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Phytotherapie beim Pferd – Pflanzen für Herz, Kreislauf und Durchblutung

Das Herz-Kreislauf-System arbeitet beim Pferd rund um die Uhr – meist völlig unbemerkt. Mit jedem Herzschlag wird sauerstoffreiches Blut durch Arterien, feinste Kapillaren und Venen bis in Muskeln, Organe, Nerven und Schleimhäute transportiert. Gleichzeitig werden Stoffwechselprodukte, Kohlendioxid und überschüssige Wärme wieder aus dem Gewebe abtransportiert. Damit dieser Kreislauf zuverlässig funktioniert, müssen Herzmuskel, Blutgefäße, Blutvolumen, Elektrolyte und das vegetative Nervensystem in jedem Moment fein aufeinander abgestimmt arbeiten. Solange dieses System stabil läuft, fällt es kaum auf. Gerät diese Regulation jedoch aus dem Gleichgewicht, sprechen wir vereinfacht von einer Kreislaufschwäche. Gemeint ist damit nicht automatisch ein krankes Herz. Häufig geht es vielmehr darum, dass Herz, Gefäße und vegetatives Nervensystem bestimmte Belastungen nicht mehr so flexibel ausgleichen können wie früher.

Damit Muskeln, Organe und Gehirn jederzeit zuverlässig arbeiten können, müssen sie konstant mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden. Dazu muss das Herz genügend Blut durch den Körper pumpen, während sich Blutgefäße je nach Belastung, Außentemperatur oder Stress erweitern oder wieder zusammenziehen. Gleichzeitig überwacht das vegetative Nervensystem permanent Herzfrequenz, Blutdruck, Flüssigkeitshaushalt, Temperaturregulation und Belastungszustand. Kommt dieses fein abgestimmte System an seine Grenzen, kann die Versorgung einzelner Gewebe vorübergehend weniger effizient werden. Muskeln ermüden schneller, Regeneration dauert länger, Temperaturwechsel werden schlechter kompensiert und Pferde wirken insgesamt weniger belastbar. Gerade ältere Pferde oder Pferde mit längeren Belastungsphasen fallen dann häufig durch ein langsameres „In-Gang-Kommen“, matte Ausstrahlung, verzögerte Erholung oder wetterabhängige Leistungsschwankungen auf.

Auch hier gilt wieder: Pflanzen denken nicht in Organen – sie wirken in biologischen Systemen. Und gerade beim Herz-Kreislauf-System gibt es in der europäischen Phytotherapie seit Jahrhunderten eine Pflanze, die dabei eine besondere Stellung einnimmt: Weißdorn.

Weißdorn – der Klassiker für Herz und Durchblutung

Weißdorn gehört zu den bekanntesten Herzpflanzen Europas und wird seit langer Zeit eingesetzt, wenn Herz, Gefäße und Durchblutung Unterstützung benötigen. Anders als viele andere Kräuter greift Weißdorn nicht nur an einer einzelnen Stelle an, sondern begleitet mehrere Bereiche des Herz-Kreislauf-Systems gleichzeitig. Seine Flavonoide und oligomeren Procyanidine werden traditionell mit einer verbesserten Durchblutung des Herzmuskels, einer besseren Sauerstoffversorgung des Gewebes, einer Unterstützung der Gefäßelastizität sowie einem antioxidativen Schutz empfindlicher Herzmuskelzellen in Verbindung gebracht. Gerade deshalb findet Weißdorn bis heute sowohl in der Humanphytotherapie als auch in hochwertigen Pferdemischungen seinen festen Platz.

In der Praxis fällt Weißdorn selten bei akuten Erkrankungen auf, sondern vielmehr in biologischen Situationen, in denen Herz und Kreislauf dauerhaft etwas mehr Unterstützung gebrauchen können. Gerade ältere Pferde zeigen häufig ein längeres Aufwärmen, langsamere Regeneration nach Belastung oder wirken insgesamt weniger „motorisiert“ als in jüngeren Jahren. Auch Pferde, die empfindlich auf Wetterumschwünge, schwülwarme Sommertage, fallenden Luftdruck oder schnelle Temperaturwechsel reagieren, können phasenweise kreislauflabil wirken. Manche Pferde erscheinen dann müde, antriebslos oder brauchen deutlich länger, bis sie körperlich und mental „ankommen“.

