Hautpilz beim Pferd
Hautpilz gehört zu den ansteckenden Hauterkrankungen des Pferdes und kann sich insbesondere bei engem Kontakt innerhalb eines Bestandes verbreiten. Typisch sind schuppige, zunehmend haarlose Bereiche, in denen die Haare abbrechen oder ausfallen. Häufig beginnen die Veränderungen rundlich und klar begrenzt, können sich mit zunehmender Ausbreitung jedoch verbinden und größere unregelmäßige Flächen bilden.
Verursacht wird die Erkrankung durch bestimmte Hautpilze, sogenannte Dermatophyten. Die durch sie hervorgerufene Erkrankung wird medizinisch als Dermatophytose bezeichnet. Anders als Haarlinge oder Milben sind Pilze keine tierischen Parasiten. Sie nutzen jedoch Bestandteile von Haut und Haaren als Nahrungsgrundlage, vermehren sich auf dem Wirt und können von einem Pferd auf das nächste übertragen werden. Für Pferdehalter ist es deshalb durchaus sinnvoll, den Hautpilz gemeinsam mit den anderen Parasiten der Haut zu betrachten.
Welche Hautpilze kommen beim Pferd vor?
Zu den wichtigsten Hautpilzen des Pferdes gehören Trichophyton equinum und Trichophyton mentagrophytes. Daneben können unter anderem Nannizzia gypsea, Microsporum canis und Trichophyton verrucosum auftreten. Einige dieser Pilze sind stärker an bestimmte Wirte angepasst, während andere bei verschiedenen Tierarten vorkommen oder aus der Umwelt aufgenommen werden können.
So ist Trichophyton equinum vor allem an Pferde angepasst, während Microsporum canis häufiger bei Katzen und Hunden vorkommt und von dort auf andere Tierarten übertragen werden kann. Nannizzia gypsea gehört dagegen zu den Hautpilzen, deren natürlicher Lebensraum vor allem der Boden ist und mit denen sich ein Pferd deshalb auch über die Umwelt infizieren kann.
Für die praktische Beurteilung ist die genaue Pilzart zunächst weniger entscheidend als die Frage, ob tatsächlich eine Pilzinfektion vorliegt. Verschiedene bakterielle oder entzündliche Hauterkrankungen können ähnlich aussehen und sollten insbesondere bei einem ungewöhnlichen oder hartnäckigen Verlauf berücksichtigt werden.
Lebensraum und Nahrung
Hautpilze haben sich darauf spezialisiert, Keratin als Nahrungsgrundlage zu nutzen. Keratin ist ein wichtiger Bestandteil der Haare und der obersten Hautschichten. Die Infektion bleibt deshalb normalerweise oberflächlich und breitet sich entlang dieser keratinhaltigen Strukturen aus.
Werden die Haare durch den Pilz geschädigt, verlieren sie ihre Stabilität und brechen ab. Dadurch entstehen die typischen zunehmend haarlosen Bereiche. Gleichzeitig können sich Schuppen und Krusten bilden. Häufig treten die Veränderungen am Rumpf sowie an Stellen auf, an denen Sattel, Gurt oder andere Ausrüstungsgegenstände Kontakt mit dem Fell haben.
Übertragung und Überlebensstrategie
Hautpilz kann durch direkten Kontakt zwischen Pferden übertragen werden. Eine besonders wichtige Rolle spielen jedoch infizierte Haare und Hautschuppen. An ihnen befinden sich infektiöse Pilzbestandteile, die über Putzzeug, Satteldecken, Decken, Halfter oder andere Gegenstände weitergegeben werden können. Abgebrochene infizierte Haare stellen deshalb eine wichtige Infektionsquelle dar.
Hinzu kommt die Widerstandsfähigkeit der Pilze außerhalb ihres Wirtes. Kontaminierte Gegenstände und die Umgebung können dadurch auch nach dem Verschwinden der sichtbaren Hautveränderungen eine Infektionsquelle bleiben. Wird nur das Pferd behandelt, ohne gemeinsam verwendete Ausrüstung zu berücksichtigen, kann es deshalb zu erneuten Infektionen kommen.
Nicht jeder Kontakt mit einem Hautpilz führt allerdings zwangsläufig zu einer Erkrankung. Ob sich eine Infektion entwickelt, hängt unter anderem von der Pilzart, dem Alter und Gesundheitszustand des Pferdes, dem Zustand der Haut, der Fellpflege und der Ernährung ab.
Wie erkennt man Hautpilz?
Typisch sind zunächst kleinere schuppige oder krustige Hautveränderungen. Im weiteren Verlauf entstehen häufig rundliche Bereiche, in denen die Haare abbrechen oder vollständig ausfallen. Das klassische Bild einer kreisrunden kahlen Stelle ist deshalb ein wichtiger Hinweis auf Hautpilz, beweist eine Pilzinfektion jedoch nicht.
