Deutsche Weidelgras (Lolium perenne)
Das Deutsche Weidelgras (Lolium perenne) gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae), die in Deutschland auch als Süßgrasgewächse bezeichnet wird. Neben „Deutsches Weidelgras“ sind auch die Bezeichnungen „Englisches Raygras“ oder einfach „Weidelgras“ gebräuchlich.
Lebensdauer
Das Deutsche Weidelgras ist ein mehrjähriges Gras, das bei günstigen Standortbedingungen mehrere Jahre ausdauernd sein kann. Es ist winterhart und besitzt eine hohe Regenerationsfähigkeit nach Beweidung oder Mahd. Die tatsächliche Lebensdauer hängt jedoch stark von Nutzung, Trockenstress und Winterbedingungen ab.
Wuchs
Das Deutsche Weidelgras ist ein ausdauerndes, locker horstbildendes bis rasenbildendes Gras. Es bildet keine ausgeprägten Rhizome und normalerweise auch keine echten Stolonen. Die Ausbreitung erfolgt überwiegend über Bestockung – also die Bildung zahlreicher neuer Seitentriebe aus der Pflanzenbasis – sowie über Samenbildung. Durch diese starke Bestockungsfähigkeit kann das Deutsche Weidelgras sehr dichte und belastbare Grasnarben bilden. Unter intensiver Nutzung verdrängt es häufig konkurrenzschwächere Grasarten und kann artenarme Bestände fördern. Die Wuchshöhe liegt meist zwischen 20 und 70 cm.
Im Grünland zählt das Deutsche Weidelgras zu den leistungsstarken Obergräsern und besitzt eine hohe Konkurrenzkraft. Die Verholzung bleibt vergleichsweise gering, wodurch junge Pflanzen eine hohe Verdaulichkeit aufweisen. Besonders bei intensiver Nutzung bildet das Deutsche Weidelgras dichte, belastbare Grasnarben mit hoher Blattmasse.
Blüte
Die Blütezeit liegt meist zwischen Mai und Juli. Der Blütenstand ist eine Ähre mit wechselständig angeordneten, sitzenden Ährchen. Nach Mahd oder Beweidung kann das Deutsche Weidelgras erneut generative Triebe bilden und später nochmals zur Blüte kommen.
Die Samen reifen im Hochsommer. Die Verbreitung erfolgt über Wind, Tiere, Nutzung und Bodenbewegung. Die Samen können mehrere Jahre im Boden keimfähig bleiben, sodass das Deutsche Weidelgras nach Bodenbearbeitung häufig erneut aufläuft.
Gras erkennen
Das Deutsche Weidelgras besitzt dunkelgrüne, schmale und spitz zulaufende Blätter. Typisch ist die deutlich glänzende Blattunterseite, während die Blattoberseite gerippt beziehungsweise gerieft erscheint. Die jungen Blätter sind im Knospenzustand gefaltet. Außerdem besitzt das Deutsche Weidelgras kleine Öhrchen am Blattgrund.
Die Halme wachsen meist aufrecht oder leicht geknickt. Das Wurzelsystem ist faserig und eher flach ausgeprägt. In frühen Wachstumsstadien bildet das Gras einen dichten, belastbaren Rasenteppich. Während der Blüte entwickeln sich stabile Halme mit charakteristischen Ähren.
Standort
Das Deutsche Weidelgras bevorzugt sonnige bis halbschattige Standorte und wächst besonders gut auf feuchten, nährstoff- und stickstoffreichen Böden. Optimal sind mittelschwere Lehmböden, allerdings kann sich das Gras auch auf humusreichen Sandböden behaupten.
Besonders häufig ist das Deutsche Weidelgras in atlantisch geprägten Klimazonen zu finden. In Gebirgslagen wächst es bis etwa 1.500 Meter Höhe. Gegenüber längerer Trockenheit ist es jedoch weniger tolerant als viele extensivere Grünlandgräser.
In Mischbeständen mit Klee profitiert das Deutsche Weidelgras zusätzlich von der Stickstoffbindung der Knöllchenbakterien an den Klee-Wurzeln. Dadurch kann es sich in solchen Beständen besonders stark entwickeln und andere, konkurrenzschwächere Grasarten verdrängen.
