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Phytotherapie beim Pferd – Pflanzen für Gelenke, Beweglichkeit und Arthrose

Der Bewegungsapparat des Pferdes ist ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Gelenken, Knorpel, Sehnen, Bändern, Faszien und Muskulatur. Damit Bewegungen geschmeidig und belastbar bleiben, müssen all diese Strukturen dauerhaft miteinander arbeiten und gleichzeitig enorme Kräfte abfangen. Besonders Gelenke stehen dabei unter ständiger Belastung. Sie tragen Gewicht, federn Bewegungen ab und ermöglichen überhaupt erst die große Beweglichkeit des Pferdes.

Anders als viele Pferdehalter vermuten, wird Gelenkknorpel nicht direkt über Blutgefäße versorgt. Stattdessen erfolgt die Ernährung des Knorpels hauptsächlich über die Gelenkflüssigkeit. Bewegung wirkt dabei wie eine natürliche Pumpe: Druck und Entlastung sorgen dafür, dass Nährstoffe in den Knorpel gelangen und Stoffwechselprodukte wieder abtransportiert werden. Genau deshalb ist regelmäßige Bewegung für Gelenke so wichtig. Längere Schonung verschlechtert häufig die Beweglichkeit, während angepasste Bewegung viele Pferde deutlich lockerer und belastbarer hält.

Mit zunehmendem Alter, hoher Belastung oder länger bestehenden Fehlbelastungen können sich jedoch chronische Veränderungen entwickeln. Dazu gehören Verschleißprozesse am Knorpel, Veränderungen der Gelenkkapsel, Entzündungsreaktionen oder eine dauerhaft erhöhte Empfindlichkeit des Bewegungsapparates. Viele Pferde zeigen dann typische Symptome wie Anlaufschwierigkeiten, Steifheit, Wetterfühligkeit, eingeschränkte Beweglichkeit oder verlängerte Regenerationszeiten nach Belastung.

Arthrose ist mehr als nur „Verschleiß“

Lange Zeit wurde Arthrose vor allem als mechanischer Verschleiß betrachtet. Heute weiß man, dass deutlich mehr Prozesse beteiligt sind. Chronische Entzündungsreaktionen, oxidativer Stress, Veränderungen im Gelenkstoffwechsel und dauerhafte Überlastungen beeinflussen gemeinsam, wie stark sich Gelenkprobleme entwickeln.

Gleichzeitig reagiert der Bewegungsapparat des Pferdes immer als Gesamtsystem. Schmerzen verändern Bewegungsmuster, verspannte Muskulatur verändert die Belastung von Gelenken und Schonhaltungen führen oft zu neuen Problemen in anderen Bereichen. Genau deshalb greifen hochwertige Gelenkprodukte häufig nicht nur an einer einzelnen Stelle an, sondern kombinieren verschiedene Pflanzenstoffe mit unterschiedlichen Wirkprinzipien.

Teufelskralle – der Klassiker für ältere und steife Pferde

Zu den bekanntesten Pflanzen für den Bewegungsapparat gehört Teufelskralle. Sie wird seit vielen Jahren bei älteren Pferden, Steifheit, wetterfühligen Pferden oder chronischen Belastungen des Bewegungsapparates eingesetzt und gehört heute zu den etabliertesten Gelenkpflanzen in der Pferdephytotherapie.

Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die sogenannten Harpagoside. Diese sekundären Pflanzenstoffe wurden in Zusammenhang mit entzündungsbegleitenden Prozessen und Gelenkstoffwechsel untersucht. Ziel ist dabei nicht, Schmerzen einfach „abzuschalten“, sondern vielmehr chronische Reizzustände im Bewegungsapparat zu begleiten. Gerade ältere Pferde wirken unter Teufelskralle deshalb häufig lockerer, bewegungsfreudiger und kommen leichter „in Gang“.

Gleichzeitig gilt auch hier: Nicht jedes Pferd verträgt jede Pflanze gleich gut. Bei magenempfindlichen Pferden oder bereits bestehenden Magenschleimhautproblemen sollte Teufelskralle vorsichtig eingesetzt werden. Diskutiert wird, dass bestimmte Inhaltsstoffe empfindliche Mägen zusätzlich belasten können – insbesondere bei Pferden mit bereits erhöhter Magensäureproblematik oder bestehenden Magenentzündungen.

