Milben beim Pferd
Milben gehören wie Zecken zu den Spinnentieren und sind so klein, dass sie mit bloßem Auge meist kaum oder gar nicht zu erkennen sind. Beim Pferd können verschiedene Milbenarten vorkommen, die sich hinsichtlich ihres Lebensraums und ihrer Lebensweise deutlich unterscheiden. Einige leben auf der Hautoberfläche, andere dringen in oberflächliche Hautschichten ein oder besiedeln Haarfollikel und Talgdrüsen.
Entsprechend unterschiedlich können auch die Hautveränderungen ausfallen. Während manche Milbenarten starken Juckreiz, Schuppen und Krusten verursachen, bleiben andere Infektionen nahezu unbemerkt. Erkrankungen der Haut durch Milben werden allgemein als Räude bezeichnet. Beim Pferd ist heute vor allem die Chorioptes-Räude von praktischer Bedeutung.
Welche Milben kommen beim Pferd vor?
Beim Pferd können verschiedene Milbenarten Hauterkrankungen verursachen. Die größte praktische Bedeutung hat heute die Chorioptes-Milbe (Chorioptes bovis), die vor allem die unteren Gliedmaßen befällt und besonders häufig bei Pferden mit starkem Behang vorkommt.
Daneben können Sarcoptes-, Psoroptes- und Demodex-Milben auftreten. Sarcoptes verursacht die klassische Grabmilbenräude und kann mit ausgesprochen starkem Juckreiz einhergehen, kommt beim Pferd heute jedoch nur selten vor. Auch Psoroptes und Demodex spielen im Vergleich zur Chorioptes-Räude eine deutlich geringere Rolle. Gelegentlich können außerdem die Larven von Herbstgrasmilben vorübergehend die Haut des Pferdes besiedeln.
Lebensraum und Nahrung
Die verschiedenen Milbenarten haben sich auf sehr unterschiedliche Lebensräume spezialisiert. Chorioptes-Milben leben auf der Hautoberfläche und ernähren sich von Hautschuppen, epidermalem Material und Hautsekreten. Sie bevorzugen beim Pferd die unteren Gliedmaßen. Besonders dichter Behang bietet ihnen günstige Bedingungen, da zwischen den langen Haaren ein geschütztes Mikroklima entsteht und reichlich Hautmaterial vorhanden ist.
Sarcoptes-Milben verfolgen eine andere Strategie. Sie graben Gänge in die oberflächliche Hornschicht der Haut, in denen sie leben und ihre Eier ablegen. Die Haut reagiert sowohl auf die mechanische Schädigung als auch auf Bestandteile der Milben und ihrer Ausscheidungen. Dadurch kann eine ausgeprägte Immunreaktion mit sehr starkem Juckreiz entstehen.
Psoroptes-Milben dringen dagegen nicht in die Haut ein, sondern leben auf ihrer Oberfläche. Sie ernähren sich von Gewebsflüssigkeit und Hautmaterial und bevorzugen stärker behaarte Körperregionen. Veränderungen können unter anderem an Mähne und Schweifansatz, unter dem Kinn oder zwischen den Hinterbeinen auftreten. Auch ein Befall der Ohren ist möglich.
Demodex-Milben besiedeln wiederum Haarfollikel und Talgdrüsen. Ein klinisch auffälliger Befall ist beim Pferd selten und zeigt sich eher durch umschriebenen Haarverlust, Schuppen oder kleine Knoten als durch den für andere Räudemilben typischen starken Juckreiz.
Herbstgrasmilben unterscheiden sich noch einmal grundlegend von diesen dauerhaft parasitierenden Milben. Nur ihre Larven leben vorübergehend parasitisch und nehmen an der Haut Gewebsflüssigkeit auf. Nach ihrer Entwicklung verlassen sie den Wirt wieder. Ein Befall ist daher vor allem saisonal zu beobachten.
Fortpflanzung und Übertragung
Milben durchlaufen mehrere Entwicklungsstadien. Aus den Eiern schlüpfen Larven, aus denen über ein oder mehrere Nymphenstadien schließlich die adulten Milben entstehen. Wie schnell dieser Entwicklungszyklus abläuft, hängt von der jeweiligen Milbenart sowie von Temperatur und Feuchtigkeit ab.
