Insektenschutz beim Pferd – Decken, Sprays, Fallen und natürliche Gegenspieler
Fliegen, Gnitzen, Mücken, Bremsen und Zecken gehören zu den häufigsten Plagegeistern, mit denen Pferde während der warmen Jahreszeit zu tun haben. Ein gewisses Maß an Kontakt gehört zum natürlichen Lebensraum des Pferdes und lässt sich weder vollständig vermeiden, noch wäre es sinnvoll, seine Umgebung möglichst frei von Insekten und anderen Parasiten gestalten zu wollen. Während einzelne Fliegen oder Mücken kaum eine Belastung darstellen, kann ein hoher Befallsdruck dazu führen, dass Pferde kaum noch ungestört fressen oder ruhen können. Stechinsekten können Schmerzen, Juckreiz und allergische Reaktionen verursachen, Stallfliegen Augen und Haut reizen und Zecken Krankheitserreger übertragen.
Ein sinnvoller Schutz besteht deshalb selten aus einer einzelnen Maßnahme. Entscheidend ist zunächst, welche Insekten und Zecken Probleme verursachen, wann sie aktiv sind und welche Lebensräume sie bevorzugen. Daraus lässt sich ableiten, ob Veränderungen im Management, mechanischer Schutz, ein Insektenspray, eine Falle oder eine Kombination verschiedener Maßnahmen erfolgversprechend ist.
Schutz beginnt mit der Lebensweise der Plagegeister
Nicht alle Plagegeister sind zur gleichen Tageszeit und am gleichen Ort aktiv. Gnitzen treten beispielsweise verstärkt in der Morgen- und Abenddämmerung auf und sind relativ schlechte Flieger. Kriebelmücken sind aufgrund ihrer Entwicklung eng an Fließgewässer gebunden, während sich viele Stechmückenarten in stehendem Wasser entwickeln. Bremsen sind kräftige Flieger und vor allem tagsüber aktiv. Stallfliegen und andere Fliegenarten profitieren besonders von geeigneten Entwicklungsplätzen in Mist, feuchtem organischem Material und Futterresten.
Zecken verfolgen eine vollkommen andere Strategie. Sie fliegen nicht aktiv zum Pferd, sondern halten sich in der Vegetation auf und warten dort auf einen geeigneten Wirt. Gräser, Kräuter und niedrige Sträucher an Wegrändern, Waldrändern, Hecken und anderen bewachsenen Bereichen bieten ihnen dafür geeignete Bedingungen. Streift ein Pferd an der Vegetation vorbei, können die Zecken auf den neuen Wirt übergehen und anschließend eine geeignete Stelle für ihre Blutmahlzeit suchen.
Auch die Landschaft beeinflusst deshalb erheblich, welchen Plagegeistern ein Pferd begegnet. Eine offene, windige Weide bietet andere Bedingungen als ein windgeschützter Paddock am Waldrand, eine feuchte Fläche neben einem Gewässer oder ein von Hecken gesäumter Trail. Bereits die Wahl des Aufenthaltsortes oder der Weidezeit kann daher einen deutlichen Unterschied machen.
Stall, Unterstand und Wind gezielt nutzen
Bei kleinen und relativ schwachen Fliegern kann Luftbewegung einen erstaunlich wirksamen Schutz bieten. Offene, windige Flächen werden von manchen Arten deutlich weniger genutzt als geschützte Bereiche. Im Stall können Ventilatoren diesen Effekt künstlich erzeugen und es kleinen Fluginsekten erschweren, kontrolliert auf einem Pferd zu landen.
Auch ein Stall oder Unterstand kann während bestimmter Hauptflugzeiten sinnvoll sein. Das funktioniert allerdings nur, wenn dort tatsächlich weniger Insekten vorhanden sind. Ein warmer, windstiller Stall voller Fliegen bietet wenig Schutz. Bei empfindlichen Pferden kann es deshalb sinnvoller sein, Haltung und Weidezeiten an die jeweils problematischen Arten anzupassen, als das Pferd rund um die Uhr mit einem Insektenspray (Repellent) einzusprühen. Gegen Zecken hilft diese Strategie dagegen nur begrenzt. Hier spielt stärker eine Rolle, durch welche Vegetation sich das Pferd bewegt.