Juckreiz kann auftreten, muss aber nicht besonders ausgeprägt sein. Darin liegt ein gewisser Unterschied zu Haarlingen oder vielen Milbenarten: Dort führt der starke Juckreiz häufig dazu, dass das Pferd selbst Haare durch Scheuern und Knabbern abbricht. Beim Hautpilz wird dagegen das Haar unmittelbar durch die Infektion geschädigt.
Mit zunehmender Ausbreitung können mehrere kleine Bereiche ineinander übergehen. Das typische kreisrunde Erscheinungsbild geht dann verloren und es entstehen größere schuppige oder kahle Hautflächen.
Warum manche Pferde erkranken und andere nicht
Interessant ist, dass innerhalb einer Pferdegruppe trotz vergleichbarer Exposition häufig nicht alle Tiere erkranken. Der Kontakt mit einem Hautpilz allein entscheidet also nicht darüber, ob tatsächlich sichtbare Hautveränderungen entstehen. Eine intakte Hautbarriere und eine funktionierende Immunabwehr spielen eine wesentliche Rolle dabei, die Ausbreitung des Pilzes zu begrenzen. Auch Alter, allgemeiner Gesundheitszustand, Ernährung und der Zustand der Haut beeinflussen die Empfänglichkeit.
Dabei lohnt sich auch ein Blick auf die Darmgesundheit. Das Darmmikrobiom steht in einem engen Austausch mit dem Immunsystem und ist an dessen Regulation beteiligt. Ein stabiles Darmmikrobiom könnte deshalb indirekt dazu beitragen, dass das Immunsystem angemessen auf Krankheitserreger reagiert.
Wie groß dieser Einfluss speziell bei Hautpilzerkrankungen des Pferdes ist, lässt sich derzeit allerdings nicht sicher beantworten. Die wissenschaftliche Forschung zum Zusammenspiel von Darmmikrobiom, Hautmikrobiom und Immunsystem steht auch beim Pferd noch am Anfang. Bei wiederkehrenden Hautpilzproblemen erscheint es dennoch sinnvoll, nicht ausschließlich die betroffene Hautstelle zu betrachten, sondern auch Fütterung, Haltung, Stress und den allgemeinen Gesundheitszustand des Pferdes in die Überlegungen einzubeziehen.
Können sich Mensch und Pferd gegenseitig anstecken?
Einige Hautpilze können verschiedene Tierarten und auch den Menschen befallen. Anders als bei den wirtsspezifischen Läusen des Pferdes ist eine Übertragung zwischen Pferd und Mensch deshalb grundsätzlich möglich. Einige der beim Pferd vorkommenden Hautpilze gelten entsprechend als zoonotisch.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Hautpilz des Menschen für Pferde ansteckend ist. Der klassische Fußpilz des Menschen wird überwiegend durch Hautpilze verursacht, die besonders gut an den Menschen angepasst sind. Auch wenn sich ein solcher Pilz beim Menschen beispielsweise von den Füßen auf Hände oder andere Körperregionen übertragen kann, lässt sich daraus keine entsprechende Übertragbarkeit auf das Pferd ableiten.
Umgekehrt sollte bei einem Pferd mit bestätigtem Hautpilz dennoch auf Hygiene geachtet werden. Handschuhe beim Behandeln der betroffenen Stellen, gründliches Händewaschen und getrenntes Putzzeug sind einfache Maßnahmen, die sowohl andere Pferde als auch den Menschen schützen.
Wie wird Hautpilz festgestellt?
Das typische Erscheinungsbild liefert häufig bereits einen Verdacht. Da jedoch andere Hauterkrankungen ähnlich aussehen können, können Haare, Schuppen oder Krusten genauer untersucht werden. Zur Diagnostik stehen unter anderem die direkte mikroskopische Untersuchung, eine Pilzkultur und weitere labordiagnostische Verfahren zur Verfügung. In unklaren Fällen kann auch eine Hautbiopsie notwendig sein.
Gerade bei wiederkehrenden, großflächigen oder auf eine Behandlung nicht ansprechenden Veränderungen ist eine gesicherte Diagnose sinnvoll. Es bringt wenig, über längere Zeit einen vermeintlichen Hautpilz zu behandeln, wenn tatsächlich eine bakterielle Hauterkrankung oder eine andere Ursache dahintersteckt.
Maßnahmen gegen Hautpilz
Die tiermedizinische Behandlung erfolgt in erster Linie äußerlich. Zu den eingesetzten Wirkstoffen und Präparaten gehören beispielsweise Enilconazol, Miconazol in Kombination mit Chlorhexidin sowie Schwefelkalk. Bei stärkerem Befall kann es notwendig sein, nicht nur einzelne sichtbare Stellen, sondern größere Bereiche des Pferdes zu behandeln.