Die Übertragung kann durch direkten Kontakt zwischen Pferden erfolgen. Bei einigen Arten können außerdem Putzzeug, Decken, Einstreu oder andere Gegenstände eine Rolle spielen. Besonders Chorioptes-Milben können zeitweise außerhalb des Pferdes überleben. Dadurch kann auch die Umgebung zu einer Quelle für eine erneute Infektion werden.
Das macht die Bekämpfung schwieriger als bei Parasiten, die vollständig auf ihren Wirt angewiesen sind. Wird nur das betroffene Pferd behandelt, können in der Umgebung oder auf Kontaktpferden verbliebene Milben zu einer erneuten Besiedlung führen.
Warum Milben so hartnäckig sein können
Besonders die Chorioptes-Räude kann sich zu einem chronischen Problem entwickeln. Die Milben leben zwar auf der Hautoberfläche, können sich bei Pferden mit dichtem Behang jedoch in einem schwer zugänglichen Lebensraum aufhalten. Schuppen, Krusten und verdickte Haut erschweren zusätzlich, dass äußerlich angewendete Mittel alle Bereiche der Haut erreichen.
Hinzu kommt der Entwicklungszyklus der Milben. Werden nicht alle Entwicklungsstadien erfasst, kann sich die Population nach einer zunächst erfolgreichen Behandlung erneut aufbauen. Wiederholungsbehandlungen und die Kontrolle von Kontaktpferden sind deshalb häufig notwendig.
Bei Chorioptes kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Die Milben können außerhalb des Pferdes zeitweise überleben. Einstreu, Putzzeug und gemeinsam verwendete Gegenstände können deshalb bei hartnäckigen Bestandsproblemen eine Rolle spielen.
Juckreiz und Hautschäden
Die auffälligste Folge eines Milbenbefalls ist bei vielen Milbenarten der Juckreiz. Die Bewegung der Parasiten, ihre Nahrungsaufnahme und Bestandteile ihrer Ausscheidungen reizen die Haut und können zusätzlich Immunreaktionen auslösen. Besonders bei Sarcoptes kann die Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems einen extrem starken Juckreiz verursachen.
Betroffene Pferde beginnen sich zu scheuern, zu beißen oder mit den Beinen zu stampfen. Bei Chorioptes ist das Stampfen mit den Hinterbeinen besonders typisch. Manche Pferde versuchen außerdem, mit den Zähnen an die Fesselbereiche zu gelangen oder reiben ein Bein am anderen.
Durch die dauerhafte mechanische Belastung entstehen zunächst Schuppen und abgebrochene Haare. Bei länger bestehendem Befall können kahle Stellen, Krusten und eine zunehmende Verdickung der Haut entstehen. Durch Kratzen und Scheuern kann schließlich die Hautbarriere verletzt werden. Bakterien und andere Mikroorganismen können sich in der vorgeschädigten Haut leichter vermehren und zusätzliche Entzündungen verursachen.
Milben, Behang und Mauke
Eine besondere Bedeutung hat die Chorioptes-Räude bei Pferden mit starkem Behang. Gerade Kaltblüter und andere stark befederte Rassen können sehr hohe Befallsraten aufweisen. In einer aktuellen Untersuchung an Belgischen Kaltblütern wurden beispielsweise bei mehr als 90 Prozent der untersuchten Pferde Chorioptes-Milben nachgewiesen (1). Das bedeutet nicht, dass jedes Pferd mit Behang zwangsläufig an Milben erkrankt. Es zeigt jedoch, wie günstig die Bedingungen für diese Parasiten bei entsprechend veranlagten Pferden sein können.
Der dichte Behang schützt die Haut vor äußeren Einflüssen, schafft gleichzeitig aber ein relativ stabiles Mikroklima. Hautschuppen und anderes epidermales Material bleiben zwischen den Haaren erhalten und stehen den Milben als Nahrungsquelle zur Verfügung. Veränderungen der Haut können außerdem lange verborgen bleiben und werden teilweise erst entdeckt, wenn Krusten oder verdickte Haut unter dem Behang ertastet werden.
