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Fachbegriffe zu Weidegräsern und Pferdeweiden

Wer sich mit Pferdeweiden und Heuwiesen beschäftigt, stößt schnell auf Fachbegriffe wie Horstbildner, Narbenbildner, Rhizome oder Strukturwirkung. Viele dieser Begriffe stammen aus der Grünlandkunde oder Pflanzenbestimmung und sind nicht allgemein bekannt.

In diesem Glossar erklären wir die wichtigsten Begriffe rund um Weidegräser, Grasnarben und Pferdeweiden einfach und praxisnah. Ziel ist, die Eigenschaften verschiedener Gräser besser zu verstehen und einschätzen zu können, welche Bedeutung sie für Pferdeweiden, Pferdeheu und das Erkennen von Gräsern haben.

Wuchsformen und Verhalten von Gräsern

Horst / Horstbildner: Horstbildende Gräser wachsen in einzelnen Büscheln oder Horsten und breiten sich nicht flächig über Ausläufer aus. Dadurch entstehen oft lockerere Bestände mit offenen Bodenstellen zwischen den Pflanzen. Viele horstbildende Gräser liefern strukturreiches Heu, sind auf stark belasteten Pferdeweiden jedoch häufig weniger trittfest als Narbenbildner.

Grasnarbe / Narbenbildner: Narbenbildende Gräser breiten sich über Ausläufer oder Rhizome aus und bilden eine dichte Grasnarbe. Dadurch schließen sie Lücken im Boden und verbessern die Trittfestigkeit von Pferdeweiden. Besonders auf stark genutzten Flächen helfen sie, offene Bodenstellen und Matschbildung zu reduzieren.

Rasenbildendes Gras: Als rasenbildend bezeichnet man Gräser, die durch dichte Bestockung oder Ausläufer eine geschlossene Pflanzendecke bilden. Solche Gräser helfen dabei, eine belastbare Grasnarbe aufzubauen und offene Bodenstellen zu reduzieren. Für Pferdeweiden sind rasenbildende Gräser besonders wichtig, da sie Trittschäden besser ausgleichen können.

Rhizome / unterirdische Ausläufer: Rhizome sind unterirdisch wachsende Ausläufer, mit denen sich manche Gräser im Boden ausbreiten. Über diese Triebe können Pflanzen neue Halme bilden, Lücken schließen und beschädigte Bereiche der Grasnarbe regenerieren. Gräser mit Rhizomen tragen oft zu einer dichten und trittfesten Grasnarbe bei.

Oberirdische Ausläufer / Stolonen: Stolonen sind oberirdisch kriechende Triebe, aus denen neue Pflanzen entstehen können. Sie helfen einigen Grasarten dabei, sich schnell über freie Bodenstellen auszubreiten.

Obergras: Obergräser wachsen meist höher als andere Gräser und prägen den oberen Bereich der Wiese. Sie liefern oft größere Mengen Aufwuchs, können aber je nach Art grober oder weniger trittfest sein.

Untergras: Untergräser bleiben niedriger und wachsen dichter am Boden. Viele Untergräser tragen zur Bildung einer stabilen Grasnarbe bei und reagieren häufig besser auf Beweidung.

Mittelhohe Gräser: Mittelhohe Gräser liegen in ihrer Wuchshöhe zwischen Ober- und Untergräsern. Sie verbinden je nach Art Eigenschaften beider Gruppen.

Regenerationsfähigkeit: Die Regenerationsfähigkeit beschreibt, wie gut sich ein Gras nach Verbiss, Schnitt oder Trittschäden erholen kann. Für Pferdeweiden ist eine gute Regeneration besonders wichtig.

Konkurrenzkraft: Konkurrenzkraft beschreibt, wie stark sich eine Grasart gegen andere Pflanzen durchsetzen kann. Sehr konkurrenzstarke Gräser können artenreiche Bestände verdrängen.

Trittfestigkeit: Trittfestigkeit beschreibt, wie gut ein Gras Trittbelastung durch Pferdehufe oder Maschinen verträgt. Trittfeste Gräser helfen dabei, die Grasnarbe stabil und belastbar zu halten.

Trockenstress: Trockenstress entsteht, wenn Pflanzen über längere Zeit zu wenig Wasser zur Verfügung haben. Gräser reagieren darauf je nach Art unterschiedlich: Manche wachsen langsamer oder vertrocknen teilweise, andere können Trockenperioden besser überstehen. Auch die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe kann sich unter Trockenstress verändern. Gerade auf Pferdeweiden können Trockenperioden die Grasnarbe stark belasten und Lückenbildung fördern.

Verbiss: Als Verbiss bezeichnet man das Abfressen von Pflanzen durch Tiere. Manche Gräser vertragen häufigen oder tiefen Verbiss besser als andere.

Bestockung: Unter Bestockung versteht man die Bildung neuer Triebe aus der Basis einer Graspflanze. Eine gute Bestockung führt zu dichteren und stabileren Pflanzenbeständen.

Lückiger Bestand: Ein lückiger Bestand entsteht, wenn zwischen den Pflanzen offene Bodenstellen sichtbar werden. Solche Lücken begünstigen häufig Unkraut, Trittschäden oder Erosion.

Verfilzung: Von Verfilzung spricht man, wenn abgestorbene Pflanzenteile und dichtes Grasmaterial eine feste Schicht auf der Bodenoberfläche bilden. Dadurch können Luftaustausch und Nachwuchs anderer Pflanzen erschwert werden.

