Foto zum Thema

Haarlinge und Läuse beim Pferd

Haarlinge und Läuse gehören zu den dauerhaft auf dem Pferd lebenden Hautparasiten. Anders als Zecken oder Stechinsekten suchen sie ihren Wirt nicht nur zur Nahrungsaufnahme auf, sondern verbringen nahezu ihren gesamten Lebenszyklus im Fell. Dort ernähren sie sich, entwickeln sich vom Ei zum erwachsenen Tier und vermehren sich. Besonders im Winter und während des Fellwechsels können größere Populationen entstehen und ausgeprägten Juckreiz verursachen.

Beim Pferd kommen vor allem der Haarling und die blutsaugende Pferdelaus vor. Obwohl beide umgangssprachlich häufig als Läuse bezeichnet werden, unterscheiden sie sich insbesondere hinsichtlich ihrer Ernährungsweise. Haarlinge ernähren sich überwiegend von Hautschuppen und oberflächlichem Hautmaterial, während Läuse die Haut zur Aufnahme von Blut verletzen.

Haarling oder Laus?

Der Haarling des Pferdes (Damalinia equi, auch Werneckiella equi) ist mit etwa ein bis zwei Millimetern relativ klein, kann bei einem stärkeren Befall jedoch mit bloßem Auge erkannt werden. Beim Auseinanderschieben des Fells sind die kleinen Parasiten zwischen den Haaren sichtbar.

Die Pferdelaus (Haematopinus asini) ist mit etwa drei bis dreieinhalb Millimetern deutlich größer. Während Haarlinge kauende Mundwerkzeuge besitzen, verfügt die Pferdelaus über Mundwerkzeuge, mit denen sie die Haut durchdringen und Blut aufnehmen kann.

Auch die bevorzugten Körperregionen unterscheiden sich etwas. Haarlinge finden sich häufig seitlich am Hals, an den Flanken und am Schweifansatz. Die blutsaugende Pferdelaus hält sich bevorzugt im Bereich von Schopf und Mähne, am Schweifansatz sowie an längerer Behaarung der Beine auf. Bei einem ausgeprägten Befall können sich beide Parasiten jedoch über größere Körperbereiche verteilen.

Lebensraum und Fortpflanzung

Für Haarlinge und Läuse stellt das Pferd sowohl die Nahrungsquelle als auch den eigentlichen Lebensraum dar. Auch die Fortpflanzung und Entwicklung der nächsten Generation finden unmittelbar im Fell statt.

Die adulten weiblichen Tiere befestigen ihre Eier, die sogenannten Nissen, fest an den Haaren. Aus diesen schlüpfen Nymphen, die den erwachsenen Parasiten bereits ähneln und mehrere Entwicklungsstadien durchlaufen. Vom Ei bis zum geschlechtsreifen Parasiten dauert die Entwicklung ungefähr drei bis vier Wochen. Anschließend beginnt die nächste Generation mit der Fortpflanzung.

Die fest am Haar haftenden Nissen sind gleichzeitig eine wirksame Überlebensstrategie. Sie lassen sich durch normales Putzen oder Waschen kaum entfernen und können auch eine Behandlung überstehen, die vor allem die beweglichen Entwicklungsstadien erfasst. Aus den verbliebenen Eiern können anschließend erneut Parasiten schlüpfen. Bei der Bekämpfung muss deshalb immer der gesamte Entwicklungszyklus berücksichtigt werden.

Außerhalb des Wirtes sind Haarlinge und Läuse dagegen nur begrenzt überlebensfähig. Ihre starke Anpassung an das Leben im Fell macht den direkten Kontakt zwischen Pferden zum wichtigsten Übertragungsweg.

Übertragung zwischen Pferden

Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch direkten Körperkontakt. Gegenseitige Fellpflege und dichtes Zusammenstehen ermöglichen den Parasiten den Wechsel von einem Pferd zum anderen. Eine indirekte Übertragung über gemeinsam verwendetes Putzzeug, Decken, Schabracken oder andere Gegenstände ist ebenfalls möglich.

Haarlinge und Läuse des Pferdes sind stark an ihren jeweiligen Wirt angepasst. Die beim Pferd vorkommenden Arten unterscheiden sich von den Läusen des Menschen und können sich auf dem Menschen nicht dauerhaft ansiedeln oder vermehren. Ein Läusebefall des Pferdes ist deshalb für den Menschen nicht ansteckend. Umgekehrt werden menschliche Kopfläuse ebenfalls nicht auf das Pferd übertragen.

