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Ruchgras (Anthoxanthum odoratum)

Das Ruchgras (Anthoxanthum odoratum) gehört zur Familie der Süßgräser (Poaceae), die auch als Süßgrasgewächse bezeichnet wird. Weitere geläufige Bezeichnungen sind „Duftgras“, „Wiesen-Ruchgras“ oder „Gewöhnliches Ruchgras“. Der Artname „odoratum“ bedeutet „duftend“ und bezieht sich auf den charakteristischen Duft, der besonders beim Trocknen deutlich hervortritt.

Lebensdauer

Das Ruchgras ist ein ausdauerndes, mehrjähriges Gras, das sich über mehrere Jahre in extensiven Wiesen und Weiden halten kann. Besonders auf mageren, eher sauren und wenig intensiv genutzten Standorten kommt es regelmäßig vor.

Wuchs

Das Ruchgras ist ein horstbildendes Gras mit aufrechter bis leicht bogiger Wuchsform. Es bildet keine Rhizome oder Ausläufer. Die Wuchshöhe liegt meist zwischen 20 und 60 Zentimetern, kann unter günstigen Bedingungen aber auch etwas höher werden.

Es ist wenig konkurrenzstark und wird von wüchsigeren, nährstoffliebenden Gräsern leicht verdrängt. In mageren, extensiven und lückigeren Beständen kann es sich dagegen gut halten. Die Pflanze bildet feine Halme und eher zarte Blattmasse.

Blüte

Das Ruchgras gehört zu den früh blühenden Gräsern. Die Blütezeit liegt meist zwischen April beziehungsweise Mai und Juli. Der Blütenstand ist eine schmale, ährenartige Rispe mit dicht stehenden Ährchen, die häufig grünlich, gelblich oder leicht rötlich bis bräunlich überlaufen erscheinen.

Die Samen reifen früh und verbreiten sich vor allem über Wind, Tiere und Nutzung. Auf lückigen, mageren Standorten kann sich das Ruchgras über Samen gut erhalten.

Gras erkennen

Das Ruchgras ist besonders durch seinen typischen Duft nach Heu, Waldmeister oder leicht süßlichem Heu erkennbar. Dieser Geruch wird beim Trocknen besonders deutlich. Die Blätter sind eher kurz, schmal und weich. Sie können unbehaart bis locker behaart sein.

Das Blatthäutchen ist relativ lang, stumpf und an den Seiten oft fein behaart. Blattöhrchen fehlen. Die Blütenstände erscheinen früh im Jahr und wirken schmal, kompakt und oft leicht rötlich oder bräunlich überlaufen.

Standort

Das Ruchgras bevorzugt magere bis mäßig nährstoffreiche, frische bis trockene und häufig eher saure Böden. Es kommt auf extensiv genutzten Wiesen, Magerrasen, lichten Waldrändern und wenig intensiv bewirtschafteten Grünlandflächen vor.

Auf stark gedüngten, sehr nährstoffreichen oder intensiv genutzten Pferdeweiden wird es meist von konkurrenzstärkeren Gräsern verdrängt. Sein Vorkommen kann daher ein Hinweis auf extensivere, magerere und artenreichere Grünlandbestände sein.

Trittfestigkeit

Die Trittfestigkeit des Ruchgrases ist gering. Es verträgt keine intensive Beweidung, keine starke Bodenverdichtung und keine dauerhafte mechanische Belastung. Auf stark genutzten Pferdeweiden verschwindet es daher meist rasch.

Nährwerte

Das Ruchgras besitzt insgesamt nur einen geringen bis mäßigen Futterwert. Es liefert keine hohen Erträge und ist kein Gras für leistungsorientierte Futterproduktion. Für Pferde ist es vor allem als kleiner Bestandteil artenreicher, extensiver Wiesen interessant.

Der charakteristische Duft entsteht durch Cumarin beziehungsweise cumarinhaltige Inhaltsstoffe, die besonders beim Trocknen wahrnehmbar werden. In üblichen kleinen Anteilen extensiver Heuwiesen ist Ruchgras vor allem als Aromagrass bedeutsam. Dominante Bestände sind aus Sicht der Pferdefütterung jedoch nicht anzustreben.

Pferdeweide

Auf Pferdeweiden besitzt Ruchgras eher eine ergänzende Bedeutung. Es ist nicht trittfest, wenig ertragreich und wird in intensiv genutzten Beständen schnell verdrängt. In kleinen Anteilen kann es jedoch zur Artenvielfalt extensiver Pferdeweiden beitragen.

Für pferdegerechte Weiden ist Ruchgras daher nicht als Hauptgras interessant, sondern als Begleitart magerer, naturnaher und artenreicher Flächen. Problematisch wäre vor allem eine einseitige Dominanz, die in der Praxis auf genutzten Pferdeweiden jedoch selten ist.

Heugewinnung

In der Heugewinnung ist Ruchgras vor allem als aromatischer Bestandteil artenreicher Heuwiesen bekannt. Der typische Heuduft wird durch cumarinhaltige Inhaltsstoffe verstärkt und kann die Geruchswahrnehmung des Heus prägen.

Als alleinige oder dominante Heupflanze ist Ruchgras wegen seines geringen Ertrags und mäßigen Futterwerts nicht geeignet. In kleinen Anteilen kann es jedoch Bestandteil eines vielfältigen, extensiven Pferdeheus sein.

Wissenswertes

Ruchgras war früher besonders wegen seines Duftes bekannt und galt als typischer Aromageber traditioneller Heuwiesen. Der Duft erinnert an Waldmeister, Heu oder Vanille und wird beim Trocknen besonders auffällig.

Ökologisch ist Ruchgras auch als Bestandteil extensiver Wiesen interessant. Es kommt in artenreichen Grünlandbeständen vor und kann unter anderem für Insekten eine Rolle spielen.

Fazit

Das Ruchgras ist kein leistungsstarkes Futtergras, kann aber in kleinen Anteilen ein sinnvoller Bestandteil artenreicher, extensiver Pferdeweiden und Heuwiesen sein. Seine Bedeutung liegt weniger im Nährwert als in seiner Rolle als Begleitart magerer Wiesen und als Aromageber im Heu.

Für intensiv genutzte Pferdeweiden ist es wegen geringer Trittfestigkeit und schwacher Konkurrenzkraft kaum geeignet. In vielfältigen, naturnahen Beständen kann Ruchgras jedoch zur Artenvielfalt beitragen und muss nicht grundsätzlich negativ bewertet werden.

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