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Holz in der Pferdefütterung – warum Pferde Äste, Rinde und Zweige fressen

Wenn Pferde an Ästen knabbern, Baumrinde abschälen oder junge Triebe von Sträuchern fressen, wird dies häufig als Langeweile oder sogar als Mangelerscheinung interpretiert. Tatsächlich gehört die Aufnahme von Gehölzen jedoch zum natürlichen Verhalten von Pferden.

Wildlebende Pferde und andere Equiden ernähren sich nicht ausschließlich von Gräsern. Je nach Jahreszeit und Lebensraum nutzen sie auch Blätter, junge Zweige, Knospen, Früchte und Rinde von Bäumen und Sträuchern. Wissenschaftler bezeichnen dieses Verhalten als „Browsing“ oder „Browser-Verhalten“. Während reine Grasfresser ihre Nahrung fast ausschließlich aus bodennahen Pflanzen aufnehmen, suchen Browser gezielt nach Blättern, Trieben und Gehölzen. Pferde gelten zwar grundsätzlich als Grasfresser, zeigen aber durchaus auch Browser-Verhalten und erweitern ihren Speiseplan regelmäßig um Gehölze und Sträucher, wenn diese verfügbar sind.

Besonders in Trockenzeiten, im Winter oder in Regionen mit geringer Grasverfügbarkeit kann der Anteil solcher Pflanzen deutlich zunehmen. Das Interesse vieler Pferde an Ästen, Zweigen oder Baumrinde ist deshalb kein ungewöhnliches Verhalten, sondern Teil eines natürlichen Nahrungsspektrums, das in unseren heutigen Haltungsformen oft nur noch eingeschränkt zur Verfügung steht.

Holz stellt dabei kein eigenständiges Futtermittel dar und ersetzt kein Heu. Dennoch können Äste, Zweige und Gehölze die Fütterung sinnvoll ergänzen und den Pferden zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Was finden Pferde an Holz interessant?

Für Pferde ist Holz weit mehr als nur Beschäftigungsmaterial. Junge Triebe, Blätter und Rinde enthalten zahlreiche sekundäre Pflanzenstoffe, Gerbstoffe, Bitterstoffe und andere natürliche Inhaltsstoffe, die in reinem Heu oft nur in deutlich geringerem Umfang vorhanden sind.

Hinzu kommt die besondere Struktur. Äste und Zweige müssen intensiv bearbeitet werden. Das verlängert die Beschäftigungsdauer und fordert Pferde sowohl körperlich als auch geistig. Viele Pferde entwickeln dabei erstaunliche Geschicklichkeit und bevorzugen einzelne Gehölzarten ganz deutlich gegenüber anderen.

Neben Beschäftigung und Aufnahme zusätzlicher Pflanzenstoffe könnte auch der natürliche Zahnabrieb eine Rolle spielen. Das intensive Bearbeiten von Zweigen, Rinde und Holz fordert die Schneidezähne deutlich stärker als die Aufnahme von Heu oder Gras. Ob Pferde Gehölze gezielt aus diesem Grund nutzen, ist nicht abschließend geklärt. Der zusätzliche Abrieb dürfte jedoch ein natürlicher Begleiteffekt dieses Verhaltens sein.

Besonders beliebt sind häufig Weiden, Hasel, Weißdorn, Obstgehölze oder junge Triebe von Rosen und Beerensträuchern. Andere Gehölze werden dagegen nur gelegentlich oder saisonal genutzt.

Warum nagen Pferde an Zäunen und Stallwänden?

Das Nagen an Holzzäunen, Pfosten oder Stallwänden wird häufig automatisch mit einem Mineralstoffmangel in Verbindung gebracht. So einfach ist die Ursache jedoch meist nicht.

Oft spielen Faktoren wie zu kurze Fresszeiten, mangelnde Beschäftigung, Frustration, Stress oder einfach Gewohnheiten eine größere Rolle. Gerade Pferde mit langen Fresspausen suchen häufig nach Möglichkeiten, ihr natürliches Kaubedürfnis auszuleben.

Bevor man von einer Verhaltensstörung ausgeht, lohnt sich ein einfacher Test: Werden geeignete Äste oder Zweige angeboten und verlagert sich das Nageverhalten dorthin, spricht vieles dafür, dass dem Pferd bisher geeignetes Gehölzmaterial gefehlt hat. Bleibt das Verhalten dagegen unverändert bestehen, können andere Ursachen im Vordergrund stehen.

Äste, Knabberholz und Gehölze auf dem Auslauf

Die einfachste Möglichkeit besteht darin, regelmäßig geeignete Äste oder Zweige auf dem Auslauf oder Paddock anzubieten. Viele Pferde nehmen dieses Angebot gerne an und beschäftigen sich über längere Zeit mit Blättern, Rinde und jungen Trieben.