Unnötige Brutplätze vermeiden
Neben dem Schutz des einzelnen Pferdes lohnt sich ein Blick auf die Umgebung. Regentonnen, Eimer, alte Reifen, verstopfte Dachrinnen und andere Behälter können über längere Zeit Wasser enthalten und verschiedenen Stechmücken geeignete Entwicklungsbedingungen bieten. Solche unbeabsichtigten Wasserstellen lassen sich häufig ohne großen Aufwand vermeiden.
Bei Stallfliegen spielen Mist, feuchte Einstreu, Futterreste und andere organische Materialien eine zentrale Rolle. Viele Fliegenarten nutzen solches Material für ihre Entwicklung. Eine konsequente Stall- und Paddockhygiene kann deshalb dazu beitragen, die Fliegenpopulation unmittelbar am Pferdebestand zu reduzieren. Auch die Mistlagerung verdient Aufmerksamkeit. Ein offener Misthaufen bietet hervorragende Bedingungen für die Entwicklung großer Mengen Fliegen und sollte deshalb möglichst nicht unmittelbar neben Stall oder Aufenthaltsbereichen der Pferde liegen. Wird der Mist in Containern gesammelt, können geschlossene Behälter die Möglichkeiten zur Eiablage und weiteren Entwicklung deutlich einschränken.
Bei Zecken gibt es keine vergleichbaren Brutplätze, die einfach beseitigt werden könnten. Sie profitieren vielmehr von geeigneter Vegetation und einem feuchten Mikroklima. Kurz gehaltene Bereiche unmittelbar um stark frequentierte Paddocks und Wege können deshalb weniger günstige Bedingungen bieten als dichter, dauerhaft feuchter Bewuchs. Eine vollständige Beseitigung von Hecken, Säumen oder naturnaher Vegetation wäre jedoch weder notwendig noch ökologisch sinnvoll.
Natürliche Gewässer sollten ebenfalls nicht mit unbeabsichtigten Brutplätzen gleichgesetzt werden. Ein ökologisch funktionierender Teich beherbergt neben den Stechinsekten auch zahlreiche ihrer natürlichen Gegenspieler. Libellen und ihre Larven, Fische, Frösche und andere Amphibien fressen verschiedene Entwicklungsstadien oder erwachsene Insekten. Auch insektenfressende Vögel wie Schwalben können große Mengen fliegender Insekten erbeuten. Ziel des Managements sollte deshalb nicht sein, möglichst viele Lebensräume zu beseitigen, sondern unnötige Massenvorkommen unmittelbar am Stall zu vermeiden.
Decken als mechanischer Schutz
Eine der einfachsten Möglichkeiten besteht darin, Insekten den Zugang zur Haut zu erschweren. Welche Decke dafür geeignet ist, hängt von den vorkommenden Arten und vom Einsatzzweck ab.
Engmaschige Ekzemerdecken bedecken einen großen Teil des Körpers und können auch sehr kleine Insekten wie Gnitzen von der Haut fernhalten. Sie sind deshalb besonders für Pferde mit ausgeprägter Insektenstichallergie interessant. Normale Fliegendecken sind häufig wesentlich luftiger. Wie gut sie tatsächlich schützen, hängt jedoch stark von Material und Maschenweite ab. Sehr dünne oder weitmaschige Decken können zwar das Landen erschweren, verhindern aber nicht zwangsläufig, dass Bremsen oder beißende Fliegen durch das Material hindurch die Haut erreichen.
Fransendecken verfolgen ein anderes Prinzip. Die beweglichen Fransen erschweren größeren Insekten das kontrollierte Landen. Besonders interessant sind sie deshalb während der Bewegung, etwa beim Reiten oder vor der Kutsche. Die Fransen sind ständig in Bewegung, während die offene Konstruktion gleichzeitig eine gute Luftzirkulation ermöglicht und das Schwitzen weniger behindert als eine geschlossene Decke.
Eine interessante Variante sind gestreifte sogenannte Zebradecken. Untersuchungen an Pferden zeigen, dass Bremsen gestreifte Flächen zwar anfliegen, darauf aber deutlich seltener erfolgreich landen. Offenbar stört das Streifenmuster die optische Orientierung während des letzten Teils des Landeanflugs.