Ein Kontakt mit den Parasiten bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass sich bei jedem Pferd ein gleich starker Befall entwickelt. Besonders im langen Winterfell finden Haarlinge und Läuse günstige Lebensbedingungen, weshalb größere Populationen vor allem während der Wintermonate und im zeitigen Frühjahr beobachtet werden.

Auch der allgemeine Gesundheitszustand, Stress, Haltungsbedingungen und Besatzdichte können beeinflussen, wie stark sich die Parasiten vermehren. Ein Befall ist deshalb nicht automatisch ein Hinweis auf mangelnde Hygiene oder schlechte Haltung. Fallen einzelne Pferde jedoch wiederholt durch einen besonders starken Befall auf, kann es sinnvoll sein, neben der Parasitenbekämpfung auch den allgemeinen Gesundheitszustand und die Haltungsbedingungen zu berücksichtigen.

Juckreiz und Hautschäden

Ein geringer Befall kann zunächst weitgehend unbemerkt bleiben. Mit zunehmender Anzahl der Parasiten steigt jedoch die Belastung der Haut. Typische Anzeichen sind Juckreiz, Unruhe, vermehrtes Knabbern am Fell und Scheuern. Häufig fallen zunächst abgebrochene Haare, ein ungepflegt wirkendes Fell oder kleinere kahle Bereiche auf.

Der entstehende Juckreiz ist zunächst Teil der natürlichen Schutzreaktion der Haut. Durch Kratzen, Scheuern und Knabbern versucht das Pferd, störende Reize und damit auch Parasiten von der Körperoberfläche zu entfernen. Gleichzeitig werden durch die lokale Reizung der Haut Entzündungsstoffe freigesetzt, die spezielle Nervenenden aktivieren und den Juckreiz verstärken können.

Bei einem stärkeren oder länger anhaltenden Befall kann diese Schutzreaktion selbst zu einer zusätzlichen Belastung für die Haut werden. Durch wiederholtes Scheuern und Kratzen brechen Haare ab und die Hautbarriere wird zunehmend geschädigt. Es können kleine Verletzungen und schließlich offene Hautstellen entstehen. Krankheitserreger können über diese geschädigten Bereiche leichter in tiefere Hautschichten gelangen und zusätzliche Entzündungen oder Sekundärinfektionen verursachen.

Bei der blutsaugenden Pferdelaus kommen die Hautverletzungen durch die Nahrungsaufnahme hinzu. Bei einem sehr starken Befall kann der wiederholte Blutverlust in seltenen Fällen sogar zur Entwicklung einer Anämie beitragen. Als bedeutende Überträger von Infektionskrankheiten spielen Haarlinge und Pferdeläuse dagegen beim Pferd nach heutigem Kenntnisstand keine wesentliche Rolle.

Maßnahmen gegen Haarlinge und Läuse

Für die tiermedizinische Behandlung stehen verschiedene äußerlich anzuwendende Präparate gegen Haarlinge und Läuse zur Verfügung. Eingesetzt werden unter anderem Wirkstoffe aus der Gruppe der Pyrethrine und Pyrethroide. Welches Präparat geeignet ist, hängt vom Parasiten, vom individuellen Pferd und von den verfügbaren zugelassenen Präparaten ab und sollte gegebenenfalls mit dem Tierarzt abgestimmt werden.

Besonders wichtig ist die Berücksichtigung des Entwicklungszyklus. Eine Behandlung kann die beweglichen Parasiten erfassen, während weiterhin entwicklungsfähige Eier im Fell verbleiben. Deshalb kann eine Wiederholung der Behandlung erforderlich sein. In der veterinärmedizinischen Literatur werden beispielsweise Wiederholungsbehandlungen nach etwa 14 bis 21 Tagen beschrieben. Bei einem sehr starken Befall kann außerdem das Kürzen eines ausgeprägten Winterfells die Behandlung erleichtern.

Gleichzeitig sollte eine erneute Übertragung verhindert werden. Putzzeug, Decken und andere gemeinsam verwendete Gegenstände sollten gründlich gereinigt werden. Auch Kontaktpferde sollten kontrolliert und bei einem nachgewiesenen Befall gegebenenfalls in die Behandlung einbezogen werden.

