Rote Straußgras (Agrostis capillaris)
Das Rote Straußgras (Agrostis capillaris) gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae), die auch als Süßgrasgewächse bezeichnet wird. Weitere gebräuchliche Namen sind „Feines Straußgras“ oder einfach „Straußgras“. Die ältere botanische Bezeichnung Agrostis tenuis wird heute meist nicht mehr verwendet.

Lebensdauer
Das Rote Straußgras ist ein mehrjähriges, ausdauerndes Gras. Besonders auf extensiv genutzten und nährstoffärmeren Flächen kann es sich über viele Jahre in der Grasnarbe halten.
Wuchs
Das Rote Straußgras ist ein feines, niedrig wachsendes Gras mit kurzen Ausläufern, durch die es lockere bis mäßig dichte Grasnarben bilden kann. Es zählt zu den Untergräsern und erreicht meist Wuchshöhen zwischen 20 und 60 Zentimetern, in der Blüte teilweise auch etwas mehr.
Im Vergleich zu leistungsstarken Futtergräsern wie Deutschem Weidelgras oder Knaulgras ist es deutlich weniger konkurrenzstark. Seine Stärke liegt nicht im hohen Ertrag, sondern in seiner Anpassung an magere und extensive Standorte. Die Blätter bleiben fein, weich und relativ zart. Eine starke Verholzung tritt kaum auf.
Blüte
Die Blütezeit reicht meist von Juni bis August, teilweise auch bis in den September. Die lockeren, feinen Rispen wirken oft leicht rötlich oder violett überhaucht und verleihen dem Gras ein zartes Erscheinungsbild.
Die feinen Samen werden hauptsächlich durch Wind verbreitet. Besonders auf offenen und mageren Flächen kann sich das Rote Straußgras gut etablieren.
Gras erkennen
Das Rote Straußgras ist an seinen sehr feinen, schmalen und weichen Blättern zu erkennen. Die Blätter wirken häufig leicht glänzend und können fein gerieft sein.
Das Blatthäutchen ist kurz und stumpf, Blattöhrchen fehlen. Die Halme sind dünn und biegsam. Besonders auffällig sind die sehr feinen, lockeren Rispen, die während der Blüte fast schwebend wirken.
Standort
Das Rote Straußgras bevorzugt eher magere, mäßig feuchte und oft leicht saure Böden. Besonders gut gedeiht es auf extensiv genutzten Wiesen, mageren Weiden, sandigen Böden oder in höheren Lagen.
Auf stark gedüngten und intensiv genutzten Flächen wird es meist von wüchsigeren Gräsern verdrängt. Gerade dadurch ist es jedoch typisch für eher extensivere und naturnähere Pferdeweiden.
Trittfestigkeit
Die Trittfestigkeit des Roten Straußgrases ist gering bis mittel. Durch seine feine Struktur und das eher zarte Wachstum verträgt es starke Belastung durch Pferdehufe nur begrenzt.
Auf intensiv genutzten Pferdeweiden verschwindet es häufig mit der Zeit. In extensiven Weidesystemen oder weniger stark belasteten Bereichen kann es sich dagegen gut halten und zur Artenvielfalt beitragen.
Nährwerte
Das Rote Straußgras besitzt eher einen mäßigen Futterwert und liefert keine hohen Erträge. Gerade das kann aus Pferdesicht ein Vorteil sein. Für viele Freizeitpferde sind strukturreichere und energieärmere Gräser oft besser geeignet als klassische Hochleistungsgräser.
Aussagen zu Zucker- und Fruktangehalten sollten vorsichtig betrachtet werden, da diese stark von Witterung, Standort und Nutzung abhängen. Insgesamt gilt das Rote Straußgras jedoch eher als extensives und vergleichsweise pferdegerechtes Gras mit moderater Energiedichte.
Die feinen Blätter liefern zwar keine ausgeprägte Strukturwirkung wie grobere Gräser, tragen aber in artenreichen Beständen zu einem vielfältigen und eher energieärmeren Aufwuchs bei.
Pferdeweide
Auf Pferdeweiden spielt das Rote Straußgras vor allem auf extensiv genutzten, mageren oder trockeneren Standorten eine Rolle. Es wird von Pferden meist mitgefressen, gehört jedoch selten zu den bevorzugten Gräsern. Genau das kann auf Pferdeweiden durchaus erwünscht sein.
Für intensiv genutzte oder stark belastete Weiden ist das Rote Straußgras weniger geeignet, da es gegenüber trittfesteren und wüchsigeren Arten schnell verdrängt wird. In artenreichen und extensiven Pferdeweiden kann es jedoch einen wertvollen Beitrag zur Vielfalt und zu einer eher moderaten Energiedichte leisten.
Heugewinnung
In extensiven und artenreichen Heuwiesen kann das Rote Straußgras ein sinnvoller Bestandteil sein. Die feinen Halme trocknen gut und tragen zu einem eher weichen, feinen und moderaten Pferdeheu bei.
Die Erträge bleiben vergleichsweise gering, was aus landwirtschaftlicher Sicht oft unerwünscht ist, für viele Pferde jedoch eher vorteilhaft sein kann. Besonders für leichtfuttrige Pferde sind artenreiche, eher energieärmere Heuwiesen häufig besser geeignet als sehr leistungsorientierte Grasbestände.
Wissenswertes
Der Name „Straußgras“ leitet sich von den feinen, locker verzweigten Rispen ab, die an kleine Sträuße erinnern. Das Rote Straußgras gilt als typische Art extensiver, magerer und oft leicht saurer Standorte.
In intensiv bewirtschaftetem Grünland spielt es heute meist nur noch eine geringe Rolle, auf naturnahen Pferdeweiden und extensiven Heuwiesen kann es jedoch weiterhin ein wertvoller Bestandteil artenreicher Bestände sein.
Fazit
Das Rote Straußgras ist ein feines, eher extensives Gras für magere und naturnahe Standorte. Seine Stärke liegt nicht in hohen Erträgen oder maximalem Futterwert, sondern in seiner Anpassung an extensive Bedingungen und seiner Rolle in artenreichen Pferdeweiden und Heuwiesen.
Für intensiv genutzte Pferdeweiden ist es nur eingeschränkt geeignet. In extensiven, strukturreicheren und eher energieärmeren Beständen kann es jedoch zu einer pferdegerechteren Futtergrundlage beitragen.
