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Haut, Immunsystem und Juckreiz – warum manche Pferde stärker auf Parasiten reagieren

Die Haut ist weit mehr als die äußere Hülle des Pferdes. Sie bildet die erste Kontaktfläche zur Umwelt und dementsprechend auch zu Parasiten, Insekten und Krankheitserregern. Gleichzeitig ist sie ein hochaktives Organ, das ständig Reize aus der Umgebung wahrnimmt und darauf reagiert. Wer verstehen möchte, warum manche Pferde auf einzelne Insektenstiche kaum reagieren, während andere unter massivem Juckreiz und schweren Hautveränderungen leiden, sollte deshalb zunächst die Haut und ihre Aufgaben kennenlernen.

Bei vielen Parasiten der Haut – medizinisch Exoparasiten genannt – ist nämlich nicht allein der Parasit das eigentliche Problem. Häufig sind es die Reaktionen der Haut und des Immunsystems, die darüber entscheiden, wie stark die Beschwerden ausfallen – besonders dann, wenn die Parasitenbelastung hoch ist. Die Gesundheit der Haut bildet daher eine wichtige Grundlage im Umgang mit Haarlingen, Milben, Zecken, Gnitzen und anderen Parasiten der Haut.

Die Haut als Schutzbarriere

Die Haut bildet die äußere Schutzbarriere des Körpers. Sie schützt vor Austrocknung sowie mechanischen Einwirkungen. Gleichzeitig erschwert sie Krankheitserregern und Parasiten den Zugang zum Körperinneren.

Diese Schutzfunktion wird durch das Zusammenspiel verschiedener Hautschichten ermöglicht. Die Oberhaut bildet die eigentliche Barriere zur Umwelt. Ihre äußersten Zellschichten werden ständig erneuert und abgestoßen. Dadurch können viele Keime und Parasiten nur schwer in tiefere Gewebeschichten eindringen.

Darunter liegt die Lederhaut. Sie enthält Blutgefäße, Nerven, Haarwurzeln sowie Schweiß- und Talgdrüsen. Sie versorgt die Oberhaut mit Nährstoffen, nimmt Reize aus der Umwelt wahr und spielt eine wichtige Rolle bei der Temperaturregulation und Wundheilung.

Die Unterhaut bildet die Verbindung zu den tieferliegenden Geweben. Sie sorgt dafür, dass die Haut beweglich bleibt und mechanische Belastungen abfedern kann.

Die Haut ist Teil des Immunsystems

Die Haut ist kein passiver Schutzmantel. Sie gehört zu den größten Bestandteilen des Immunsystems und erkennt fortlaufend, ob Bakterien, Pilze, Parasiten oder andere Fremdstoffe mit dem Körper in Kontakt kommen. Wird ein möglicher Eindringling erkannt, werden verschiedene Abwehrmechanismen aktiviert.

Gerade bei Parasiten ist diese Reaktion von großer Bedeutung. Die eigentlichen Beschwerden entstehen häufig durch die Antwort des Pferdekörpers auf die Bestandteile der Sekrete, die die Parasiten während des Saug- oder Stichvorgangs in die Haut abgeben. Diese Sekrete erfüllen für die Parasiten wichtige Aufgaben: Sie können die Blutgerinnung hemmen, die Durchblutung fördern oder die Blutaufnahme erleichtern. Gleichzeitig können sie das Immunsystem aktivieren und Entzündungs- oder Allergiereaktionen auslösen. Es entstehen dann die typischen Entzündungszeichen wie Wärme, Rötung, Schwellung und eine erhöhte Berührungsempfindlichkeit der betroffenen Hautstelle.

Warum Juckreiz entsteht

Juckreiz ist zunächst ein sinnvoller Schutzmechanismus des Körpers. Er soll dazu führen, dass mögliche Gefahren von der Haut entfernt werden. Durch Kratzen, Scheuern oder Reiben können Parasiten, Pflanzenreste oder andere störende Einflüsse von der Körperoberfläche abgestreift werden. Gleichzeitig lenkt der Juckreiz die Aufmerksamkeit gezielt auf die betroffene Stelle und fordert den Körper dazu auf, sich mit dem Auslöser auseinanderzusetzen.

Gelangen Parasitensekrete in die Haut oder verursachen kleine Verletzungen eine lokale Immunreaktion, werden Entzündungsstoffe freigesetzt. Diese aktivieren spezielle Nervenenden und lösen das typische Juckreizgefühl aus. Aus Sicht der Evolution ist dies durchaus sinnvoll: Ein Tier, das auf solche Reize reagiert, erhöht seine Chancen, die Ursache frühzeitig zu beseitigen und größere Schäden zu vermeiden.