Unterstützung aus der Hausapotheke

Neben den tiermedizinischen Präparaten gibt es verschiedene traditionelle Hausmittel, mit denen bei einem leichten Befall praktische Erfahrungen gesammelt wurden. Diese Anwendungen sind überwiegend nicht durch kontrollierte Untersuchungen am Pferd abgesichert. Bei intakter Haut und einem leichten Befall können sie dennoch zunächst ausprobiert werden. Bleibt der Erfolg aus, stehen wirksame tiermedizinische Präparate zur Verfügung.

Bei Haarlingen hat sich in der Praxis beispielsweise verdünntes Essigwasser bewährt. Entscheidend ist, dass nicht nur die Oberfläche des Fells angefeuchtet wird, sondern die Flüssigkeit bis in den Bereich der Haut und damit zu den Parasiten gelangt. Je nach Befallsstärke kann die Anwendung wiederholt werden. Auch in der naturheilkundlich orientierten Pferdegesundheitsberatung wird Essigwasser traditionell zur Bekämpfung von Haarlingen eingesetzt.

Nach einem stärkeren Befall kann die Haut noch gereizt sein und weiterhin jucken, obwohl die Zahl der Parasiten bereits deutlich zurückgegangen ist. Birkenwasser oder EM-A können bei intakter Haut unterstützend eingesetzt werden, um die beanspruchte Haut zu beruhigen. Sie dienen dabei nicht in erster Linie der Bekämpfung der Parasiten, sondern der anschließenden Hautpflege.

Die Möglichkeiten der Selbstbehandlung enden dort, wo die Haut deutlich geschädigt ist. Hat sich das Pferd offene oder nässende Hautstellen gescheuert oder zeigen sich stärkere Schwellungen, ausgeprägte Entzündungen oder andere auffällige Veränderungen, sollte die Haut tierärztlich untersucht werden. Auf offene Wunden gehören weder Essigwasser noch EM-A oder andere Hausmittel. Neben der Behandlung des eigentlichen Parasitenbefalls muss dann insbesondere geklärt werden, ob bereits eine Sekundärinfektion oder eine andere behandlungsbedürftige Hautentzündung vorliegt.

Fazit

Haarlinge und Läuse sind an ein dauerhaftes Leben auf dem Pferd angepasst und verbringen nahezu ihren gesamten Entwicklungszyklus im Fell. Während Haarlinge hauptsächlich von Hautschuppen und oberflächlichem Hautmaterial leben, nehmen Pferdeläuse Blut auf. Ein stärkerer Befall führt vor allem durch den entstehenden Juckreiz und das anschließende Scheuern zu Hautschäden. Da die Nissen fest an den Haaren haften und eine Behandlung überstehen können, muss bei der Bekämpfung immer auch der Entwicklungszyklus berücksichtigt werden.

Bei einem leichten Haarlingsbefall kann zunächst eine Behandlung mit Essigwasser versucht werden. Birkenwasser oder EM-A können anschließend die gereizte, aber intakte Haut unterstützen. Bei einem stärkeren oder hartnäckigen Befall stehen tiermedizinische Präparate zur Verfügung. Offene, nässende oder deutlich entzündete Hautstellen sollten dagegen tierärztlich untersucht und gezielt behandelt werden.

Beratungsleistungen
Sie möchten die Fütterung Ihres Pferdes optimieren, eine osteopathische Behandlung in Anspruch nehmen oder Ihre Weide bzw. Ihren Offenstall gezielt verbessern? Gerne unterstütze ich Sie dabei mit Erfahrung und Fachwissen. Kontaktieren Sie mich telefonisch unter 0177/2164334 oder 06106/2593086 oder per E-Mail an mw@tier-in-balance.com. Ich freue mich darauf, Sie und Ihr Pferd kennenzulernen.
Tipps & Tricks rund um die Pferdefütterung
Regelmäßig als E-Mail in Ihrem Postfach

Wir verwenden Ihre E-Mail-Adresse ausschließlich für den Versand unseres Newsletters. Eine Weitergabe an Dritte außerhalb der Versendung ist nicht geplant. Ausführlichere Informationen finde Sie in unserer Datenschutzbestimmung .