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Phytotherapie beim Pferd – Pflanzen für Niere und Harnwege

Nachdem wir uns mit Darm, Darmflora und der Leber als zentrale Stoffwechselorgane beschäftigt haben, gehen wir nun einen biologischen Schritt weiter. Denn jedes Stoffwechselprodukt, das der Organismus erfolgreich verarbeitet, muss am Ende auch wieder sicher ausgeschieden werden. Neben Leber und Darm übernimmt dabei ein Organ täglich eine enorme Aufgabe, ohne dabei viel Aufmerksamkeit zu bekommen – die Niere.

Die Nieren des Pferdes filtern Tag und Nacht das Blut, regulieren Wasser- und Elektrolythaushalt, helfen bei der Kontrolle des Säure-Basen-Gleichgewichts und sorgen dafür, dass wasserlösliche Stoffwechselprodukte den Organismus sicher verlassen können. Harnstoff aus dem Eiweißstoffwechsel, Abbauprodukte von Hormonen, Mineralstoffüberschüsse, Stoffwechselzwischenprodukte oder Rückstände aus Medikamenten – all das kann früher oder später über die Nieren ausgeschieden werden.

Auch hier zeigt sich wieder ein zentrales Prinzip der Phytotherapie: Pflanzen denken nicht in Organen – sie wirken in biologischen Systemen. Und gerade bei der Niere wird besonders deutlich, wie eng verschiedene Stoffwechselwege miteinander verbunden sind.

Leber und Niere arbeiten Hand in Hand

Bei jedem Stoffwechselprozess im Körper des Pferdes entstehen Stoffwechselprodukte, die nach ihrer biologischen Aufgabe wieder ausgeschieden werden müssen. Was der Organismus nicht mehr benötigt, wird dabei Schritt für Schritt umgebaut, in möglichst unschädliche und ausscheidungsfähige Verbindungen überführt und schließlich sicher aus dem Körper geleitet. Auf diesem Weg arbeiten Leber und Niere nicht isoliert nebeneinander, sondern als fein abgestimmtes biologisches System Hand in Hand.

Während die Leber körperfremde Stoffe, überschüssige Hormone oder Stoffwechselprodukte zunächst chemisch verändert, wasserlöslich macht oder über die Galle in den Darm abgibt, übernimmt die Niere anschließend einen großen Teil der eigentlichen Feinarbeit. Sie filtert kontinuierlich das Blut, hält wichtige Moleküle zurück und sorgt dafür, dass wasserlösliche Stoffwechselprodukte den Organismus sicher über den Harn verlassen können.

Nach aktuellem wissenschaftlichen Stand gibt es beim Pferd keine bekannten Pflanzen, die die eigentliche Filterleistung der Niere direkt beeinflussen oder ihre physiologische Grundfunktion vergleichbar mit einer Leberpflanze gezielt unterstützen können. Was Pflanzen jedoch sehr wohl begleiten können, sind Flüssigkeitsumsatz, Harnbildung und die natürliche Durchspülung der ableitenden Harnwege.

Genau hier setzt die klassische Phytotherapie der Niere an.

Mehr Harnbildung – wenn Pflanzen die Ausscheidung begleiten

Viele klassische Nierenpflanzen wirken mild diuretisch. Das bedeutet nicht, dass sie die Niere „stärker machen“, sondern dass sie den Organismus dabei unterstützen können, mehr Flüssigkeit über den Urin auszuscheiden. Dadurch steigt häufig auch die Menge wasserlöslicher Stoffwechselprodukte, die den Körper verlassen.

Gerade nach längeren Stoffwechselbelastungen, eiweißreichen Rationen, saisonalen Futterumstellungen oder als Ergänzung in klassischen Stoffwechselkuren kann dieser Effekt interessant sein. Alles, was die Leber zuvor erfolgreich wasserlöslich gemacht hat oder bereits in wasserlöslicher Form im Stoffwechsel anfällt, wird früher oder später an die Niere weitergegeben und muss dort sicher ausgeschieden werden.

In der praktischen Arbeit zeigen sich jedoch noch weitere Situationen, in denen eine Unterstützung der Nierenausscheidung interessant sein kann. Manche Pferde mit chronischen Hautthemen, Sommerekzem oder wiederkehrendem Juckreiz wirken stoffwechselseitig oft so, als würde der Organismus zusätzliche Ausscheidungswege über die Haut nutzen. Auch wenn dieser Zusammenhang wissenschaftlich beim Pferd bislang nur begrenzt untersucht ist, beobachten viele Therapeuten, dass eine gezielte Unterstützung von Leber und Niere in solchen Phasen sinnvoll sein kann.

Ähnliches wird in der Praxis gelegentlich auch bei stoffwechselempfindlichen Pferden mit wiederkehrender Fühligkeit oder Hufrehe-Tendenzen beobachtet. Da hier jedoch zahlreiche Stoffwechsel-, Entzündungs- und Hormonprozesse ineinandergreifen, sollten Nierenkräuter in solchen Fällen niemals isoliert oder auf eigene Faust eingesetzt werden, sondern immer im Gesamtbild des Pferdes gemeinsam mit einem fachkundigen Therapeuten betrachtet werden.