Besonders wichtig ist die Verbindung zur Mauke. Der Begriff Mauke beschreibt zunächst nur eine entzündliche Hauterkrankung im Bereich der Fesselbeuge und keine bestimmte Ursache. Feuchtigkeit, mechanische Reizung, bakterielle Infektionen, Hautbarrierestörungen, chronische Veränderungen des Lymphsystems und verschiedene weitere Faktoren können daran beteiligt sein. Auch Chorioptes-Milben können eine solche Fesseldermatitis auslösen oder eine bereits bestehende Erkrankung deutlich verschlimmern.
Nicht jede Mauke ist deshalb ein Milbenbefall – und nicht jeder Milbenbefall sieht zunächst wie klassische Mauke aus.
Gerade bei wiederkehrender Mauke an stark behaarten Beinen sollte deshalb auch an Chorioptes gedacht werden. Juckreiz, häufiges Stampfen, Knabbern an den Beinen, Schuppen und Krusten können Hinweise liefern. Gleichzeitig können chronische Hautveränderungen den Milben wiederum bessere Lebensbedingungen bieten. So kann ein Kreislauf entstehen, bei dem sich Parasitenbefall, Hautschädigung und Entzündung gegenseitig verstärken.
Bei einigen Kaltblutrassen kommt zusätzlich das chronisch progressive Lymphödem (CPL) vor. Dabei entstehen zunehmend verdickte Hautfalten und knotige Veränderungen an den unteren Gliedmaßen. Chorioptes gilt nicht als alleinige Ursache dieser Erkrankung, wird bei betroffenen Pferden jedoch sehr häufig nachgewiesen und kann die bestehenden Hautveränderungen zusätzlich verschlimmern. Milbenbefall, Mauke und CPL müssen deshalb voneinander unterschieden werden, können bei einem Pferd aber gleichzeitig auftreten und sich gegenseitig beeinflussen.
Wie wird ein Milbenbefall festgestellt?
Das äußere Erscheinungsbild kann einen Verdacht auf Milben liefern, reicht für eine sichere Diagnose jedoch nicht immer aus. Schuppen, Krusten, Juckreiz und kahle Stellen können auch bei anderen Hauterkrankungen auftreten.
Zum Nachweis können Hautgeschabsel oder andere Proben von der Haut entnommen und mikroskopisch untersucht werden. Welche Probentechnik sinnvoll ist, hängt von der vermuteten Milbenart ab. Oberflächlich lebende Chorioptes-Milben lassen sich beispielsweise anders nachweisen als Milben, die tiefer in der Haut oder in Haarfollikeln leben.
Auch ein negatives Hautgeschabsel schließt einen Befall nicht in jedem Fall sicher aus. Besonders bei Sarcoptes können die Milben trotz deutlicher Symptome schwer nachweisbar sein. Bei anhaltendem Verdacht können deshalb weitere Proben oder gegebenenfalls eine Hautbiopsie notwendig sein.
Maßnahmen gegen Milben
Die Behandlung richtet sich nach der Milbenart, der Stärke des Befalls und dem Zustand der Haut. In der Tiermedizin werden verschiedene akarizid wirkende Präparate eingesetzt. Dazu gehören äußerlich anzuwendende Mittel und, je nach Milbenart und Situation, auch systemisch wirkende Antiparasitika. Einige Wirkstoffe werden beim Pferd außerhalb ihrer eigentlichen Zulassung eingesetzt, weshalb Auswahl, Dosierung und Anwendung in tierärztliche Hände gehören.
Eine einmalige Behandlung reicht häufig nicht aus. Je nach Wirkstoff werden nicht alle Eier oder Entwicklungsstadien sicher erfasst. Wiederholungsbehandlungen sollen deshalb die Milben erreichen, die nach der ersten Anwendung neu geschlüpft sind.
