beispiel aus der Praxis

Besonders gut lässt sich dieser Prozess am Wirkstoff Fenbendazol beobachten. Als die Benzimidazole eingeführt wurden, galten sie als äußerst wirksam gegen Strongyliden und andere Rundwürmer. Über viele Jahre wurden sie regelmäßig eingesetzt und erzielten hervorragende Behandlungserfolge.

Mit der Zeit zeigte sich jedoch, dass immer mehr kleine Strongyliden die Behandlung überlebten. Heute bestehen in vielen Regionen ausgeprägte Resistenzen gegen Fenbendazol. Der Wirkstoff ist dadurch nicht wertlos geworden, seine Wirksamkeit gegen bestimmte Parasiten kann jedoch deutlich eingeschränkt sein.

Fenbendazol zeigt eindrucksvoll, dass Resistenzen nicht plötzlich entstehen. Sie entwickeln sich langsam über viele Jahre hinweg und bleiben häufig lange unbemerkt.

Warum werden Resistenzen oft erst spät erkannt?

Genau darin liegt eines der größten Probleme. Ein Pferd zeigt nicht automatisch Krankheitssymptome, nur weil eine Wurmkur schlechter wirkt. Die Behandlung wird durchgeführt, die Pferde wirken gesund und zunächst scheint alles in Ordnung zu sein.

Gleichzeitig können jedoch resistente Würmer überleben und sich weiter vermehren. Da dieser Prozess schleichend verläuft, bleibt er oft über Jahre unentdeckt. Erst wenn die Wirksamkeit eines Präparates deutlich nachlässt oder gezielte Untersuchungen durchgeführt werden, wird das Ausmaß sichtbar.

Resistenzen entstehen daher häufig im Verborgenen. Wer ausschließlich nach dem äußeren Eindruck des Pferdes urteilt, bemerkt sie meist erst sehr spät.

Ähnlichkeiten zu Antibiotikaresistenzen

Ein ähnlicher Mechanismus ist aus der Humanmedizin bekannt. Auch bei Antibiotika sterben empfindliche Bakterien ab, während widerstandsfähige Keime überleben und sich vermehren können. Die Folge sind resistente Bakterienstämme, gegen die bestimmte Antibiotika nur noch eingeschränkt wirken.

Obwohl Würmer und Bakterien biologisch völlig unterschiedliche Organismen sind, folgt die Resistenzentwicklung demselben Grundprinzip: Werden immer wieder dieselben Wirkstoffe eingesetzt, überleben die widerstandsfähigsten Individuen und geben ihre Eigenschaften an die nächste Generation weiter.

Warum Unterdosierungen besonders problematisch sind

Ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Resistenzen ist die Unterdosierung. Wird ein Pferd zu leicht geschätzt oder ein Teil der Paste ausgespuckt, kann die tatsächlich aufgenommene Wirkstoffmenge unter der empfohlenen Dosis liegen.

Gerade dann entsteht eine problematische Situation: Die empfindlichsten Würmer sterben ab, während robustere Individuen überleben. Diese Würmer bilden anschließend die Grundlage für die nächste Generation. Unterdosierungen wirken deshalb wie ein Selektionsfilter und fördern die Entwicklung resistenter Populationen.

Aus diesem Grund sollte das Gewicht eines Pferdes möglichst genau bestimmt und die vollständige Aufnahme der Wurmkur sichergestellt werden.

Das Refugien-Prinzip – warum nicht jeder Wurm ein Problem ist

Eine der spannendsten Erkenntnisse der modernen Parasitologie ist das sogenannte Refugien-Prinzip. Lange Zeit galt die Vorstellung, möglichst alle Würmer beseitigen zu müssen. Heute weiß man, dass dies nicht immer sinnvoll ist.

Die meisten wichtigen Pferdewürmer wie kleine Strongyliden, große Strongyliden oder Spulwürmer besitzen männliche und weibliche Tiere. Die weiblichen Würmer produzieren nach der Paarung die Eier, die später mit dem Kot ausgeschieden werden. Für die nächste Generation müssen sich die Würmer also fortpflanzen und ihre Erbanlagen an ihre Nachkommen weitergeben.

Unter einem Refugium versteht man den Teil der Wurmpopulation, der nicht mit einem Entwurmungsmittel in Kontakt kommt. Dazu gehören beispielsweise Würmer in unbehandelten Pferden oder Larvenstadien auf der Weide. Diese Parasiten sind häufig noch empfindlich gegenüber den eingesetzten Wirkstoffen.

Überleben nach einer Entwurmung einige resistente Würmer, vermehren sie sich nicht nur untereinander. Ihre Nachkommen entstehen vielmehr gemeinsam mit den zahlreichen empfindlichen Würmern aus der Umgebung. Vereinfacht gesagt „paart“ sich ein resistenter Wurm mit einem empfindlichen Wurm. Dadurch werden die Gene für die Resistenz in der Gesamtpopulation gewissermaßen verdünnt und breiten sich deutlich langsamer aus. Viele der Nachkommen tragen dann nicht mehr die vollständige Widerstandsfähigkeit ihrer resistenten Eltern und bleiben gegenüber der Wurmkur empfindlich. Genau dadurch kann die Wirksamkeit eines Entwurmungsmittels über einen deutlich längeren Zeitraum erhalten bleiben.