Talg und Schweiß

Talg und Schweiß erfüllen wichtige Aufgaben für die Hautgesundheit. Talg hält die Haut geschmeidig, unterstützt die natürliche Schutzbarriere und beeinflusst das Milieu auf der Hautoberfläche. Schweiß spielt beim Pferd eine zentrale Rolle für die Temperaturregulation. Über die Verdunstungskälte kann überschüssige Wärme abgegeben und der Körper vor Überhitzung geschützt werden.

Die Zusammensetzung dieser Stoffe ist nicht bei jedem Pferd gleich. Sie beeinflusst auch den individuellen Geruch eines Pferdes und kann unter anderem durch Stoffwechsel, Ernährung, hormonelle Einflüsse und die allgemeine Gesundheit verändert werden. Warum manche Pferde für bestimmte Insekten besonders attraktiv erscheinen und andere deutlich weniger betroffen sind, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Unterschiede in der Zusammensetzung von Talg und Schweiß werden dabei als mögliche Einflussfaktoren diskutiert.

Das Hautmikrobiom – die unsichtbaren Helfer

Gesunde Haut ist nicht steril. Auf ihrer Oberfläche leben zahlreiche Mikroorganismen, die zusammen als Hautmikrobiom bezeichnet werden. Dazu gehören verschiedene Bakterien und Hefen, die in einem natürlichen Gleichgewicht miteinander stehen.

Dieses Hautmikrobiom ist kein starres System, sondern verändert sich fortlaufend. Es wird unter anderem durch das Hautmilieu, Talg und Schweiß, die Umweltbedingungen sowie durch Stoffwechsel und Fütterung beeinflusst.

Die natürlichen Bewohner der Haut übernehmen eine wichtige Schutzfunktion. Indem sie die verfügbaren Lebensräume und Nährstoffe besetzen, erschweren sie es krankmachenden Bakterien und Pilzen, sich auf der Haut anzusiedeln und auszubreiten. Dieses Prinzip der Verdrängung trägt wesentlich zur Stabilität der Hautbarriere bei. Während das Darmmikrobiom vielen Pferdehaltern inzwischen bekannt ist, wird die Rolle der Hautflora erst nach und nach besser verstanden.

Warum manche Pferde empfindlicher reagieren

Warum einige Pferde deutlich stärker auf Parasiten reagieren als andere, lässt sich bislang nicht vollständig erklären. Aus der Allergieforschung des Menschen ist bekannt, dass genetische Faktoren, die Funktion der Hautbarriere, das Haut- und Darmmikrobiom sowie die Regulation des Immunsystems beeinflussen können, wie stark ein Organismus auf bestimmte Reize reagiert. Beim Pferd werden ähnliche Zusammenhänge diskutiert. Insbesondere beim Sommerekzem gibt es Hinweise darauf, dass genetische Veranlagung, Umweltfaktoren und die individuelle Immunantwort gemeinsam darüber entscheiden, wie stark die Beschwerden ausfallen.

Dabei kann die Reaktion des Körpers nicht einfach nur in „gesund“ oder „allergisch“ eingeteilt werden. Nicht jedes stärkere Kratzen ist auch eine Allergie. Vielmehr spricht vieles dafür, dass es fließende Übergänge gibt. Ein gesundes Pferd reagiert auf Parasitenstiche oder andere Reize der Haut mit einer kurzen und angemessenen Immunantwort. Die auslösenden Stoffe werden beseitigt, kleinere Hautschäden repariert und die Beschwerden klingen wieder ab. Selbst wenn es bei einer hohen Belastung durch Bremsen, Gnitzen oder andere Parasiten zu verstärktem Kratzen und kleineren Verletzungen kommt, kann die Haut diese in der Regel problemlos regenerieren.

Das Kratzen selbst ist dabei zunächst kein Problem, sondern Teil der normalen Schutzreaktion. Erst wenn die Reize besonders stark werden oder die Haut immer wieder belastet wird, entstehen größere Hautschäden. Durch das Scheuern wird die natürliche Schutzbarriere gestört. Krankheitserreger und reizende Stoffe können leichter in tiefere Hautschichten gelangen und die Entzündung weiter verstärken. Dadurch entsteht ein Teufelskreis aus Juckreiz, Scheuern, Hautschäden und erneutem Juckreiz.