Bei Pferden mit starkem Behang kann das Kürzen oder Scheren der betroffenen Bereiche die Behandlung erleichtern, weil äußerlich angewendete Präparate die Haut besser erreichen. Ob dies notwendig ist, hängt jedoch vom Ausmaß des Befalls und von der gewählten Behandlung ab. Auch Kontaktpferde und die Umgebung sollten berücksichtigt werden. Putzzeug, Decken und andere gemeinsam verwendete Gegenstände können gereinigt werden, bei Bestandsproblemen sollte außerdem die mögliche Belastung der Umgebung in die Behandlung einbezogen werden.
Unterstützung aus der Hausapotheke
Bei einem leichten Milbenbefall und intakter Haut können auch traditionelle Hausmittel ausprobiert werden. Eine lange Tradition hat dabei insbesondere die äußerliche Anwendung von Schwefel. Dass Schwefel grundsätzlich eine Wirkung gegen Milben entfalten kann, ist auch veterinärmedizinisch belegt. In einer Untersuchung an 22 Pferden mit nachgewiesener Chorioptes-Räude wurden die Tiere viermal im Abstand von sieben Tagen mit einer fünfprozentigen Schwefelkalk-Lösung behandelt. Nach Abschluss der Behandlung hatten sich die Hautveränderungen bei allen Pferden gebessert und es konnten keine Milben mehr nachgewiesen werden. (2)
In der Hausapotheke wird statt einer Schwefelkalk-Lösung traditionell auch Schwefelblüte mit Öl vermischt und auf die betroffenen Hautbereiche aufgetragen. Diese Zubereitung ist nicht mit dem in der Studie untersuchten Präparat gleichzusetzen. Die grundsätzliche akarizide Wirkung schwefelhaltiger äußerlicher Anwendungen macht die traditionelle Verwendung von Schwefel bei Milben jedoch nachvollziehbar. Das Öl dient dabei vor allem als Träger und ermöglicht es, den fein verteilten Schwefel auf der Haut zu verteilen und dort zu halten. Bei starkem Behang ist entscheidend, dass das Gemisch tatsächlich die Haut erreicht und nicht nur auf den Haaren verteilt wird.
Die Möglichkeiten der Selbstbehandlung enden dort, wo die Haut deutlich geschädigt ist. Bei offenen oder nässenden Stellen, ausgeprägten Krusten, starken Schwellungen, Schmerzen oder deutlichen Entzündungen sollte die Haut tierärztlich untersucht werden. Gerade bei Veränderungen im Bereich der Fesselbeuge können neben den Milben bereits bakterielle Sekundärinfektionen oder andere Ursachen der Mauke eine Rolle spielen.
Fazit
Milben können beim Pferd sehr unterschiedliche Hautprobleme verursachen. Während Sarcoptes, Psoroptes und Demodex heute vergleichsweise selten vorkommen, spielt insbesondere die Chorioptes-Räude weiterhin eine wichtige Rolle. Pferde mit starkem Behang sind besonders häufig betroffen. Juckreiz, Stampfen, Schuppen, Krusten und verdickte Haut an den unteren Gliedmaßen sollten deshalb immer auch an einen Milbenbefall denken lassen.
Besonders bei wiederkehrender Mauke lohnt sich ein genauer Blick. Milben sind nicht die einzige mögliche Ursache einer Fesseldermatitis, können bestehende Hautprobleme jedoch auslösen oder erheblich verstärken. Ein leichter Befall auf intakter Haut kann zunächst mit bewährten Hausmitteln behandelt werden. Bei hartnäckigem Befall, offenen oder entzündeten Hautstellen oder immer wiederkehrender Mauke sollte dagegen gezielt untersucht werden, welche Ursache hinter den Veränderungen steckt und welche Behandlung notwendig ist.
Quellen
(1) Brys M., Claerebout E., Saey V., Chiers K. (2025): High prevalence of Chorioptes bovis: an important factor in chronic progressive lymphedema in Belgian draft horses. Veterinary Research Communications 49:129.
(2) Paterson S., Coumbe K. (2009): An open study to evaluate topical treatment of equine chorioptic mange with shampooing and lime sulphur solution. Veterinary Dermatology.