Fliegenmasken schützen zusätzlich Gesicht, Augen und je nach Ausführung die Ohren. Gerade bei hoher Belastung durch Stallfliegen können sie verhindern, dass sich ständig Fliegen an Augen und Tränenflüssigkeit sammeln. Gegen Zecken bieten Decken dagegen nur einen begrenzten Schutz. Sie können bedeckte Hautbereiche abschirmen, Zecken gelangen aber über Beine, Kopf oder andere unbedeckte Stellen auf das Pferd und können anschließend unter einer Decke weiterwandern.
Bei allen mechanischen Schutzmaßnahmen ist eine gute Passform entscheidend. Eine scheuernde Maske oder eine Decke, unter der sich dauerhaft Wärme und Feuchtigkeit stauen, kann selbst Hautprobleme verursachen.
Repellentien halten Insekten auf Abstand
Neben dem mechanischen Schutz kommen häufig Fliegensprays und andere äußerlich anzuwendende Mittel zum Einsatz. Viele dieser Produkte enthalten sogenannte Repellentien. Der Begriff leitet sich vom lateinischen repellere für „zurücktreiben“ oder „abwehren“ ab.
Ein Repellent soll Parasiten und andere lästige Insekten nicht unbedingt töten. Es soll möglichst verhindern, dass diese überhaupt auf dem Pferd landen, zustechen oder sich festsetzen. Bei fliegenden Insekten kann beispielsweise die Orientierung bei der Wirtssuche beeinflusst werden. Bei Zecken besteht das Ziel darin, den Kontakt beziehungsweise das Festsetzen und Stechen zu verhindern.
Zu den synthetisch hergestellten Repellentien gehören beispielsweise DEET und Icaridin. Daneben werden zahlreiche pflanzliche Substanzen eingesetzt. Entscheidend ist dabei, dass nicht jeder Wirkstoff gegen Fliegen, Mücken, Bremsen und Zecken gleichermaßen wirksam sein muss.
Pflanzliche Repellentien müssen häufiger erneuert werden
Geraniol, Citronella, Neem und verschiedene ätherische Öle werden aufgrund ihrer abschreckenden Wirkung auf verschiedene Insekten und Zecken eingesetzt. Auch Kombinationen verschiedener pflanzlicher Substanzen können den Insektendruck beim Pferd deutlich reduzieren. Welche Mischung gut funktioniert, hängt jedoch von den vorkommenden Insekten und teilweise auch vom einzelnen Pferd ab.
Viele pflanzliche Repellentien sind relativ flüchtig. Das ist zunächst kein Nachteil, bedeutet aber, dass die Anwendung regelmäßig erneuert werden muss. Wärme, Sonneneinstrahlung, Regen und Schweiß können die Wirkdauer zusätzlich verkürzen. Von einem Fliegenspray muss deshalb nicht erwartet werden, dass eine Anwendung morgens das Pferd bis zum Abend zuverlässig schützt. Entscheidend ist vielmehr, ob es während der benötigten Zeit ausreichend wirkt und sich bei Bedarf problemlos erneut auftragen lässt.
Wird ein länger anhaltender Schutz benötigt, kann beispielsweise Tiroler Steinöl interessant sein. Es wird aus schwefelhaltigem Ölschiefer gewonnen und besitzt einen sehr charakteristischen Geruch, der ausgesprochen lange an Fell und Haaren haften kann. Das muss man allerdings mögen – der intensive Geruch betrifft nicht nur die Insekten.
Welches Mittel am besten funktioniert, lässt sich deshalb nicht pauschal beantworten. Ein Spray kann bei einem Pferd und der dort vorkommenden Insektenpopulation hervorragend funktionieren und unter anderen Bedingungen deutlich weniger erfolgreich sein. Ausprobieren und gegebenenfalls wechseln gehört deshalb zum praktischen Insektenschutz dazu.
Repellent oder Insektizid – ein wichtiger Unterschied
Nicht jedes Mittel, das gegen Insekten oder Zecken eingesetzt wird, ist ein Repellent. Insektizide sollen Insekten abtöten. Bei Zecken und Milben spricht man entsprechend von einer akariziden Wirkung.
