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Stechinsekten beim Pferd – von Mücken, Bremsen und anderen Blutsaugern

Kaum ein Pferd kommt während der warmen Jahreszeit ohne Kontakt zu Stechinsekten aus. Gnitzen, Kriebelmücken, Stechmücken und Bremsen benötigen Blut für ihre Fortpflanzung und nutzen dafür auch Pferde als Wirt. Was für das einzelne Insekt nur eine kurze Blutmahlzeit ist, kann für das Pferd unangenehme Folgen haben: Schmerzen, Schwellungen und Juckreiz gehören ebenso dazu wie allergische Reaktionen oder die Übertragung von Krankheitserregern.

Wie stark ein Pferd betroffen ist, hängt jedoch nicht nur von der Zahl der Insekten ab. Die einzelnen Arten unterscheiden sich erheblich in ihrer Lebensweise, ihren bevorzugten Lebensräumen und ihren Aktivitätszeiten. Während manche vor allem in der Dämmerung auftreten, sind andere mitten am Tag aktiv. Auch Gewässer, Feuchtgebiete, Wald, offene Weiden und Wind beeinflussen, welchen Stechinsekten ein Pferd begegnet. Wer sein Pferd wirksam schützen möchte, sollte deshalb zunächst wissen, mit welchem Gegner er es zu tun hat.

Welche Stechinsekten belästigen Pferde?

Zu den wichtigsten Stechinsekten gehören Gnitzen (Culicoides), Kriebelmücken (Simuliidae), Stechmücken (Culicidae) und Bremsen (Tabanidae). Bei vielen dieser Arten benötigen nur die weiblichen Tiere eine Blutmahlzeit, da sie die darin enthaltenen Nährstoffe für die Entwicklung ihrer Eier benötigen.

Gnitzen sind winzig und fallen einzeln kaum auf. Ihre Bedeutung liegt vor allem darin, dass Bestandteile ihres Speichels bei empfindlichen Pferden starke allergische Reaktionen auslösen können. Sie spielen deshalb beim Sommerekzem eine zentrale Rolle. Kriebelmücken sind ebenfalls kleine Blutsauger. Ihre Larven entwickeln sich in fließendem Wasser, weshalb sie regional besonders in der Nähe von Bächen und Flüssen auftreten können. Die erwachsenen Tiere schneiden die Haut mit ihren Mundwerkzeugen an und nehmen das austretende Blut auf.

Stechmücken entwickeln sich dagegen überwiegend in stehenden oder langsam fließenden Gewässern. Dabei genügt manchen Arten bereits eine kleine vorübergehende Wasseransammlung. Sie durchstechen die Haut mit ihrem Stechrüssel und nehmen Blut direkt aus kleinen Gefäßen auf. Bremsen gehören zu den größten und auffälligsten Blutsaugern. Sie verursachen mit ihren Mundwerkzeugen eine vergleichsweise große Hautverletzung, aus der anschließend Blut aufgenommen wird. Der Stich ist deshalb häufig deutlich schmerzhafter als der einer Mücke. Zudem können Bremsen durch ihre wiederholten Lande- und Stechversuche Pferde erheblich beunruhigen.

Wo und wann treten die verschiedenen Arten auf?

Die Belastung mit Stechinsekten ist keineswegs überall gleich. Entscheidend sind Landschaft, Wetter, Tageszeit und die vorhandenen Entwicklungsplätze der jeweiligen Arten. Feuchte und windgeschützte Bereiche bieten vielen kleinen Stechinsekten günstige Bedingungen. Gnitzen sind besonders häufig in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv und meiden stärkeren Wind. Kriebelmücken sind aufgrund ihrer Entwicklung eng an Fließgewässer gebunden. Stechmücken benötigen Wasser für ihre Larvenentwicklung und profitieren deshalb von Teichen, Gräben, Regentonnen, Pfützen und anderen stehenden Wasseransammlungen.

Bremsen sind dagegen kräftige Flieger und überwiegend tagsüber aktiv. Sie können ihre Wirte über größere Entfernungen aufsuchen und treten deshalb auch auf offenen Weiden auf. Waldränder, Feuchtgebiete und Gewässer können die Belastung zusätzlich erhöhen. Für Pferdehalter ergibt sich daraus ein wichtiger Ansatzpunkt: Nicht jedes Pferd braucht zu jeder Tageszeit denselben Insektenschutz. Ein Pferd, das besonders auf Gnitzen reagiert, kann beispielsweise davon profitieren, während der Dämmerung stärker geschützt zu werden. Bei einer hohen Bremsenbelastung am Nachmittag sind dagegen andere Maßnahmen notwendig.

