Weiße Straußgras (Agrostis stolonifera)
Bezeichnungen
Das Weiße Straußgras (Agrostis stolonifera) gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae), die auch als Süßgrasgewächse bezeichnet wird. Weitere gebräuchliche Namen sind „Ausläufer-Straußgras“ oder „Flecht-Straußgras“. In älteren Texten findet man auch die Bezeichnung Agrostis alba. Der deutsche Name „Straußgras“ kann leicht zu Verwechslungen mit dem Roten Straußgras führen.

Lebensdauer
Das Weiße Straußgras ist eine mehrjährige, ausdauernde Pflanze, die besonders auf feuchten bis nassen Standorten über viele Jahre bestehen kann.
Wuchs
Das Weiße Straußgras ist ein ausgeprägter Narbenbildner. Es bildet lange, oberirdische Ausläufer, sogenannte Stolonen, über die es sich vegetativ stark ausbreiten kann. An den Knoten dieser Ausläufer können neue Wurzeln und Triebe entstehen. Dadurch kann das Gras dichte, flächige Rasen bilden.
Die Wuchshöhe liegt häufig etwa zwischen 10 und 50 Zentimetern, kann unter günstigen Bedingungen aber auch darüber liegen. Auf feuchten Standorten ist das Weiße Straußgras konkurrenzstark, auf trockeneren Flächen dagegen deutlich schwächer. Die Pflanze bildet feine, weiche Blätter und eher zarte Halme.
Blüte
Das Weiße Straußgras blüht meist zwischen Juli und August, je nach Standort teilweise auch bis September. Der Blütenstand ist eine feine, ausgebreitete Rispe mit kleinen Ährchen, die silbrig, grünlich oder leicht rötlich wirken können.
Die Samen sind fein und können durch Wind verbreitet werden. Für die Ausbreitung im Bestand sind jedoch vor allem die oberirdischen Stolonen wichtig, da sie dem Gras ermöglichen, offene und feuchte Bodenstellen schnell zu besiedeln.
Gras erkennen
Das Weiße Straußgras ist an seiner kriechenden Wuchsform mit oberirdischen Ausläufern gut zu erkennen. Die Blätter sind schmal, weich, kahl und oft hellgrün bis graugrün. Das Blatthäutchen ist auffällig lang und weißlich, Blattöhrchen fehlen.
Die Halme sind dünn und biegsam. Während der Blüte bildet das Gras feine, lockere Rispen. Das Wurzelsystem bleibt eher oberflächennah, an den Knoten der Stolonen können jedoch zusätzliche Wurzeln entstehen.
Standort
Das Weiße Straußgras bevorzugt frische bis feuchte, nasse und zeitweise überflutete Standorte. Es kommt häufig in Feuchtwiesen, Senken, an Gräben, Ufern, Weiderändern und auf verdichteten oder vernässten Flächen vor. Auch in Küstenbereichen und auf salzbeeinflussten Standorten kann es wachsen.
Auf trockenen Standorten ist es wenig konkurrenzfähig. Für Pferdeweiden ist sein Auftreten daher oft ein Hinweis auf feuchte, verdichtete oder schlecht abtrocknende Bereiche.
Trittfestigkeit
Die Trittfestigkeit des Weißen Straußgrases ist je nach Standort und Bestand unterschiedlich zu bewerten. Durch seine oberirdischen Ausläufer kann es zwar dichte Rasen bilden und offene Stellen überziehen, bei starker Belastung, Verdichtung und Matsch leidet die Grasnarbe jedoch deutlich.
In kleinen Anteilen kann es auf feuchten oder hängigen Flächen zur Bodenbedeckung beitragen. Bei größeren Anteilen überwiegen jedoch häufig die Nachteile, vor allem Verfilzung, geringe Futterqualität und schlechte Akzeptanz auf der Weide.
Nährwerte
Das Weiße Straußgras besitzt insgesamt eher einen mittleren bis geringen Futterwert. Es ist kein Hochleistungsgras und liefert weder besonders hohe Erträge noch besonders strukturreiches Futter. Auf feuchten Standorten kann es zwar über längere Zeit grün bleiben, ist aber im Vergleich zu vielen anderen Grünlandgräsern oft weniger schmackhaft.
Aussagen zu hohen Fruktan- oder Zuckergehalten sollten vorsichtig betrachtet werden, da diese für diese Art nicht so eindeutig belegt sind wie bei Weidelgräsern. Für Pferde ist vor allem entscheidend, dass Weiße Straußgras-Bestände oft weich, fein, teilweise verfilzt und wenig strukturgebend sind.
Pferdeweide
Auf Pferdeweiden kommt das Weiße Straußgras vor allem in feuchten, verdichteten oder schlecht abtrocknenden Bereichen vor. In kleinen Anteilen kann es zur Begrünung und Bodenbedeckung solcher Standorte beitragen und Teil eines artenreichen Bestandes sein.
Problematisch wird es, wenn es größere, flächige oder verfilzte Bestände bildet. Solche Bereiche werden von Pferden häufig weniger gern gefressen und liefern nur begrenzte Struktur. Für intensiv genutzte, trockene oder stark belastete Pferdeweiden ist das Weiße Straußgras daher kein ideales Gras. In feuchten Randbereichen kann es jedoch eine standorttypische Begleitart sein.
Heugewinnung
Für die Heugewinnung besitzt das Weiße Straußgras nur eine begrenzte Bedeutung. In kleineren Anteilen kann es Bestandteil extensiver, feuchter Heuwiesen sein. Die feinen Halme können zwar grundsätzlich gut abtrocknen, der Standort selbst erschwert jedoch häufig die Heugewinnung, weil feuchte Flächen später befahrbar sind und langsamer trocknen.
Als dominierendes Heugras ist das Weiße Straußgras für Pferdeheu weniger geeignet. Größere Anteile können zu einem weichen, wenig strukturreichen Heu führen. In artenreichen Feuchtwiesen kann es jedoch in kleineren Mengen zur Vielfalt beitragen.
Wissenswertes
Der Artname „stolonifera“ bedeutet „ausläufertragend“ und beschreibt die langen oberirdischen Ausläufer, mit denen sich das Weiße Straußgras flächig ausbreiten kann. In der Natur ist es eine typische Art feuchter, zeitweise nasser oder verdichteter Grünlandbereiche.
Größere Bestände können auf Pferdeweiden ein Hinweis auf Feuchtigkeit, Verdichtung, schwache Nutzung oder lückige Bestände sein.
Fazit
Das Weiße Straußgras ist ein typisches Gras feuchter bis nasser Standorte und kann dort zur Bodenbedeckung beitragen. Für Pferdeweiden ist es in kleinen Anteilen als standorttypische Begleitart akzeptabel, sollte aber nicht dominieren.
Aus Pferdesicht liegen seine Grenzen vor allem in mäßigem Futterwert, geringer Strukturwirkung, möglicher Verfilzung und oft begrenzter Akzeptanz auf der Weide. In artenreichen Feuchtwiesen kann es zur Vielfalt beitragen, für hochwertige Pferdeweiden und Pferdeheu sollte es jedoch nur eine Nebenrolle spielen.