Wurzelwerk / flachwurzelnd / tiefwurzelnd: Das Wurzelwerk beschreibt die Ausbreitung der Wurzeln im Boden. Tiefwurzelnde Gräser kommen oft besser mit Trockenheit zurecht, während flachwurzelnde Arten empfindlicher auf Wassermangel reagieren können.

Pflanzenbestandteile und Erkennungsmerkmale

Blattöhrchen: Blattöhrchen sind kleine Anhängsel am Übergang zwischen Blattspreite und Blattscheide. Sie können bei der Bestimmung verschiedener Grasarten hilfreich sein.

Blatthäutchen (Ligula): Das Blatthäutchen ist ein kleiner häutiger Fortsatz zwischen Blattspreite und Blattscheide. Form und Länge unterscheiden sich je nach Grasart und sind wichtige Bestimmungsmerkmale.

Blattscheide: Die Blattscheide umschließt den Halm eines Grases ganz oder teilweise. Sie schützt junge Pflanzenteile und kann je nach Grasart glatt, behaart oder gerieft sein.

Blattspreite: Als Blattspreite bezeichnet man den flachen, sichtbaren Teil des Grasblattes. Form, Breite und Oberfläche unterscheiden sich je nach Grasart deutlich.

Riefen / gerieft: Riefen sind feine Längsvertiefungen auf der Blattoberfläche. Geriefte Blätter fühlen sich oft rauer an und können bei der Gräserbestimmung helfen.

Knoten: Knoten sind verdickte Stellen am Halm, aus denen Blätter oder Seitentriebe wachsen. Sie unterteilen den Halm in einzelne Abschnitte.

Behaarung: Manche Gräser besitzen behaarte Blätter, Blattscheiden oder Halme. Die Stärke und Art der Behaarung kann ein wichtiges Merkmal zur Erkennung sein.

Inhaltsstoffe und Bedeutung für Pferde

Futterwert: Der Begriff Futterwert stammt ursprünglich vor allem aus der Rinderfütterung und beschreibt, wie viel Energie und verwertbare Nährstoffe ein Futter liefert. Für Hochleistungskühe gilt ein hoher Futterwert meist als positiv. Bei Pferden ist das jedoch differenzierter zu betrachten: Viele Pferde profitieren eher von strukturreichem, energieärmerem Futter mit längerer Kauzeit und moderater Verdaulichkeit. Ein sehr hoher Futterwert kann bei leichtfuttrigen oder stoffwechselempfindlichen Pferden problematisch sein.

Strukturwirkung: Strukturwirkung beschreibt, wie stark ein Futter die Kauaktivität und Verdauung des Pferdes unterstützt. Strukturreiche Gräser fördern längeres Kauen und eine gleichmäßigere Beschäftigung des Verdauungssystems.

Rohfaser: Rohfaser umfasst schwer verdauliche Pflanzenbestandteile wie Zellulose. Für Pferde ist Rohfaser besonders wichtig, da sie die Darmgesundheit und eine natürliche Verdauung unterstützt.

Verdaulichkeit: Die Verdaulichkeit beschreibt, wie leicht ein Tier die enthaltenen Nährstoffe eines Futters verwerten kann. Junge, weiche Pflanzen sind meist leichter verdaulich als ältere, strukturreichere Bestände. Für Hochleistungskühe wird eine möglichst hohe Verdaulichkeit häufig angestrebt. Bei Pferden ist dies differenzierter zu betrachten: Viele Pferde profitieren von strukturreicherem, weniger hochverdaulichem Futter mit längerer Kauzeit und moderater Energiedichte. Sehr leicht verdauliche Gräser können bei empfindlichen Pferden problematisch sein.

Nutzung und Grünlandpflege

Extensive Nutzung: Extensive Nutzung bedeutet, dass eine Fläche nur wenig gedüngt und seltener genutzt wird. Dadurch entstehen oft artenreichere und strukturreichere Wiesen.

Intensive Nutzung: Intensive Nutzung beschreibt häufige Beweidung oder viele Schnitte pro Jahr, oft verbunden mit stärkerer Düngung. Dadurch werden leistungsstarke Gräser gefördert.

Nachbeweidung: Nachbeweidung bezeichnet das erneute Beweiden einer Fläche nach dem ersten Aufwuchs oder nach einem Schnitt.

Schnittnutzung: Bei der Schnittnutzung wird das Gras zur Heu- oder Silagegewinnung gemäht statt direkt beweidet.

Mähwiese: Eine Mähwiese wird hauptsächlich zur Heugewinnung genutzt und nur wenig oder gar nicht beweidet.

Dauergrünland: Dauergrünland sind Wiesen oder Weiden, die über viele Jahre ohne Umbruch bestehen bleiben.

Überweidung: Überweidung entsteht, wenn Pflanzen zu häufig oder zu tief abgefressen werden. Dadurch wird die Grasnarbe geschwächt und es entstehen offene Bodenstellen.

Nachsaat: Bei der Nachsaat werden neue Grassamen in bestehende Bestände eingebracht, um Lücken zu schließen oder die Grasnarbe zu verbessern.

Nutzungsruhe: Nutzungsruhe bezeichnet Erholungszeiten, in denen eine Fläche weder beweidet noch gemäht wird. Diese Ruhephasen sind wichtig für die Regeneration der Pflanzen.

Regenerationszeit: Die Regenerationszeit beschreibt den Zeitraum, den Gräser nach Verbiss oder Schnitt benötigen, um wieder ausreichend Blattmasse aufzubauen.

Verdichteter Boden: Verdichteter Boden entsteht durch starken Tritt oder Befahrung. Die Bodenstruktur wird dabei zusammengedrückt, wodurch Wasser, Luft und Wurzeln schlechter in den Boden gelangen können.

Beratungsleistungen
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