Fehlt dieses Refugium dagegen, vermehren sich überwiegend die wenigen überlebenden resistenten Würmer miteinander. In diesem Fall steigt der Anteil resistenter Gene von Generation zu Generation deutlich schneller an. Die Resistenz breitet sich dann wesentlich rascher im Bestand aus.

Paradoxerweise kann also eine Population empfindlicher Würmer dazu beitragen, die Wirksamkeit unserer Entwurmungsmittel länger zu erhalten. Genau dieses Prinzip gehört zu den wichtigsten wissenschaftlichen Grundlagen der zeitgemäßen selektiven Entwurmung.

Welche Wirkstoffe sind besonders betroffen?

Die Resistenzlage unterscheidet sich deutlich zwischen den einzelnen Wirkstoffgruppen. Gegen Fenbendazol bestehen bei kleinen Strongyliden vielerorts ausgeprägte Resistenzen. Auch gegen Pyrantel wurden in verschiedenen Regionen bereits verringerte Empfindlichkeiten und Resistenzen beschrieben.

Bei Ivermectin und Moxidectin ist die Situation derzeit noch günstiger. Allerdings werden auch hier erste Hinweise auf nachlassende Empfindlichkeiten beobachtet. Gerade deshalb gilt es als wichtig, diese Wirkstoffe möglichst gezielt einzusetzen und ihre Wirksamkeit langfristig zu erhalten.

Praziquantel spielt bei Resistenzen derzeit eine deutlich geringere Rolle. Bislang besitzen Resistenzen gegen diesen Wirkstoff beim Pferd keine vergleichbare praktische Bedeutung.

Wie lassen sich Resistenzen erkennen?

Resistenzen können weder am Aussehen eines Pferdes noch an seinem Verhalten erkannt werden. Die wichtigste Möglichkeit zur Überprüfung ist eine Wirksamkeitskontrolle nach der Entwurmung.

Hierzu wird etwa zwei Wochen nach der Behandlung erneut eine Kotprobe untersucht. Ist die Eiausscheidung deutlich reduziert oder nicht mehr nachweisbar, spricht dies für eine gute Wirksamkeit des eingesetzten Präparates. Werden dagegen weiterhin relevante Mengen an Wurmeiern gefunden, kann dies auf eine verminderte Wirksamkeit oder eine Resistenz hindeuten.

Solche Kontrollen werden in vielen Beständen noch zu selten durchgeführt, obwohl sie eine der wichtigsten Möglichkeiten darstellen, Resistenzentwicklungen frühzeitig zu erkennen.

Was können Pferdehalter tun?

Die Entstehung von Resistenzen lässt sich nicht vollständig verhindern, aber deutlich verlangsamen. Dazu gehört zunächst die korrekte Dosierung jeder Wurmkur. Das Körpergewicht sollte möglichst genau bestimmt werden, um Unterdosierungen zu vermeiden.

Ebenso wichtig ist die regelmäßige Überprüfung der Wirksamkeit eingesetzter Präparate. Bereits ein- bis zweimal jährlich durchgeführte Kontrolluntersuchungen können wertvolle Hinweise liefern und helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen. Besonders in Ställen mit klassischer strategischer Entwurmung kann eine Kotuntersuchung etwa zwei Wochen nach der Wurmkur zeigen, ob das eingesetzte Präparat tatsächlich noch zuverlässig wirkt.

Darüber hinaus tragen eine gute Weidehygiene, ein durchdachtes Wurmmanagement und der gezielte Einsatz von Entwurmungsmitteln dazu bei, den Selektionsdruck auf die Parasiten möglichst gering zu halten. Genau aus diesen Überlegungen heraus entstanden moderne Konzepte wie die zeitgemäße selektive Entwurmung.

Fazit

Resistenzen entstehen nicht plötzlich, sondern entwickeln sich über viele Jahre hinweg durch natürliche Selektion. Die Wurmkur selbst erzeugt keine resistenten Würmer, sie verschafft ihnen lediglich einen Überlebensvorteil gegenüber empfindlichen Parasiten.

Die zunehmende Resistenzentwicklung gehört heute zu den wichtigsten Herausforderungen im Wurmmanagement von Pferden. Umso wichtiger sind eine korrekte Dosierung, regelmäßige Wirksamkeitskontrollen und ein bewusster Einsatz der verfügbaren Wirkstoffe. Ziel ist nicht, möglichst oft zu entwurmen, sondern die vorhandenen Entwurmungsmittel möglichst lange wirksam zu erhalten.

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