Ebenso wichtig ist es, mögliche Infektionswege zu unterbrechen. Lose Haare sollten entfernt und Putzzeug, Satteldecken, Decken und andere Gegenstände mit Hautkontakt gründlich gereinigt werden. Betroffene Pferde sollten eigenes Putzzeug erhalten und dieses nicht mit anderen Pferden teilen.
Die Reinigung der Umgebung ist dabei kein nebensächlicher Zusatz zur Behandlung. Bleiben infektiöse Haare und Pilzbestandteile auf gemeinsam verwendeten Gegenständen zurück, können sie zu erneuten Infektionen beitragen.
Unterstützung aus der Hausapotheke
Bei einzelnen kleinen Pilzstellen und ansonsten intakter Haut können zunächst auch verschiedene Mittel aus der Hausapotheke ausprobiert werden. Wichtig ist dabei, dass das verwendete Mittel tatsächlich die Haut erreicht. Bei längerem Fell kann es deshalb sinnvoll sein, die Haare im betroffenen Bereich vorsichtig zu kürzen.
Eine einfache Möglichkeit ist das Abwaschen der betroffenen Bereiche mit verdünntem Essigwasser. Die enthaltene Essigsäure senkt vorübergehend den pH-Wert auf der Haut und kann damit ein für Pilze ungünstigeres Milieu schaffen. Gleichzeitig lassen sich beim Abwaschen Schuppen, lose Haare und damit auch pilzhaltiges Material von der Haut entfernen. Gerade bei kleineren, neu aufgetretenen Stellen lässt sich Essigwasser unkompliziert anwenden.
Auch EM-A kann äußerlich auf die betroffenen Hautbereiche aufgetragen werden. Hier steht weniger eine unmittelbar pilzabtötende Wirkung im Vordergrund. Vielmehr soll das mikrobielle Milieu auf der Haut beeinflusst und damit die natürliche Hautflora unterstützt werden. EM-A eignet sich vor allem für kleinere Veränderungen auf intakter Haut und lässt sich auch nach dem Reinigen der betroffenen Bereiche auftragen.
Eine weitere Möglichkeit ist Schwefelblüte in Öl. Schwefel besitzt antimykotische Eigenschaften und wird in Form schwefelhaltiger Präparate auch in der Behandlung von Hautpilzen eingesetzt. Das Öl dient dabei als Träger, verteilt den fein gemahlenen Schwefel auf der Haut und hält ihn dort. Gleichzeitig schützt es trockene und schuppige Haut vor weiterem Austrocknen. Wie bei der Anwendung gegen Milben ist wichtig, dass die Mischung tatsächlich auf die Haut und nicht nur auf das Fell aufgetragen wird.
Kokosöl kann ebenfalls bei kleinen, trockenen Hautstellen eingesetzt werden. Es hält die Haut geschmeidig und enthält verschiedene Fettsäuren, insbesondere Laurinsäure, deren Abbauprodukte antimikrobielle und antimykotische Eigenschaften besitzen. Durch den Fettfilm eignet sich Kokosöl vor allem für trockene und schuppige Bereiche. Auf feuchter, aufgeweichter oder nässender Haut sind stark fettende Anwendungen dagegen weniger geeignet.
Die genannten Hausmittel stammen überwiegend aus der praktischen Anwendung; ihre Wirksamkeit speziell gegen Hautpilz beim Pferd ist wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht. Bei einem leichten und örtlich begrenzten Befall auf intakter Haut können sie dennoch als erste Maßnahme ausprobiert werden. Werden die Stellen größer, entstehen weitere Veränderungen, sind mehrere Pferde betroffen oder ist die Haut offen, nässend oder deutlich entzündet, sollte ein Tierarzt hinzugezogen werden. Auch wenn sich nach einigen Tagen keine deutliche Besserung zeigt, ist eine gezielte Diagnostik sinnvoll, um einen Hautpilz zu bestätigen und andere Hauterkrankungen auszuschließen.
Fazit
Hautpilz ist meist keine schwere Erkrankung, kann sich innerhalb eines Pferdebestandes jedoch hartnäckig verbreiten. Die Pilze besiedeln keratinhaltige Strukturen von Haut und Haaren und können über direkten Kontakt, infizierte Haare und gemeinsam verwendete Gegenstände weitergegeben werden. Gleichzeitig entscheidet der Kontakt mit dem Erreger allein nicht darüber, ob ein Pferd tatsächlich erkrankt. Hautbarriere, Immunsystem und allgemeiner Gesundheitszustand spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.
Bei einzelnen kleinen Stellen und intakter Haut können zunächst einfache Maßnahmen aus der Hausapotheke ausprobiert werden. Breitet sich die Erkrankung aus oder kehrt sie immer wieder zurück, sollte jedoch genauer hingeschaut werden. Neben einer gezielten Behandlung gehören dann auch mögliche Infektionswege sowie Fütterung, Haltung und der allgemeine Gesundheitszustand des Pferdes in die Betrachtung.