Zu den verwendeten Wirkstoffen gehören beispielsweise natürliche Pyrethrine sowie synthetisch hergestellte Pyrethroide wie Permethrin oder Cypermethrin. Sie beeinflussen die Reizweiterleitung im Nervensystem von Gliederfüßern. Einige dieser Wirkstoffe besitzen gleichzeitig eine abschreckende Wirkung, sodass repellierende und abtötende Effekte nebeneinander auftreten können.
Pyrethrine und synthetische Pyrethroide sind deshalb nicht mit einem gewöhnlichen Pflegeprodukt gleichzusetzen. Ihr Einsatz kann sinnvoll sein, wenn ein Pferd erheblich unter Parasiten oder Insekten leidet oder beispielsweise aufgrund einer ausgeprägten Insektenstichallergie besonders zuverlässig geschützt werden muss. Für einen routinemäßigen Einsatz bei jedem Pferd sind solche Wirkstoffe dagegen nicht automatisch notwendig. Zudem können Wirkstoffe oder Hilfsstoffe Hautreaktionen verursachen.
Warum ein Spray nicht gegen jeden Plagegeist gleich gut wirkt
Die Aufschrift „Fliegenspray“ sagt zunächst wenig darüber aus, gegen welche Arten ein Produkt tatsächlich zuverlässig wirkt. Gnitzen, Stechmücken, Stallfliegen und Bremsen besitzen unterschiedliche Sinnesorgane und Strategien bei der Wirtssuche. Zecken wiederum suchen ihren Wirt auf völlig andere Weise. Ein Wirkstoff, der eine Mückenart zuverlässig fernhält, muss deshalb weder eine Bremse noch eine Zecke ebenso zuverlässig abwehren.
Hinzu kommen Konzentration und Formulierung des Produktes. Entscheidend ist nicht allein, welcher Wirkstoff enthalten ist, sondern in welcher Konzentration er vorliegt und wie lange eine wirksame Menge auf Fell und Haut verbleibt. Schweiß und Regen können Stoffe entfernen, Wärme kann ihre Verdunstung beschleunigen und UV-Strahlung manche Substanzen abbauen. Auch die richtige Anwendung spielt eine Rolle. Wird ein Mittel nur sehr sparsam oder ungleichmäßig aufgetragen, entstehen Bereiche mit geringer oder fehlender Schutzwirkung. Das eine Mittel, das bei jedem Pferd zuverlässig gegen alle Plagegeister funktioniert, gibt es deshalb kaum. In der Praxis muss ausprobiert werden, welches Präparat zum jeweiligen Pferd und zu den vorhandenen Insekten passt.
Warum dasselbe Mittel irgendwann schlechter funktionieren kann
Viele Pferdehalter beobachten, dass ein Abwehrmittel in einer Saison hervorragend funktioniert und nach längerer oder wiederholter Verwendung scheinbar an Wirkung verliert. Dafür gibt es wahrscheinlich nicht die eine Erklärung.
Die Zusammensetzung der Insektenpopulation verändert sich im Verlauf des Jahres. Gleichzeitig kann der Befallsdruck erheblich steigen. Ein Mittel, das beispielsweise 90 Prozent der Anflüge verhindert, erscheint bei zehn Insekten hervorragend. Bei hundert gleichzeitig suchenden Insekten bleiben trotz gleicher Schutzwirkung deutlich mehr Kontakte übrig.
Auch Wetter, Schweiß, Fellwechsel und Anwendung können die wahrgenommene Wirksamkeit verändern. Bei insektiziden oder akariziden Wirkstoffen kommt ein weiterer möglicher Mechanismus hinzu: Werden Populationen über viele Generationen immer wieder demselben Wirkstoff ausgesetzt, können weniger empfindliche Individuen einen Selektionsvorteil erhalten. So können sich langfristig resistente Populationen entwickeln.
Ob dies die nachlassende Wirkung eines bestimmten Produktes in einem konkreten Stall erklärt, lässt sich allerdings kaum feststellen. Eine einfache „Gewöhnung an den Geruch“ greift deshalb als Erklärung zu kurz. Wenn ein Produkt deutlich schlechter funktioniert, ist es sinnvoller, Wirkstoff und Schutzstrategie zu überdenken, als lediglich immer größere Mengen desselben Mittels einzusetzen.
