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Phytotherapie beim Pferd – Pflanzen für Haut, Juckreiz und Wundpflege

Die Haut ist beim Pferd weit mehr als nur eine äußere Hülle. Sie schützt vor Umweltreizen, reguliert Temperatur und Feuchtigkeit, beherbergt ein eigenes Mikrobiom und steht gleichzeitig in engem Austausch mit Immunsystem, Stoffwechsel und Nervenbahnen. Gerät dieses empfindliche Gleichgewicht aus der Balance, zeigt sich das häufig zuerst über die Haut: Juckreiz, schuppige Bereiche, nässende Stellen, Mauke, Sommerekzem, schlechte Wundheilung oder ein insgesamt empfindliches Hautbild gehören zu den typischen Reaktionen.

Gleichzeitig entstehen Hautprobleme beim Pferd nur selten isoliert. Darmflora, Verdauung, Leberstoffwechsel, Niere, Stresshormone und Zuckerstoffwechsel greifen eng ineinander und beeinflussen gemeinsam, wie stabil die Hautbarriere arbeitet und wie stark entzündliche oder immunologische Reaktionen ausfallen. Genau deshalb spielt die innere Unterstützung häufig eine wichtige Rolle – etwa über die Begleitung von Darm, Leber oder Stoffwechsel. Auf diese Zusammenhänge gehen wir ausführlich in unseren Artikeln zur Phytotherapie von Darm, Leber, Niere und Zuckerstoffwechsel sowie in unserer Verdauungsserie ein.

Hautpflege beim Pferd ist deshalb oft mehr als nur „etwas auf die Haut aufzutragen“. Gleichzeitig gehört die Haut zu den Bereichen, in denen Pflanzen äußerlich besonders traditionell und praxisnah eingesetzt werden. Anders als bei manchen inneren Stoffwechselthemen existiert hier eine jahrhundertelange Erfahrung mit pflanzlichen Waschungen, Salben, Gelen oder Tinkturen. Entscheidend ist jedoch, die Hautreaktion richtig einzuordnen. Denn trockene, rissige Haut benötigt völlig andere Unterstützung als nässende Hautbereiche, Mauke oder massiver Juckreiz.

Nicht jede Haut braucht dieselben Pflanzen

Trockene oder rissige Haut benötigt in erster Linie Unterstützung für Hautbarriere und Regeneration. Nässende Hautbereiche oder Mauke profitieren dagegen häufig eher von feuchtigkeitsregulierenden und hautschützenden Anwendungen. Bei Sommerekzem oder starkem Juckreiz stehen wiederum Beruhigung der Haut, Schutz vor weiterer Reizung und eine möglichst stabile Hautbarriere im Vordergrund. Genau deshalb ist bei Hautproblemen oft weniger die „stärkste“ Pflanze entscheidend, sondern vielmehr die Wahl der passenden Zubereitung und Anwendung für die jeweilige Hautsituation.

Äußere Pflanzenanwendungen gehören zu den ältesten Formen der Phytotherapie

Bei Hautproblemen werden Pflanzen seit Jahrhunderten nicht nur innerlich, sondern auch direkt äußerlich eingesetzt – etwa als Salben, Waschungen, Gele oder Tinkturen. Ziel ist dabei meist weniger eine „Heilung durch Kräuter“, sondern vielmehr die Unterstützung der natürlichen Hautbarriere, die Beruhigung gereizter Haut oder die Begleitung kleiner oberflächlicher Hautprobleme.

Zu den bekanntesten klassischen Hautpflanzen gehört Ringelblume. Ringelblumensalben werden traditionell bei trockener, gereizter oder oberflächlich verletzter Haut eingesetzt und gehören bis heute zu den am häufigsten verwendeten pflanzlichen Hautprodukten in der Pferdepflege.

Ebenfalls weit verbreitet ist Aloe vera. Aloe-Vera-Gele werden vor allem wegen ihrer feuchtigkeitsspendenden und kühlenden Eigenschaften genutzt und kommen häufig bei trockener, gespannter oder sonnengereizter Haut zum Einsatz.

Auch Kamille wird traditionell äußerlich verwendet – meist als verdünnte Waschung oder Tinktur zur Beruhigung empfindlicher Hautbereiche. Gleichzeitig gilt auch hier: Nicht jede Haut reagiert gleich. Bei häufiger Anwendung können empfindliche Tiere auf stark konzentrierte Kamillenpräparate oder ätherische Bestandteile sensibel reagieren.