Besonders bei Boxenhaltung oder in Krankenboxen können einzelne Knabberäste eine sinnvolle Ergänzung sein. Sie bieten Beschäftigung und können helfen, längere Stehzeiten besser zu überbrücken. Dabei sollten Äste immer so befestigt werden, dass keine Verletzungsgefahr entsteht. Nägel, Draht, scharfkantige Befestigungen oder lose Konstruktionen haben im Pferdebereich nichts verloren.

Wichtig ist außerdem, dass ausschließlich geeignete und unbelastete Gehölze verwendet werden. Geschnittene Äste sollten nicht von Straßenrändern stammen und möglichst frei von Pflanzenschutzmitteln oder anderen Belastungen sein.

Totholzhecken und Gehölzinseln

Noch spannender wird das Thema dort, wo Gehölze dauerhaft in die Haltung integriert werden. Totholzhecken, Gehölzinseln oder gezielt angelegte Strauchgruppen können Ausläufe und Weiden nicht nur strukturieren, sondern gleichzeitig eine natürliche Beschäftigungsmöglichkeit schaffen.

Solche Strukturen bieten Windschutz, Sichtschutz und Rückzugsbereiche. Gleichzeitig entstehen wertvolle Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Kleintiere. Viele Pferde nutzen solche Bereiche regelmäßig zum Knabbern, Erkunden oder einfach als natürlichen Aufenthaltsort.

Besonders Weiden, Hasel, Weißdorn, Wildrosen oder verschiedene Beerensträucher eignen sich gut für solche Konzepte, da sie regelmäßigen Verbiss meist gut vertragen.

Geeignete Gehölze für Pferde

Zu den bewährtesten Gehölzen für Pferde gehören:

  • Weidenarten
  • Hasel
  • Hainbuche
  • Birke
  • Pappel
  • Erlen
  • Ulmen
  • Apfel
  • Birne
  • Weißdorn
  • Eberesche

Auch zahlreiche Sträucher werden gerne genutzt:

  • Wildrosen
  • Brombeeren
  • Himbeeren
  • Johannisbeeren
  • Sanddorn

Viele Pferde bevorzugen dabei junge Triebe und Blätter. Einige Arten werden vor allem frisch gefressen, andere eher nach dem Antrocknen oder im Winter.

Eine Sonderstellung nimmt die Eiche ein. Kleine Mengen von Zweigen oder Blättern werden meist problemlos vertragen. Größere Mengen an Eicheln oder Eichenlaub können aufgrund ihres hohen Gerbstoffgehalts jedoch problematisch werden und sollten vermieden werden.

Giftige Gehölze

Nicht jedes Gehölz eignet sich für Pferde. Einige Arten können bereits in kleinen Mengen gefährlich oder sogar lebensbedrohlich sein.

Zu den wichtigsten giftigen Gehölzen gehören:

  • Eibe
  • Robinie
  • Goldregen
  • Oleander
  • Kirschlorbeer
  • Thuja
  • Lebensbaum
  • Buchsbaum
  • Ahorn, insbesondere Bergahorn

Solche Pflanzen sollten weder auf Pferdeweiden noch in Bereichen stehen, die für Pferde erreichbar sind.

Wie viel Holz dürfen Pferde fressen?

Äste und Zweige sind eine wertvolle Ergänzung der Fütterung, ersetzen jedoch kein Heu. Die Grundlage jeder Pferdefütterung bleibt weiterhin hochwertiges Raufutter.

In der Praxis regulieren die meisten Pferde ihre Aufnahme von Gehölzen selbst sehr gut. Werden geeignete Holzarten angeboten und steht ausreichend Heu zur Verfügung, treten Probleme nur selten auf. Ziel sollte deshalb nicht die gezielte Fütterung größerer Mengen Holz sein, sondern die Bereitstellung zusätzlicher Wahlmöglichkeiten innerhalb einer abwechslungsreichen Haltung.

Fazit

Äste, Zweige, Blätter und Rinde gehören seit jeher zum natürlichen Nahrungsspektrum von Pferden. Richtig ausgewählt können Gehölze Beschäftigung, Struktur und zusätzliche Pflanzenstoffe liefern und gleichzeitig das natürliche Erkundungs- und Fressverhalten fördern.

Ob als Knabberäste, Gehölzinseln, Totholzhecken oder strukturgebende Elemente auf der Weide – Holz ist weit mehr als nur Dekoration. Es kann einen wertvollen Beitrag zu einer abwechslungsreichen, naturnahen und pferdegerechten Haltung leisten.

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