Typische Pflanzen in hochwertigen Nierenmischungen sind Brennnessel, Birkenblätter, Ackerschachtelhalm, Goldrute oder Löwenzahn. Diese Pflanzen begleiten vor allem Flüssigkeitsumsatz, Harnbildung und die natürliche Ausscheidung über die Niere.

In komplexeren Rezepturen finden sich häufig jedoch noch weitere Pflanzen mit einem direkten Bezug zu Harnwegen und Blase. Wacholderbeeren gehören zu den kräftigeren klassischen Ausscheidungspflanzen und werden traditionell eingesetzt, um die Harnbildung zu begleiten. Heidekraut beziehungsweise Erikablüten werden seit langer Zeit in der europäischen Phytotherapie mit Harnwegen und Blasengesundheit in Verbindung gebracht. Brombeerblätter liefern wertvolle Gerbstoffe und können vor allem dann interessant sein, wenn neben der Ausscheidung auch Schleimhäute der ableitenden Harnwege begleitet werden sollen.

Gerade solche Mischungen zeigen erneut: Gute Phytotherapie setzt selten nur auf einen einzelnen Mechanismus, sondern kombiniert verschiedene Pflanzen, die sich in ihrer Wirkung sinnvoll ergänzen.

Brennnessel – einer der Klassiker der Nierenphytotherapie

Die Brennnessel gehört zu den bekanntesten Pflanzen im Bereich der Ausscheidungsunterstützung. Sie liefert nicht nur Kalium, Kieselsäure, Chlorophyll und zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, sondern wird traditionell vor allem wegen ihrer mild harntreibenden Eigenschaften eingesetzt.

Gerade in Übergangszeiten, bei klassischen Frühjahrs- oder Herbstkuren oder nach längeren Stoffwechselbelastungen findet man Brennnessel deshalb in vielen hochwertigen Kräutermischungen für Pferde.

Birke, Goldrute und Ackerschachtelhalm – wenn Pflanzen den Flüssigkeitsumsatz begleiten

Auch Birkenblätter, Goldrute und Ackerschachtelhalm gehören zu den klassischen Pflanzen für Niere und Harnwege. Sie werden traditionell eingesetzt, um den Flüssigkeitsumsatz zu begleiten und die natürliche Durchspülung der Harnwege zu unterstützen.

Darüber hinaus enthalten diese Pflanzen Flavonoide, Kieselsäure, Polyphenole und weitere sekundäre Pflanzenstoffe, die antioxidative oder entzündungsmodulierende Eigenschaften besitzen können. Gerade hier zeigt sich wieder: Pflanzen wirken selten nur an einer einzigen Stelle.

Nierenpflanzen entgiften nicht – sie begleiten Ausscheidung

Ein Begriff, der im Zusammenhang mit Nierenkräutern häufig auftaucht, ist „Entgiftung“. Biologisch ist dieser Begriff jedoch oft zu vereinfacht. Die eigentliche biochemische Entgiftung findet überwiegend in der Leber statt. Die Niere übernimmt anschließend vor allem die Aufgabe, bereits wasserlösliche Stoffe sicher aus dem Organismus zu entfernen.

Nierenpflanzen „entgiften“ deshalb nicht im eigentlichen Sinne. Sie können jedoch helfen, bestehende Ausscheidungswege zu begleiten, Flüssigkeitsumsatz und Harnbildung zu unterstützen und dadurch den Abtransport bereits verarbeiteter Stoffwechselprodukte zu fördern.

Gerade im Zusammenspiel mit Leber, Haut, Hufen und Stoffwechsel wird deutlich, warum Pflanzen niemals nur in einzelnen Organen wirken – sondern immer Teil eines größeren biologischen Systems sind.

Achtung: Mehr Ausscheidung ist nicht immer besser

So wertvoll Nierenpflanzen sein können – mehr Harnbildung bedeutet nicht automatisch mehr Gesundheit. Jeder zusätzliche Flüssigkeitsverlust verändert auch Elektrolythaushalt, Mineralstoffverteilung und Wasserbedarf des Organismus.

Gerade bei heißen Sommertagen, stark schwitzenden Pferden, älteren Pferden, Pferden mit eingeschränkter Trinkaufnahme oder bereits bestehenden Nierenproblemen sollten stark harntreibende Pflanzen deshalb nicht pauschal und nicht über längere Zeit eingesetzt werden.

Bestehen auffällige Nierenwerte, wiederkehrende Ödeme, ungeklärte Leistungseinbrüche oder chronische Stoffwechselprobleme, sollte eine gezielte Unterstützung von Niere und Harnwegen immer gemeinsam mit einem fachkundigen Therapeuten erfolgen. Denn auch hier gilt: Nicht jedes Pferd braucht mehr Ausscheidung – manchmal braucht der Organismus zunächst mehr Stabilität.

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