Andere Pferde zeigen eher indirekte Kreislaufzeichen. Dazu gehören angelaufene Beine nach längeren Stehphasen, die sich durch Bewegung wieder deutlich verbessern, verlangsamte Erholung nach Belastung oder eine insgesamt trägere Durchblutung des Gewebes. Auch nach längeren Belastungsphasen, Infekten, Rekonvaleszenz oder Trainingspausen kann das Herz-Kreislauf-System vorübergehend mehr Zeit brauchen, um wieder in seinen gewohnten Rhythmus zu finden. In schweren Fällen können Kreislaufprobleme beim Pferd sogar bis in Richtung einer Kreislaufkolik reichen, bei der die Versorgung innerer Organe vorübergehend aus dem Gleichgewicht gerät.

Ein weiterer wichtiger Bereich ist chronischer Stress. Dauerhaft erhöhte Stresshormone beeinflussen nicht nur Muskelspannung, Verdauung und Regeneration, sondern verändern auch Herzfrequenz, Gefäßspannung und Sauerstoffverbrauch des Gewebes. Gerade bei sensiblen Pferden, die dauerhaft „unter Strom“ stehen, kann Weißdorn deshalb auch als Teil eines ganzheitlichen Stress- und Kreislaufmanagements interessant sein.

Besonders interessant ist dabei, dass Weißdorn in der Phytotherapie nicht als klassischer „Kreislauf-Antreiber“ gilt. Vielmehr wird er seit Jahrhunderten eher als regulierende Herzpflanze beschrieben, die Herz, Gefäße und Durchblutung in ihrer natürlichen Anpassungsfähigkeit begleiten kann – unabhängig davon, ob der Organismus eher zu träger Belastbarkeit oder zu stressbedingter vegetativer Überreaktion neigt.

L-Carnitin – wenn Herzmuskelzellen mehr Energie benötigen

Neben pflanzlichen Ansätzen findet man in hochwertigen Ergänzungen für ältere oder kreislaufsensible Pferde gelegentlich auch L-Carnitin. L-Carnitin ist kein Kraut, ergänzt Weißdorn jedoch auf interessante Weise. Während Weißdorn eher Durchblutung, Gefäße und die Versorgung des Herzmuskels begleitet, spielt L-Carnitin eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel der Muskelzellen. Gerade Herzmuskelzellen gewinnen einen großen Teil ihrer Energie aus Fettsäuren. L-Carnitin hilft dabei, diese Fettsäuren in die Mitochondrien zu transportieren, wo daraus Energie gewonnen werden kann. Gerade bei älteren Pferden, längeren Rekonvaleszenzphasen oder Pferden mit nachlassender Belastbarkeit kann diese Kombination deshalb interessant sein.

Nicht jede Kreislaufschwäche ist ein Kräuterthema

So wertvoll Weißdorn sein kann – Herz und Kreislauf werden nicht allein durch Kräuter leistungsfähiger. Regelmäßige Bewegung, Muskelarbeit, gute Atemwegsfunktion, ausreichende Flüssigkeitsversorgung und ein stabiler Elektrolythaushalt bleiben die wichtigsten Grundlagen eines gesunden Kreislaufs. Phytotherapie kann hier begleiten – sie ersetzt jedoch keine Bewegung.

Zeigt ein Pferd auffällige Leistungseinbrüche, Atemnot, wiederkehrende Ödeme, starkes Schwitzen ohne Belastung, ungewöhnlich lange Regenerationszeiten oder andere auffällige Kreislaufsymptome, sollte immer zuerst die Ursache geklärt werden. Auch hier gilt: Phytotherapie kann Systeme begleiten – die eigentliche Ursache sollte jedoch immer gemeinsam mit einem fachkundigen Therapeuten oder Tierarzt betrachtet werden.

Beratungsleistungen
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