Bremsenfallen – der schwarze Ball als vermeintlicher Wirt
Bremsen orientieren sich bei ihrer Wirtssuche stark an optischen Reizen. Darauf basiert das Prinzip vieler Bremsenfallen. Ein großer schwarzer oder sehr dunkler Ball erwärmt sich in der Sonne und bietet optische Eigenschaften, die für eine Bremse einem möglichen großen Wirt ähneln können.
Die Bremse fliegt den Ball an und versucht dort eine Blutmahlzeit aufzunehmen. Stellt sie fest, dass dies nicht möglich ist, fliegt sie wieder ab. Dabei wird eine Besonderheit ihres Flugverhaltens ausgenutzt: Bremsen starten bevorzugt nach oben. Über dem Ball befindet sich deshalb ein trichterförmiges Netz, das die aufsteigende Bremse in einen Fangbehälter leitet.
Wie erfolgreich solche Fallen sind, hängt stark von Bauart, Standort und den vorkommenden Bremsenarten ab. Untersuchungen verschiedener Fallenkonstruktionen zeigen erhebliche Unterschiede bei den Fangzahlen. Eine Bremsenfalle kann den Befallsdruck deshalb reduzieren, ist aber keine Garantie für eine bremsenfreie Weide. Auch der Standort sollte bedacht werden. Eine attraktive Falle soll Bremsen möglichst abfangen und nicht zusätzliche Tiere unmittelbar in den bevorzugten Aufenthaltsbereich der Pferde locken.
Fliegenfallen und biologische Fliegenkontrolle
Bei Stallfliegen und anderen Fliegenarten funktionieren andere Fallensysteme besser. Fangbehälter mit Lockstoffen und verschiedene Lichtfallen können helfen, die Zahl erwachsener Fliegen zu reduzieren. Auch Klebefallen sind ausgesprochen effektiv. Bei großflächigen Klebebändern oder anderen Fallen, an denen die Tiere lebend hängen bleiben und langsam verenden, stellt sich allerdings auch eine Tierschutzfrage. Nur weil ein Tier als lästig empfunden wird, muss nicht jede technisch mögliche Art seiner Bekämpfung gleichermaßen sinnvoll sein. Hinzu kommt, dass solche Fallen je nach Bauart auch andere Insekten erfassen können.
Noch wirkungsvoller kann es sein, bereits die Entwicklung der nächsten Generation zu begrenzen. Regelmäßiges Entfernen von Mist, feuchter Einstreu und Futterresten entzieht vielen Fliegenarten geeignete Entwicklungsplätze.
Eine besondere Form der biologischen Fliegenkontrolle sind Schlupfwespen. Dabei handelt es sich um sehr kleine parasitoide Wespen, die Fliegenpuppen aufsuchen und ihre eigenen Nachkommen darin entwickeln. Aus einer parasitierten Puppe entsteht anschließend keine erwachsene Fliege. Durch regelmäßiges Ausbringen können Schlupfwespen deshalb dazu beitragen, die Fliegenpopulation bereits vor dem Schlupf zu reduzieren.
Zecken regelmäßig absuchen
Während Fallen gegen Bremsen und Stallfliegen funktionieren können, lässt sich eine Zeckenpopulation rund um eine Pferdeweide kaum auf vergleichbare Weise kontrollieren. Umso wichtiger ist die Kontrolle direkt am Pferd.
Besonders nach Aufenthalten an Waldrändern, auf stärker bewachsenen Wegen, Trails oder Weiden mit hohem Bewuchs lohnt es sich, das Pferd gründlich abzusuchen. Zecken bevorzugen häufig geschützte Hautbereiche und können zunächst längere Zeit im Fell umherwandern, bevor sie sich festsetzen.
Bereits festgesaugte Zecken sollten möglichst zeitnah und vollständig entfernt werden. Dafür eignen sich Zeckenhaken, Zeckenzangen oder andere geeignete Hilfsmittel. Öl, Klebstoff oder andere Substanzen sollten nicht auf eine festgesaugte Zecke gegeben werden, um sie zum Loslassen zu bewegen.