Trittfestigkeit
Durch seinen dichten Wuchs und die schnelle Regeneration gilt das Deutsche Weidelgras als sehr trittfest. Deshalb wird es häufig auf intensiv genutzten Weiden und belasteten Grünflächen eingesetzt. Nach Beweidung oder Mahd treibt das Gras rasch wieder aus und kann dichte Narben bilden.
Nährwerte
Das Deutsche Weidelgras gehört zu den energiereichen Grünlandgräsern. Besonders moderne Hochleistungszüchtungen können hohe Gehalte an Zucker und Fruktan aufweisen. Der Fruktangehalt schwankt dabei stark in Abhängigkeit von Jahreszeit, Temperatur, Sonneneinstrahlung und Nutzung.
Vor allem bei kühler Witterung und gleichzeitig intensiver Sonneneinstrahlung können hohe Fruktangehalte auftreten. Auch die Gehalte an Rohprotein und leicht verdaulicher Energie können bei intensiver Düngung und Nutzung stark ansteigen. Junge Bestände besitzen oft nur eine vergleichsweise geringe Strukturwirkung.
Pferdeweide
Für die moderne Landwirtschaft ist das Deutsche Weidelgras eines der wichtigsten Hochleistungsgräser. Es liefert hohe Erträge, ist trittfest und besitzt eine hohe Energiedichte. Genau diese Eigenschaften machen es aus Sicht einer pferdegerechten Fütterung jedoch kritisch.
Das Pferd ist ursprünglich an eine eher energiearme, strukturreiche und vielfältige Vegetation angepasst. Besonders moderne Zuchtsorten des Deutschen Weidelgrases weisen dagegen oft hohe Zucker-, Fruktan- und Energiegehalte bei gleichzeitig geringer Strukturwirkung auf. Dadurch kann eine weidelgrasreiche Pferdeweide die Entstehung von Übergewicht, Stoffwechselproblemen und Hufrehe begünstigen.
Für Pferdeweiden ist das Deutsche Weidelgras daher aus unserer Sicht nicht erforderlich. Es gibt zahlreiche andere Grasarten, die besser zu den natürlichen Ernährungsbedürfnissen des Pferdes passen und eine strukturreichere, energieärmere Weide ermöglichen. Bei der Anlage pferdegerechter Weiden empfehlen wir deshalb Grasmischungen ohne Deutsches Weidelgras.
Heugewinnung
Das Deutsche Weidelgras liefert ertragreiches, feines und energiereiches Heu. Es wird von vielen Pferden gerne gefressen und besitzt eine hohe Verdaulichkeit. Ein Teil der leicht löslichen Kohlenhydrate bleibt auch im Heu erhalten, weshalb stark weidelgrasbetonte Heubestände für leichtfuttrige oder stoffwechselempfindliche Pferde kritisch sein können.
Besonders junge oder intensiv gedüngte Bestände können hohe Energie-, Zucker- und Proteingehalte aufweisen. Für Pferde mit Neigung zu Übergewicht oder Stoffwechselproblemen ist solches Heu daher häufig weniger geeignet.
Wissenswertes
Das Deutsche Weidelgras gehört zu den wichtigsten Grünlandgräsern Europas und wird seit Jahrhunderten als Futterpflanze genutzt. In der modernen Landwirtschaft besitzt es eine große Bedeutung für intensive Weide- und Schnittnutzung.
Durch züchterische Bearbeitung entstanden zahlreiche Hochleistungssorten mit hoher Ertragskraft, schneller Jugendentwicklung und guter Verdaulichkeit. Die Zuchtziele orientierten sich dabei vor allem an den Anforderungen der leistungsorientierten Rinderhaltung.
Fazit
Das Deutsche Weidelgras ist ein leistungsstarkes, ertragreiches und sehr konkurrenzfähiges Grünlandgras. Für die landwirtschaftliche Nutzung bietet es viele Vorteile, insbesondere hohe Erträge, schnelle Regeneration und eine hohe Energiedichte.
Aus Sicht einer pferdegerechten, strukturreichen und energieärmeren Fütterung ist das Deutsche Weidelgras jedoch kritisch zu bewerten. Besonders moderne Hochleistungssorten passen nur eingeschränkt zu den natürlichen Ernährungsbedürfnissen des Pferdes. Für pferdegerechte Weiden sind andere, strukturreichere und energieärmere Grasarten meist besser geeignet.
