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Stroh in der Pferdefütterung – Nutzen, Risiken und Unterschiede

Für viele Pferdehalter gehört Stroh in erster Linie in die Box oder den Offenstall. Tatsächlich wird Stroh jedoch seit Jahrhunderten nicht nur als Einstreu, sondern auch als Futter genutzt. Besonders bei leichtfuttrigen Pferden, Robustrassen oder Pferden mit Übergewicht spielt es in vielen Fütterungskonzepten eine wichtige Rolle.

Gleichzeitig wird kaum ein Futtermittel so unterschiedlich bewertet wie Stroh. Die einen betrachten es als sinnvolle Beschäftigung und Möglichkeit, die Fresszeit zu verlängern. Andere sehen vor allem das Risiko von Verstopfungen, Koliken oder Magenproblemen. Wie so oft liegt die Wahrheit dazwischen. Stroh ist weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht – entscheidend sind Menge, Qualität, Bewegung und die individuelle Situation des Pferdes.

Was unterscheidet Stroh von Heu?

Auf den ersten Blick wirken Heu und Stroh ähnlich. Beide bestehen überwiegend aus getrockneten Pflanzenfasern und werden in Ballen gelagert. Biologisch betrachtet handelt es sich jedoch um völlig unterschiedliche Futtermittel.

Heu besteht aus getrockneten Gräsern und Kräutern. Es enthält neben den Halmen auch Blätter und junge Pflanzenteile, die vergleichsweise gut verdaulich sind und Energie, Eiweiß sowie zahlreiche weitere Nährstoffe liefern.

Stroh entsteht dagegen erst nach der Getreideernte. Es handelt sich um die verbleibenden Halme von Weizen, Hafer, Gerste oder anderen Getreidearten, nachdem die Körner geerntet wurden. Diese Halme enthalten deutlich weniger Energie und Eiweiß als Heu. Gleichzeitig ist ihr Anteil an Lignin wesentlich höher.

Lignin gehört zu den pflanzlichen Gerüststoffen und zählt zu den Ballaststoffen. Es verleiht den Halmen Stabilität und sorgt dafür, dass sie von den Darmmikroben nur sehr eingeschränkt abgebaut werden können. Dadurch wird Stroh insgesamt deutlich schlechter verdaut als Heu. Genau dieser hohe Anteil an schwer verdaulichen Ballaststoffen macht Stroh aber gleichzeitig für viele Fütterungskonzepte interessant: Es liefert Beschäftigung und Struktur, ohne große Mengen an Energie bereitzustellen.

Stroh verändert die Verdauung

Die besondere Faserstruktur von Stroh beeinflusst die Verdauung auf mehreren Ebenen. Durch die harte und ligninreiche Struktur muss Stroh intensiver gekaut werden als viele Heusorten. Das verlängert die Fresszeit und fördert die Speichelbildung.

Gleichzeitig verbleiben die schwer verdaulichen Fasern länger im Dickdarm. Hinzu kommt, dass die langen und festen Halme die Passage des Darminhalts zusätzlich verlangsamen können. In moderaten Mengen kann dies durchaus erwünscht sein, da die Pferde länger beschäftigt sind und Fresspausen verkürzt werden.

Werden jedoch große Mengen Stroh aufgenommen, während gleichzeitig Bewegung oder Wasseraufnahme fehlen, kann genau dieser Effekt problematisch werden. Besonders die Kombination aus viel Stroh, zu wenig Bewegung und unzureichender Flüssigkeitsaufnahme erhöht das Risiko für Verstopfungen im Darm.

Nicht jedes Pferd verträgt Stroh gleich gut

Pferde unterscheiden sich erheblich darin, wie gut sie größere Mengen Stroh verwerten können. Viele robuste Rassen wie Islandpferde, Haflinger, Fjordpferde oder zahlreiche Ponyrassen kommen mit Strohanteilen oft deutlich besser zurecht als hochblütige oder sehr empfindliche Pferde.

Auch Alter, Zahnstatus und allgemeine Darmgesundheit spielen eine wichtige Rolle. Pferde mit eingeschränkter Kauleistung können die harten Halme häufig nicht mehr ausreichend zerkleinern. Dadurch steigt das Risiko, dass größere Faserbestandteile in den Dickdarm gelangen. Ebenso sollte bei Pferden mit bekannten Verdauungsproblemen oder einer Vorgeschichte von Verstopfungskoliken besonders vorsichtig vorgegangen werden.

Stroh ist deshalb kein Futtermittel, das sich pauschal für jedes Pferd gleichermaßen eignet.

Was ist eine Strohkolik?