Wie finden Stechinsekten das Pferd?

Stechinsekten suchen ihre Wirte nicht zufällig. Je nach Art nutzen sie verschiedene Kombinationen aus Geruch, ausgeatmetem Kohlendioxid, Körperwärme, Bewegung und optischen Reizen. Damit können sie einen möglichen Wirt zunächst aus größerer Entfernung wahrnehmen und ihn anschließend gezielt anfliegen.

Das erklärt auch, warum Pferde auf derselben Weide unterschiedlich stark angeflogen werden können. Körpergeruch, Schweiß, Bewegung und möglicherweise auch die Zusammensetzung der Hautflora können beeinflussen, wie attraktiv ein Pferd für bestimmte Insekten ist. Bei Bremsen spielen optische Reize eine besonders wichtige Rolle. Dunkle Flächen und bestimmte Eigenschaften des reflektierten Lichtes können für sie besonders attraktiv sein.

Was passiert beim Stich?

Damit Blut aufgenommen werden kann, gelangen beim Stechen oder Saugen Speichelbestandteile des Insekts in die Haut. Sie können unter anderem die Blutgerinnung beeinflussen und erleichtern dem Insekt dadurch die Nahrungsaufnahme. Für das Pferd sind diese Substanzen Fremdstoffe. Die Haut reagiert mit einer lokalen Entzündung: Die Stelle kann anschwellen, warm werden und jucken. Bei Bremsen kommt die vergleichsweise große mechanische Verletzung hinzu, weshalb die Stiche häufig schmerzhaft sind und länger nachbluten können.

Bei hoher Insektendichte können aus vielen kleinen Einzelstichen erhebliche Belastungen entstehen. Pferde schlagen ständig mit dem Schweif, zucken mit der Haut, stampfen, beißen nach den Insekten oder laufen auf der Weide vor ihnen davon. Neben den Hautproblemen kann dadurch auch das normale Fress-, Ruhe- und Sozialverhalten beeinträchtigt werden. Die ständige Abwehr der Insekten bedeutet zusätzlichen Stress und kann insbesondere dann zur Belastung werden, wenn dem Pferd kaum noch ungestörte Ruhephasen zur Verfügung stehen.

Wenn aus einem Stich eine Allergie wird

Nicht jedes Pferd reagiert gleich stark auf einen Insektenstich. Bei sensibilisierten Pferden reagiert das Immunsystem überschießend auf bestimmte Bestandteile des Insektenspeichels. Aus einer normalen lokalen Stichreaktion können dadurch ausgeprägter und anhaltender Juckreiz, aber auch erhebliche Schwellungen und Entzündungsreaktionen entstehen. Einzelne Pferde entwickeln nach Insektenstichen großflächige, warme und teilweise schmerzhafte Schwellungen, die im Erscheinungsbild an einen Einschuss erinnern können. Solche Reaktionen sind unter anderem am Unterbauch zu beobachten, wo verschiedene Stechinsekten bevorzugt an wenig behaarten Hautbereichen Blut aufnehmen.

Das bekannteste Beispiel einer Insektenstichallergie ist das Sommerekzem, bei dem insbesondere eine Überempfindlichkeit gegenüber Speichelbestandteilen von Gnitzen eine Rolle spielt. Gnitzen sind jedoch nicht die einzigen Stechinsekten, die allergische Reaktionen hervorrufen können. Auch Kriebelmücken, Stechmücken und Bremsen können an Überempfindlichkeitsreaktionen beteiligt sein.

Durch den Juckreiz beginnt das Pferd zu scheuern und zu knabbern. Haare brechen ab, die Haut wird wund und ihre Schutzbarriere zunehmend geschädigt. Bakterien und andere Mikroorganismen können die vorgeschädigte Haut zusätzlich besiedeln. Damit kann sich aus der ursprünglichen Reaktion auf einige Stiche eine hartnäckige entzündliche Hauterkrankung entwickeln.

Können Stechinsekten Krankheiten übertragen?

Blutsaugende Insekten können auch Krankheitserreger übertragen. Welche Erkrankungen dabei relevant sind, hängt stark von Insektenart, Region und vorkommenden Erregern ab. Dabei gibt es unterschiedliche Übertragungswege: Manche Erreger entwickeln oder vermehren sich im Insekt und werden beim nächsten Stich übertragen. Bei anderen Blutsaugern kann die Übertragung mechanisch erfolgen, wenn nach einer unterbrochenen Blutmahlzeit infektiöses Blut an den Mundwerkzeugen verbleibt und kurz darauf ein weiteres Tier gestochen wird.