Bei anderen Pferden scheint dieses Gleichgewicht leichter aus dem Takt zu geraten. Therapeuten beobachten regelmäßig, dass Hautprobleme häufig gemeinsam mit Veränderungen des allgemeinen Gesundheitszustands auftreten oder auch im Zusammenhang mit der Fütterung stehen. Besonders bei Pferden mit Veränderungen von Haut und Fell – beispielsweise ungewöhnlich fettigem Fell, verstärkter Talgbildung oder einem auffälligen Körpergeruch, der teilweise als säuerlich oder ammoniakartig beschrieben wird – treten Hautprobleme nicht selten zusätzlich auf. Gleichzeitig nehmen Juckreiz zu oder treten erstmals auf.

Wissenschaftlich lässt sich bislang nicht sicher beantworten, welche Bedeutung diese Beobachtungen tatsächlich haben. Aus der Humanmedizin ist jedoch bekannt, dass sich die Zusammensetzung von Schweiß und anderen Hautsekreten mit dem Stoffwechselzustand verändern kann. Über die Haut werden zwar nur geringe Mengen bestimmter Stoffwechselprodukte ausgeschieden, dennoch beeinflussen diese Sekrete das Hautmilieu und die Zusammensetzung des Hautmikrobioms. Gelangen solche Stoffe oder durch ein verändertes Hautmikrobiom begünstigte krankmachende Keime durch kleine Hautverletzungen in tiefere Hautschichten, erscheint es biologisch plausibel, dass sie dort lokale Entzündungsprozesse zusätzlich beeinflussen und bestehende Reizungen verstärken können.

Für Pferde liegen hierzu bislang nur wenige wissenschaftliche Untersuchungen vor. Die Beobachtungen aus der Praxis und die Erkenntnisse aus der Humanmedizin liefern jedoch Hinweise darauf, dass es sinnvoll sein kann, Hautprobleme nicht ausschließlich lokal zu betrachten. Gerade bei Pferden mit wiederkehrenden Hautproblemen oder einer erhöhten Empfindlichkeit gegenüber Parasiten kann es hilfreich sein, mögliche Belastungen des Gesamtorganismus in die Überlegungen einzubeziehen. Hier kann auch die Fütterung einen wesentlichen Anteil haben, insbesondere wenn es bei Pferden zusätzlich zu einer Dysbiose der Darmflora kommt, die möglicherweise die Regulation des Immunsystems beeinflusst.

Bei einer Allergie kommt noch eine besonders starke, überschießende Reaktion des Immunsystems hinzu. Hier bewertet der Körper einen eigentlich harmlosen Reiz als gefährlich und reagiert deutlich heftiger, als es zur eigentlichen Abwehr notwendig wäre. Bereits geringe Mengen der von Parasiten abgegebenen Sekrete können dann massiven Juckreiz, ausgeprägte Entzündungen und schwere Hautveränderungen auslösen. Das Sommerekzem gilt als das bekannteste Beispiel einer solchen allergischen Reaktion beim Pferd. Ein verändertes Hautmikrobiom könnte dazu beitragen, dass sich die Hautbarriere schlechter regeneriert und Entzündungsprozesse zusätzlich verstärkt werden. Welche Bedeutung dies im Einzelfall tatsächlich hat, wird derzeit noch erforscht.

Aus dieser Sicht erscheint es sinnvoll, nicht nur die Haut oder den Parasiten selbst zu betrachten, sondern das Pferd als Ganzes im Blick zu behalten. Die gezielte Behandlung von Parasiten bleibt wichtig. Gleichzeitig kann es hilfreich sein, die allgemeinen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass der Organismus möglichst gut mit solchen Belastungen umgehen kann. Eine artgerechte Haltung, die Vermeidung unnötiger Belastungen und eine pferdegerechte Fütterung, die die allgemeine Gesundheit unterstützt, können hierzu einen wertvollen Beitrag leisten – auch wenn sich nicht jeder Zusammenhang bereits wissenschaftlich bis ins letzte Detail belegen lässt.

Fazit

Die Haut schützt das Pferd nicht nur vor seiner Umwelt, sondern beeinflusst auch maßgeblich, wie stark es auf Parasiten und Insektenstiche reagiert. Viele Beschwerden entstehen nicht durch die Parasiten selbst, sondern durch die Reaktionen des Körpers auf diese Belastungen. Während die meisten Pferde mit solchen Reizen gut umgehen können, geraten die Schutzmechanismen bei anderen leichter aus dem Gleichgewicht. Eine gesunde Haut ist deshalb weit mehr als eine äußere Hülle – sie ist eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, mit Parasiten möglichst gut umgehen zu können. Gleichzeitig kann es sich lohnen, über die Haut hinauszuschauen und das Pferd als Ganzes zu betrachten.

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