Wenn von Strohkoliken gesprochen wird, ist meist eine Form der Verstopfungskolik gemeint. Dabei sammeln sich größere Mengen trockenen, faserreichen Materials im Darm an und können die normale Passage behindern.

Eine solche Situation entsteht jedoch selten allein durch das Stroh. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen: hohe Strohmengen, unzureichendes Kauen, zu geringe Wasseraufnahme und Bewegungsmangel. Besonders die Kombination aus viel Stroh und zu wenig Bewegung gilt als wichtiger Risikofaktor.

Stroh verursacht daher nicht automatisch eine Kolik. Es kann unter ungünstigen Bedingungen jedoch zu einem zusätzlichen Risikofaktor werden. Besonders gefährdet sind ältere Pferde, Pferde mit Zahnproblemen oder Tiere, die generell wenig trinken.

Schimmel – beim Stroh oft unterschätzt

Während die Qualität von Heu meist kritisch beurteilt wird, wird Stroh häufig weniger sorgfältig kontrolliert. Dabei gelten für Stroh grundsätzlich die gleichen Anforderungen wie für Heu: Es sollte trocken, sauber, staubarm und frei von Schimmel sein.

Ein wichtiges Warnsignal sind dunkel verfärbte oder schwarz gefärbte Bereiche innerhalb der Halme oder Ballen. Solche Verfärbungen können auf starken Schimmelbefall hinweisen. Problematisch ist dabei, dass Stroh häufig bereits auf dem Feld geschädigt wird. Feuchte Witterung kurz vor der Ernte kann dazu führen, dass Pilze die Halme schon vor dem Pressen besiedeln.

Gerade weil viele Pferdehalter Stroh hauptsächlich als Einstreu betrachten, wird dieser Aspekt oft unterschätzt. Frisst ein Pferd regelmäßig von seiner Einstreu, wird die Qualität des Strohs jedoch unmittelbar zu einem Fütterungsthema.

Die verschiedenen Stroharten

Nicht jedes Stroh ist gleich. Die einzelnen Getreidearten unterscheiden sich in Struktur, Schmackhaftigkeit und Eignung für die Pferdefütterung.

Weizenstroh wird am häufigsten verwendet. Es ist gut verfügbar, wird von vielen Pferden gerne gefressen und eignet sich sowohl als Einstreu als auch in begrenzten Mengen zur Fütterung.

Haferstroh gilt als besonders schmackhaft und wird von vielen Pferden bevorzugt aufgenommen. Allerdings ist es deutlich schwieriger zu beschaffen als Weizenstroh und deshalb nicht überall verfügbar.

Gerstenstroh besitzt oft härtere Halme und kann je nach Sorte noch vorhandene Grannenreste enthalten. Daher wird es in der Pferdefütterung meist zurückhaltender eingesetzt.

Roggenstroh spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Es besitzt eine geringere Saugfähigkeit als andere Strohsorten und wird deshalb auch als Einstreu deutlich seltener verwendet.

Stroh als Einstreu

Als Einstreu bietet Stroh zahlreiche Vorteile. Es ist vergleichsweise kostengünstig, ermöglicht den Pferden Beschäftigung und wird von vielen Pferden gerne angenommen. Gleichzeitig kann es die natürlichen Fresszeiten verlängern und damit zur Beschäftigung beitragen.

Auf der anderen Seite führt genau diese Eigenschaft dazu, dass einige Pferde erhebliche Mengen ihrer Einstreu aufnehmen. Besonders leichtfuttrige Pferde oder Pferde mit begrenztem Raufutterangebot können dadurch deutlich mehr Stroh fressen als eigentlich vorgesehen.

Ob Stroh als Einstreu sinnvoll ist, hängt daher nicht nur von Stallmanagement und Verfügbarkeit ab, sondern immer auch vom jeweiligen Pferd.

Fazit

Stroh sollte nicht als „schlechteres Heu“ betrachtet werden. Es handelt sich um ein eigenständiges Futtermittel mit besonderen Eigenschaften, das andere Anforderungen an Verdauung, Wasseraufnahme und Management stellt als Heu.

Sein hoher Gehalt an schwer verdaulichen Ballaststoffen kann die Fresszeit verlängern und die Energieaufnahme begrenzen. Gleichzeitig reagieren Pferde sehr unterschiedlich auf größere Strohmengen. Qualität, Bewegung, Wasseraufnahme und die individuelle Situation des Pferdes entscheiden deshalb darüber, ob Stroh eine sinnvolle Ergänzung der Ration darstellt oder zum Risikofaktor für Verdauungsprobleme wird.

Gerade deshalb sollte Stroh immer anders betrachtet werden als Heu – mit eigenen Vorteilen, aber auch eigenen Grenzen.

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