Foto zum Thema

Phytotherapie beim Pferd – Pflanzen für Nerven, Stress und innere Ruhe

Pferde sind Fluchttiere. Ihr Nervensystem ist darauf ausgelegt, Umweltreize in Sekundenbruchteilen zu erfassen, zu bewerten und im Zweifel sofort zu reagieren. Genau dieses hoch sensible Warnsystem hat Pferden über Jahrtausende das Überleben gesichert – und sorgt bis heute dafür, dass selbst kleine Veränderungen im Alltag eine deutliche körperliche Reaktion auslösen können.

Ein Stallwechsel, neue Herdenmitglieder, Transport, Turniere, Trennung vom Herdenpartner oder das jährliche Silvesterfeuerwerk – all diese Reize werden zunächst im Nervensystem verarbeitet. Der Körper aktiviert daraufhin innerhalb weniger Sekunden die sogenannte Stressachse. Adrenalin und Noradrenalin erhöhen Aufmerksamkeit, Muskelspannung und Herzfrequenz, während zeitversetzt auch das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet wird. Kurzfristig ist das sinnvoll, denn der Organismus wird leistungsbereit, reaktionsschnell und wach.

Problematisch wird Stress erst dann, wenn diese Systeme nicht mehr vollständig zur Ruhe kommen. Dauerstress kann Verdauung, Immunsystem, Schlafqualität, Muskelspannung, Regeneration und sogar die Reizverarbeitung selbst verändern. Genau auf diese Zusammenhänge gehen wir ausführlich in unserer Stress-Serie ein.

Beruhigung bedeutet nicht Sedierung

Phytotherapeutische Beruhigungskräuter „schalten“ ein Pferd nicht einfach ab. Gute Nervenpflanzen arbeiten deutlich feiner. Sie begleiten das Nervensystem dabei, überschießende Reaktionen besser zu regulieren, innere Anspannung zu reduzieren und nach Belastungen wieder leichter in einen ausgeglicheneren Zustand zurückzufinden.

Gerade sensible Pferde, junge Pferde in neuen Situationen, rangniedrige Herdenmitglieder oder Pferde mit dauerhaft hoher Umweltwahrnehmung können von solchen Pflanzen profitieren. Auch bei vorhersehbaren Stresssituationen wie Transport, Stallwechsel, Tierarztbesuchen oder Feuerwerk werden entsprechende Mischungen häufig eingesetzt.

Gute Beruhigungsmischungen arbeiten auf mehreren Ebenen

Auch bei Beruhigungskräutern werden hochwertige Mischungen nicht zufällig zusammengestellt. Sie folgen bestimmten Wirkprinzipien und kombinieren Pflanzen, die sich im Nervensystem, in der Reizverarbeitung oder in der körperlichen Stressregulation sinnvoll ergänzen.

Pflanzen wie Melisse, Hopfen und Baldrianwurzel werden traditionell eingesetzt, wenn innere Unruhe, erhöhte Wachsamkeit oder eine dauerhaft hohe Grundanspannung im Vordergrund stehen. Sie begleiten vor allem das vegetative Nervensystem und werden häufig dann eingesetzt, wenn Pferde äußerlich zwar ansprechbar bleiben, innerlich jedoch dauerhaft „unter Strom“ stehen.

Pflanzen wie Passionsblume, Lavendelblüten oder Eisenkraut kommen häufig dann zum Einsatz, wenn Pferde Umweltreize besonders intensiv wahrnehmen, schnell überfordert wirken oder nach neuen Situationen nur schwer wieder in ihre innere Balance zurückfinden. Gerade bei Transport, Stallwechsel, Turnieren oder vorhersehbaren Stresssituationen gehören solche Pflanzen seit langer Zeit zu klassischen Begleitern der Nervenphytotherapie.

Zeigt sich Stress dagegen stärker körperlich – zum Beispiel über Bauchspannung, festgehaltene Muskulatur oder einen empfindlichen Verdauungstrakt – wird häufig auch Kamille eingesetzt, die Nervensystem und Verdauung gleichzeitig begleiten kann.

Eine besondere Stellung nimmt Johanniskraut ein. Johanniskraut gehört zu den bekanntesten europäischen Nervenpflanzen und wird traditionell eingesetzt, wenn Pferde über längere Zeit unter hoher nervlicher Belastung stehen, sich nur schwer regulieren können oder dauerhaft „über Spannung“ wirken. Seine Inhaltsstoffe werden mit der Regulation zentraler Botenstoffsysteme in Verbindung gebracht und machen Johanniskraut gerade bei länger anhaltenden Stresssituationen phytotherapeutisch interessant.

Gleichzeitig ist Johanniskraut eine Pflanze, die nicht unkritisch eingesetzt werden sollte. Sie kann die Lichtempfindlichkeit erhöhen und Stoffwechselprozesse beeinflussen. Gerade bei hellen Pferden, intensiver Sonneneinstrahlung oder bei Pferden mit komplexen Stoffwechselthemen sollte der Einsatz deshalb immer gut abgewogen werden.

Nicht jede Nervosität ist ein Kräuterthema

So hilfreich Beruhigungskräuter sein können – nicht jede Unruhe entsteht im Nervensystem allein. Schmerzen, Magenthemen, Atemwegsprobleme, soziale Konflikte, Trainingsfehler oder orthopädische Einschränkungen können sich ebenfalls als Nervosität zeigen.

Bleibt ein Pferd dauerhaft angespannt, schreckhaft oder schlecht regulierbar, sollte deshalb immer gemeinsam mit einem fachkundigen Therapeuten geprüft werden, ob wirklich Stress die Ursache ist – oder ob der Körper an anderer Stelle Hilfe benötigt.

Beratungsleistungen
Sie möchten die Fütterung Ihres Pferdes optimieren, eine osteopathische Behandlung in Anspruch nehmen oder Ihre Weide bzw. Ihren Offenstall gezielt verbessern? Gerne unterstütze ich Sie dabei mit Erfahrung und Fachwissen. Kontaktieren Sie mich telefonisch unter 0177/2164334 oder 06106/2593086 oder per E-Mail an mw@tier-in-balance.com. Ich freue mich darauf, Sie und Ihr Pferd kennenzulernen.
Tipps & Tricks rund um die Pferdefütterung
Regelmäßig als E-Mail in Ihrem Postfach

Wir verwenden Ihre E-Mail-Adresse ausschließlich für den Versand unseres Newsletters. Eine Weitergabe an Dritte außerhalb der Versendung ist nicht geplant. Ausführlichere Informationen finde Sie in unserer Datenschutzbestimmung .