Weihrauch, Ingwer und Kurkuma – Pflanzen mit Bezug zu Entzündungsprozessen

Auch Weihrauch gehört zu den traditionellen Pflanzen im Bereich chronischer Gelenkbelastungen. Besonders die sogenannten Boswelliasäuren wurden intensiv in Zusammenhang mit Entzündungsprozessen untersucht. Diskutiert wird unter anderem ein Einfluss auf bestimmte Entzündungsbotenstoffe, die bei chronischen Reizzuständen des Bewegungsapparates eine Rolle spielen.

Ähnlich wird auch Ingwer betrachtet. Ingwer enthält verschiedene Scharfstoffe wie Gingerole und Shogaole, die ebenfalls im Zusammenhang mit entzündungsbegleitenden Prozessen untersucht wurden. Gleichzeitig wird Ingwer traditionell auch wegen seiner wärmenden Eigenschaften geschätzt. Nicht jedes Pferd verträgt jedoch größere Mengen gleich gut, da scharfe Pflanzen bei empfindlichen Tieren den Verdauungstrakt reizen können.

Ebenfalls häufig in modernen Gelenk- oder Stoffwechselprodukten zu finden ist Kurkuma. Besonders der Inhaltsstoff Curcumin wird intensiv im Zusammenhang mit entzündungsbegleitenden Prozessen untersucht. Die meisten Erkenntnisse stammen jedoch bislang aus der Humanmedizin oder Laborforschung. Die wissenschaftliche Datenlage beim Pferd ist dagegen bislang vergleichsweise dünn. Gleichzeitig scheint Kurkuma nicht von jedem Pferd gleich gut vertragen zu werden – insbesondere empfindliche oder stoffwechselbelastete Pferde reagieren teilweise sensibel auf stark stoffwechselaktive Pflanzen.

Hagebutte – Unterstützung für Gelenke und Regeneration

Ebenfalls häufig in Gelenkmischungen zu finden ist Hagebutte. Hagebutten enthalten unter anderem Polyphenole, antioxidative Pflanzenstoffe und sogenannte Galaktolipide, die in Zusammenhang mit Bewegungsapparat und Regeneration untersucht wurden.

Vor allem ältere Pferde oder Pferde mit längeren Belastungsphasen erhalten Hagebutte häufig begleitend zur allgemeinen Unterstützung von Stoffwechsel und Beweglichkeit. Gleichzeitig zeigt sich auch hier wieder ein typisches Muster moderner Phytotherapie: Viele Pflanzen wirken nicht nur auf ein einzelnes Organ oder Gewebe, sondern begleiten verschiedene biologische Systeme gleichzeitig.

Nicht jedes steife Pferd hat Arthrose

So wichtig Gelenke sind – nicht jede Bewegungsstörung entsteht automatisch im Gelenk selbst. Auch verspannte Muskulatur, Faszien, Hufe, Zähne, schlecht sitzendes Equipment oder Stoffwechselprobleme können dazu führen, dass Pferde sich fest, steif oder unwillig bewegen.

Gerade deshalb sollte Bewegungsphytotherapie niemals isoliert betrachtet werden. Pflanzen können den Bewegungsapparat begleiten, ersetzen jedoch keine Ursachenforschung. Besonders bei deutlicher Lahmheit, akuten Schmerzen oder länger bestehenden Problemen sollte immer gemeinsam mit Tierarzt, Osteopath oder anderem fachkundigen Therapeuten nach der eigentlichen Ursache gesucht werden.

Bewegung bleibt die wichtigste Gelenkpflege

So interessant pflanzliche Unterstützung auch sein kann – die wichtigste „Therapie“ für Gelenke bleibt beim Pferd weiterhin angepasste Bewegung. Gelenkknorpel braucht regelmäßige Belastung, Muskulatur stabilisiert den Bewegungsapparat und Bewegung verbessert die Versorgung vieler Gewebe überhaupt erst.

Phytotherapie kann hier begleiten und unterstützen. Die Grundlage eines gesunden Bewegungsapparates bleibt jedoch immer ein Zusammenspiel aus Haltung, Bewegung, Hufbearbeitung, Training, Stoffwechsel und individuell passender Belastung.

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