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Gemeines Rispengras (Poa trivialis)

Das Gemeine Rispengras (Poa trivialis) gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae), die auch als Süßgrasgewächse bezeichnet wird. Gelegentlich findet man auch die Bezeichnung „Allgemeines Rispengras“. In der botanischen Literatur ist zudem die Schreibweise Poa trivialis L. gebräuchlich.

Lebensdauer

Das Gemeine Rispengras ist eine ausdauernde, also mehrjährige Pflanze. Unter geeigneten Standortbedingungen kann es sich über viele Jahre hinweg auf der Fläche halten.

Wuchs

Das Gemeine Rispengras ist ein typischer Narbenbildner. Es besitzt kriechende Ausläufer (Stolone), mit denen es sich vegetativ verbreitet. Dadurch bildet es dichte Grasnarben, insbesondere in feuchten Bereichen. Die Wuchshöhe liegt je nach Standort und Nutzung meist zwischen 20 und 60 Zentimetern. Es wird als Untergras eingestuft, da es niedriger bleibt als viele Obergräser.

Außerhalb feuchter Standorte gilt das Gemeine Rispengras als eher konkurrenzschwach. Unter feuchten, kühlen oder verdichteten Bedingungen kann es jedoch dichte Bestände bilden und andere Arten verdrängen. Die Pflanze bildet überwiegend weiche Blattmasse mit nur geringer Verholzung und wenig stabilen Halmen.

Blüte

Die Hauptblütezeit des Gemeinen Rispengrases erstreckt sich von Mai bis Juli. Der Blütenstand ist eine lockere Rispe mit feinen Ährchen. Gelegentlich können Nachblüten auftreten. Die Samen reifen im Hochsommer heran und verbreiten sich vor allem über Wind, Regen und Nutzung. Die Keimfähigkeit der Samen kann über mehrere Jahre im Boden erhalten bleiben.

Gras erkennen

Das Gemeine Rispengras ist an seiner feinen, hellgrünen bis gelbgrünen Farbe gut zu erkennen. Die Blätter sind weich, glänzend und oberseits gerippt beziehungsweise gerieft. Die Blattscheide wirkt häufig leicht aufgeblasen. Typisch ist außerdem das lange, spitz zulaufende Blatthäutchen (Ligula). Blattöhrchen fehlen.

Die Halme sind weich, wenig stabil und knicken leicht ab. Während der Blüte erscheinen lockere, filigrane Rispen. Das Wurzelsystem ist fein verzweigt und eher flach ausgeprägt.

Standort

Das Gemeine Rispengras bevorzugt feuchte, eher schattige Standorte. Besonders gut gedeiht es auf humosen, lehmigen oder schluffigen Böden mit guter Wasserversorgung. Auf trockenen Sandböden oder sehr schweren Tonböden zeigt es sich dagegen wenig konkurrenzstark.

Häufig findet man das Gemeine Rispengras in niederschlagsreichen Regionen, auf feuchten Wiesen, in Senken oder an Weiderändern. Auch verdichtete und lückige Flächen werden häufig besiedelt. Das Gras gilt daher oft als Feuchte- und Verdichtungsanzeiger.

Trittfestigkeit

Die Trittfestigkeit des Gemeinen Rispengrases ist insgesamt eher gering bis mittel. Zwar kann es durch seine Ausläufer dichte Narben bilden, die Pflanze selbst reagiert jedoch empfindlich auf starke mechanische Belastung. Besonders auf intensiv genutzten Pferdeweiden wird es daher häufig zurückgedrängt.

Nährwerte

Das Gemeine Rispengras gilt insgesamt als eher energieärmer als viele moderne Hochleistungsgräser. Der Gehalt an Zucker und Fruktan kann bei kühlem, sonnigem Wetter ansteigen, bleibt jedoch meist moderater als bei stark leistungsorientierten Grasarten. Der Proteingehalt ist gering bis mittel ausgeprägt.

Der Rohfaseranteil ist moderat bis hoch und unterstützt eine strukturreichere Fütterung. Besonders ältere Bestände weisen häufig eine gute Strukturwirkung auf.

Pferdeweide

Auf Pferdeweiden besitzt das Gemeine Rispengras einige Vorteile, insbesondere auf feuchten Standorten. Durch seine Ausläufer kann es dichte Narben bilden und feuchte Bereiche begrünen, in denen andere Arten Schwierigkeiten haben. Gleichzeitig ist es jedoch nur begrenzt trittfest und wird auf stark beanspruchten Flächen häufig verdrängt.

Im Vergleich zu energiereichen Hochleistungsgräsern ist das Gemeine Rispengras für extensive und strukturreichere Pferdeweiden meist günstiger einzuschätzen. Pferde fressen es in der Regel gern, jedoch meist nicht bevorzugt. Besonders in artenreichen Mischungen kann es zu einer ausgewogeneren Grasnarbe beitragen.

Heugewinnung

Für die Heugewinnung eignet sich das Gemeine Rispengras nur bedingt. Die weichen Halme sowie die häufig feuchten Standortbedingungen erschweren die Trocknung. In Mischbeständen kann es dennoch Bestandteil eines strukturreichen Pferdeheus sein.

Die Erträge bleiben meist mittel bis gering, weshalb das Gemeine Rispengras landwirtschaftlich eine eher untergeordnete Rolle spielt.

Wissenswertes

Das Gemeine Rispengras ist eine typische Art feuchter Wiesen und Weideränder. Der Artname „trivialis“ bedeutet sinngemäß „allgemein vorkommend“ oder „gewöhnlich“ und weist auf die weite Verbreitung der Pflanze hin.

Besonders auf feuchten, verdichteten oder lückigen Flächen kann sich das Gemeine Rispengras rasch ausbreiten und größere Bestände bilden.

Fazit

Das Gemeine Rispengras gehört nicht zu den leistungsstarken Hochleistungsgräsern, kann aber auf feuchten Standorten einen wertvollen Beitrag zu strukturreicheren und energieärmeren Pferdeweiden leisten. Besonders in artenreichen Mischungen trägt es zu einer vielfältigeren Grasnarbe bei.

Für intensive Nutzung oder stark belastete Weiden ist das Gemeine Rispengras dagegen weniger geeignet, da seine Trittfestigkeit begrenzt ist und es leicht verdrängt werden kann.