Für Pferde in Deutschland ist inzwischen vor allem das West-Nil-Virus von Bedeutung. Es wird durch Stechmücken übertragen und zirkuliert hauptsächlich zwischen Vögeln und Mücken. Pferde und Menschen können ebenfalls infiziert werden, gelten jedoch als sogenannte Fehlwirte: Die Virusmenge in ihrem Blut reicht normalerweise nicht aus, um weitere Mücken zu infizieren. Die meisten Infektionen beim Pferd verlaufen ohne erkennbare oder nur mit milden Krankheitszeichen. Bei einem kleinen Teil der infizierten Pferde kann das Virus jedoch das zentrale Nervensystem befallen. Mögliche Symptome sind Koordinationsstörungen, Muskelzittern, Schwäche, Verhaltensänderungen oder Lähmungserscheinungen. Schwere neurologische Verläufe können tödlich enden oder bleibende Schäden hinterlassen. Gegen das West-Nil-Virus stehen Impfstoffe für Pferde zur Verfügung. Ob eine Impfung für das einzelne Pferd sinnvoll ist, sollte anhand der regionalen Infektionslage, Haltung und Nutzung individuell mit dem Tierarzt entschieden werden.

Neben West-Nil können Stechinsekten weitere Krankheitserreger übertragen. Welche davon für Pferde tatsächlich von Bedeutung sind, unterscheidet sich weltweit erheblich. Durch Veränderungen von Klima, Insektenpopulationen und Verbreitungsgebieten können dabei auch Erkrankungen relevant werden, die früher in Mitteleuropa kaum eine Rolle gespielt haben.

Wie können Pferde vor Stechinsekten geschützt werden?

Welche Schutzmaßnahmen sinnvoll sind, hängt wesentlich von den vorkommenden Insekten ab. Gnitzen sind beispielsweise besonders in der Morgen- und Abenddämmerung aktiv und meiden stärkeren Wind, während Bremsen überwiegend tagsüber unterwegs und deutlich kräftigere Flieger sind. Auch der Standort spielt eine Rolle: Fließgewässer, stehendes Wasser, Feuchtgebiete, Waldränder und offene, windige Flächen bieten den verschiedenen Arten jeweils unterschiedliche Bedingungen. Bereits angepasste Weidezeiten oder die Wahl geeigneter Aufenthaltsbereiche können deshalb die Belastung reduzieren.

Zusätzlich stehen mechanische Maßnahmen wie Fliegendecken und Masken sowie sogenannte Repellentien zur Verfügung. Darunter versteht man Wirkstoffe, die Insekten abschrecken und dadurch möglichst verhindern sollen, dass sie auf dem Pferd landen oder zustechen. Bei stark betroffenen Pferden können darüber hinaus insektizid wirkende Präparate eingesetzt werden. Auch Fallen, Stall- und Weidemanagement sowie natürliche Gegenspieler können helfen, den Insektendruck zu reduzieren. Die verschiedenen Möglichkeiten, ihre Wirkungsweisen und ihre jeweiligen Grenzen werden ausführlich im Artikel „Insektenschutz beim Pferd – Decken, Sprays, Fallen und natürliche Gegenspieler“ beschrieben.

Fazit

Stechinsekten gehören zum natürlichen Lebensraum des Pferdes und lassen sich nicht vollständig vermeiden. Das ist bei einem gesunden Pferd auch nicht notwendig. Problematisch wird der Insektendruck dort, wo Pferde kaum noch ungestört fressen oder ruhen können, starke Hautreaktionen entwickeln oder allergisch auf die Stiche reagieren. Daneben können einige Arten als Überträger von Krankheitserregern eine medizinische Bedeutung haben.

Ein sinnvoller Schutz beginnt deshalb mit dem Wissen darüber, welche Insekten wann und wo auftreten. Eine Bremse am heißen Sommernachmittag verhält sich anders als eine Gnitze in der Abenddämmerung oder eine Kriebelmücke in der Nähe eines Baches. Wer Lebensweise und Aktivitätszeiten berücksichtigt, kann Schutzmaßnahmen gezielter einsetzen und die Belastung des Pferdes reduzieren, ohne die gesamte Umgebung möglichst insektenfrei machen zu müssen.

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