Natürliche Gegenspieler unterstützen
Insekten stehen nicht isoliert in ihrer Umwelt. Sie sind Nahrung für zahlreiche andere Tiere und werden dadurch natürlicherweise reguliert. Libellen sind ein gutes Beispiel. Ihre Larven leben räuberisch im Wasser, während erwachsene Libellen andere fliegende Insekten erbeuten. Auch Fische fressen zahlreiche im Wasser lebende Entwicklungsstadien von Insekten. Frösche und andere Amphibien nutzen wiederum verschiedene Insekten als Nahrung.
Auch Wespen gehören zu den wichtigen Insektenjägern. Viele Arten erbeuten Fliegen und andere Insekten, um damit ihre Brut zu versorgen. Ein Wespennest in sicherer Entfernung zum unmittelbaren Aufenthaltsbereich der Pferde ist deshalb nicht automatisch etwas, das beseitigt werden muss.
Hinzu kommen Vögel wie Schwalben, Fledermäuse, Spinnen und zahlreiche weitere Räuber. Keine einzelne dieser Tiergruppen wird einen Pferdestall frei von Fliegen oder Mücken halten. Gemeinsam bilden sie jedoch ein Netz natürlicher Gegenspieler, das zur Regulation von Insektenpopulationen beiträgt.
Bei Zecken ist die Situation komplexer. Auch sie besitzen natürliche Feinde, ihre Populationsgröße wird jedoch stark durch Mikroklima, Vegetation und das Vorhandensein geeigneter Wirte beeinflusst. Ein einfacher biologischer Gegenspieler, mit dem sich Zecken rund um eine Pferdeweide gezielt kontrollieren ließen, steht deshalb nicht zur Verfügung.
Ein stabiles Ökosystem statt einer insektenfreien Umgebung
Natürliche Gegenspieler können einen starken Befall nicht immer verhindern. Sie machen aber deutlich, warum eine möglichst vollständige Vernichtung aller Insekten und anderer Gliederfüßer rund um den Pferdestall weder realistisch noch sinnvoll ist.
Wer beispielsweise jedes Gewässer als Mückenquelle betrachtet und beseitigt, entfernt möglicherweise gleichzeitig Lebensräume für Libellen, Amphibien und andere Räuber. Umgekehrt muss eine offene Regentonne ohne natürliche Gegenspieler nicht erhalten bleiben, nur weil Wasser grundsätzlich Lebensraum bedeutet. Auch Hecken und naturnahe Säume können Zecken Lebensraum bieten, sind gleichzeitig aber ökologisch wertvolle Strukturen.
Ein sinnvoller Mittelweg besteht darin, unnötige Brut- und Rückzugsplätze unmittelbar an stark genutzten Bereichen zu reduzieren, ohne deshalb die natürliche Umgebung des Stalls auszuräumen. Sauberes Stallmanagement, natürliche Gegenspieler, mechanischer Schutz und der gezielte Einsatz von Repellentien können sich dabei ergänzen.
Fazit
Einen einzigen perfekten Schutz vor den verschiedenen Plagegeistern gibt es nicht. Fliegen, Mücken, Bremsen, Gnitzen und Zecken unterscheiden sich zu stark in Lebensweise, Aktivitätszeit und Wirtssuche. Ein sinnvoller Schutz beginnt deshalb nicht mit der Frage nach dem stärksten Spray, sondern mit der Frage, welche Insekten oder Parasiten dem Pferd überhaupt Probleme bereiten und woher sie kommen.
Oft ist eine Kombination verschiedener Maßnahmen am wirkungsvollsten: angepasste Weidezeiten und Aufenthaltsorte, ein sauberes Stall- und Mistmanagement, mechanischer Schutz durch Decken oder Masken, regelmäßige Zeckenkontrollen und bei Bedarf ein geeignetes Repellent. Fallen und natürliche Gegenspieler können zusätzlich helfen, den Insektendruck in der Umgebung zu reduzieren. Insektizide und akarizide Präparate können bei stark betroffenen Pferden eine weitere Möglichkeit sein, müssen aber nicht zum routinemäßigen Schutz jedes Pferdes gehören.