Ergänzend findet man in einigen Hautsalben außerdem Propolis. Propolis ist streng genommen kein Kraut, sondern ein von Bienen erzeugtes Harzgemisch aus verschiedenen Pflanzenstoffen. In der Hautpflege wird es traditionell vor allem zum Schutz empfindlicher Hautbereiche und zur Begleitung kleiner oberflächlicher Hautprobleme eingesetzt. Zusätzlich werden Propolis antimikrobielle Eigenschaften zugeschrieben, die inzwischen auch wissenschaftlich untersucht wurden.

Salbe, Gel oder Tinktur – wo liegen die Unterschiede?

Nicht jede äußere Zubereitung passt zu jeder Hautsituation. Schon die Grundlage eines Hautprodukts beeinflusst, wie die Haut darauf reagiert und welche Wirkung im Vordergrund steht.

Klassische Salben besitzen meist eine eher fettige Grundlage, zum Beispiel aus Lanolin, Ölen oder Petrolatum. Sie schützen die Hautoberfläche vor Feuchtigkeitsverlust und werden deshalb häufig bei trockener, rissiger oder stark beanspruchter Haut eingesetzt. Gerade im Winter oder bei kleinen Scheuerstellen können solche Salben die Hautbarriere unterstützen. Typische Pflanzen in Salben sind vor allem Ringelblume oder Propolis.

Gele wirken dagegen meist leichter, kühlender und feuchtigkeitsspendender. Sie ziehen schneller ein und hinterlassen weniger Fettfilm auf der Haut. Bei gereizter, warmer oder sonnengestresster Haut werden deshalb häufig Gele eingesetzt – besonders mit Aloe vera.

Tinkturen oder Waschungen enthalten dagegen meist wasser- oder alkoholbasierte Pflanzenauszüge. Sie werden traditionell genutzt, um empfindliche Hautbereiche vorsichtig zu reinigen oder punktuell zu begleiten. Kamille wird häufig in Form verdünnter Waschungen eingesetzt. Gleichzeitig gilt besonders bei alkoholhaltigen Tinkturen: Nicht jede Haut verträgt jede Konzentration. Gereizte oder offene Haut kann auf stark konzentrierte Produkte empfindlich reagieren.

Bei Pferden gilt deshalb oft: Nicht das „stärkste“ Produkt ist automatisch die beste Wahl, sondern die Zubereitung, die am besten zur jeweiligen Hautsituation passt.

Weniger ist bei Hautpflege oft mehr

Bei Hautproblemen werden äußerliche Produkte häufig sehr großzügig oder in wechselnden Kombinationen eingesetzt. Dabei reagiert Pferdehaut oft empfindlicher, als viele Pferdehalter vermuten. Hochkonzentrierte ätherische Öle, aggressive Desinfektion oder ständig wechselnde Produkte können die Hautbarriere zusätzlich reizen.

Oft ist deshalb nicht die möglichst „starke“ Salbe entscheidend, sondern eine ruhige und konsequente Hautpflege, die die natürliche Hautbarriere unterstützt, statt sie dauerhaft zu überfordern. Gleichzeitig lohnt sich bei wiederkehrenden Hautproblemen fast immer auch ein Blick auf Fütterung und Verdauung. Eine dauerhaft unausgewogene Verdauung oder ein gestörtes Darmmilieu können Haut und Immunsystem langfristig mit beeinflussen.

Gute Hautpflege beginnt oft tiefer

So hilfreich pflanzliche Salben, Waschungen oder Hautgele sein können – viele Hautprobleme entstehen nicht ausschließlich an der Hautoberfläche. Chronischer Juckreiz, wiederkehrende Mauke, Sommerekzem oder schlechte Hautregeneration hängen häufig auch mit inneren Stoffwechselprozessen und einer dauerhaft belasteten Verdauung zusammen.

Gute Hautpflege bedeutet deshalb nicht nur, Symptome äußerlich zu behandeln, sondern immer auch zu verstehen, warum die Haut überhaupt reagiert. Genau deshalb lohnt sich bei chronischen Hautproblemen häufig auch ein Blick auf Darmgesundheit, Fütterung und Stoffwechselprozesse im gesamten Organismus.

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