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Heu und Stroh kombinieren – wann eine Mischung sinnvoll ist

Heu bildet die Grundlage jeder pferdegerechten Fütterung. Dennoch gibt es viele Situationen, in denen Pferdehalter darüber nachdenken, einen Teil des Heus durch Stroh zu ersetzen oder zusätzlich Stroh anzubieten. Dahinter steckt meist nicht der Wunsch, Futterkosten zu sparen, sondern die Herausforderung, Energieaufnahme und Fressdauer in Einklang zu bringen.

Besonders leichtfuttrige Pferde, Robustrassen oder Pferde mit Übergewicht benötigen häufig weniger Energie, als sie über ausreichend lange Heufresszeiten aufnehmen würden. Wird die Heumenge stark reduziert, entstehen schnell lange Fresspausen. Bleibt die Heumenge unverändert, nehmen manche Pferde dagegen mehr Energie auf als sie tatsächlich benötigen.

Genau hier kann Stroh interessant werden. Durch seinen hohen Anteil an schwer verdaulichen Ballaststoffen liefert es deutlich weniger Energie als Heu, verlängert aber gleichzeitig die Kau- und Fresszeit. Ziel einer Heu-Stroh-Kombination ist deshalb meist nicht, Heu zu ersetzen, sondern die Energiedichte der Ration zu reduzieren und gleichzeitig ausreichend lange Fresszeiten zu ermöglichen.

Was verändert eine Heu-Stroh-Kombination?

Wird ein Teil des Heus durch Stroh ersetzt, verändert sich die gesamte Struktur der Ration. Der Energiegehalt sinkt, während der Anteil an schwer verdaulichen Ballaststoffen steigt. Pferde müssen länger kauen, produzieren mehr Speichel und verbringen mehr Zeit mit der Futteraufnahme.

Gleichzeitig stellt eine strohreichere Ration höhere Anforderungen an die Verdauung. Die langen und ligninreichen Fasern verbleiben länger im Dickdarm und benötigen ausreichend Wasser sowie eine gut funktionierende Darmmotorik. Stroh kann deshalb helfen, Fresszeiten zu verlängern, ist aber kein Futtermittel, das unbegrenzt eingesetzt werden sollte.

Zwei Wege, Heu und Stroh zu kombinieren

In der Praxis haben sich zwei unterschiedliche Konzepte etabliert.

Variante 1: Heu und Stroh gemeinsam anbieten

Hier werden Heu und Stroh bereits bei der Fütterung miteinander vermischt. Dies kann beispielsweise in Heuraufen, Futterstationen oder Netzen erfolgen.

Der Vorteil liegt darin, dass die Pferde beide Futtermittel gleichzeitig aufnehmen. Dadurch sinkt die Energiedichte jedes einzelnen Bissens und die Futteraufnahme wird insgesamt verlangsamt. Die Pferde verbringen mehr Zeit mit dem Fressen und nehmen gleichzeitig weniger Energie pro Zeiteinheit auf.

Allerdings reagieren Pferde unterschiedlich auf solche Mischungen. Manche Tiere fressen Heu und Stroh nahezu vollständig gemeinsam, während andere versuchen, einen Teil des Strohs auszusortieren. Die tatsächlich aufgenommene Strohmenge kann deshalb individuell deutlich variieren.

Variante 2: Heu begrenzen und Stroh separat anbieten

Eine zweite Möglichkeit besteht darin, Heu und Stroh getrennt anzubieten. Das Stroh befindet sich dabei beispielsweise als Einstreu im Liegebereich oder wird zusätzlich in einer separaten Raufe bereitgestellt.

Dieses Verfahren ist meist einfacher umzusetzen und ermöglicht dem Pferd eine freie Wahl. Viele Pferde nutzen das Strohangebot regelmäßig, andere zeigen dagegen nur wenig Interesse. Die Aufnahme von Heu und Stroh erfolgt dabei jedoch zeitlich getrennt. Häufig wird zunächst das Heu gefressen, bevor später auf das Stroh zurückgegriffen wird.

Welche Variante ist sinnvoller?

Welche der beiden Varianten besser geeignet ist, hängt vor allem vom Ziel der Fütterung ab.

Liegt ein eher energiearmes, pferdegerechtes Heu vor und sollen die Pferde lediglich zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten erhalten oder ihrem natürlichen Bedürfnis nach strukturreichem Raufutter nachgehen können, spricht vieles für ein separates Angebot von Stroh. In diesem Fall kann das Pferd selbst entscheiden, ob und wie viel Stroh es zusätzlich aufnehmen möchte.

Anders sieht die Situation aus, wenn das vorhandene Heu relativ energiereich ist und die Energieaufnahme gezielt reduziert werden soll. Dann bietet eine gemeinsame Fütterung von Heu und Stroh meist Vorteile. Durch die Mischung sinkt die Energiedichte der gesamten Ration, gleichzeitig verlängert sich die Fresszeit. Das Pferd nimmt Heu und Stroh gemeinsam auf und kann die energiereicheren Bestandteile weniger leicht selektieren.

Besonders bei leichtfuttrigen Pferden, Übergewicht oder Stoffwechselproblemen wird deshalb häufig die gemeinsame Fütterung von Heu und Stroh bevorzugt. Sie ermöglicht eine gezieltere Steuerung der aufgenommenen Energie, während die Pferde dennoch ausreichend lange mit der Futteraufnahme beschäftigt bleiben.

Wie viel Stroh ist sinnvoll?

Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Die optimale Menge hängt vom Pferdetyp, der Heuqualität, der Bewegung und der individuellen Verträglichkeit ab.

In der Praxis hat es sich bewährt, zunächst mit einem geringen Anteil zu beginnen. Häufig werden etwa zehn Prozent der täglichen Raufuttermenge durch Stroh ersetzt. Anschließend sollte beobachtet werden, wie das Pferd auf die veränderte Ration reagiert.

Bleibt die gewünschte Wirkung aus, kann der Anteil schrittweise erhöht werden. Je nach Pferdetyp und Verträglichkeit liegen viele erfolgreiche Konzepte im Bereich von 20 bis 30 Prozent Strohanteil an der gesamten Raufutterration. Höhere Mengen sollten die Ausnahme bleiben und sorgfältig geplant werden.

Bereits bei Strohmengen oberhalb von etwa 15 Prozent empfiehlt es sich, die Ration gemeinsam mit einem erfahrenen Therapeuten, Fütterungsberater oder Tierarzt zu beurteilen. Ziel ist nicht eine möglichst hohe Strohmenge, sondern eine Ration, die zum jeweiligen Pferd passt.

Bei separat angebotenem Stroh lässt sich die tatsächlich aufgenommene Menge dagegen deutlich schwerer einschätzen, da das Pferd selbst entscheidet, wie viel davon gefressen wird.

Welche Stroharten eignen sich?

Für die Fütterung werden vor allem Weizenstroh und Haferstroh eingesetzt.

Weizenstroh ist gut verfügbar, wird von vielen Pferden gerne gefressen und stellt deshalb die häufigste Wahl dar.

Haferstroh gilt als besonders schmackhaft und wird von vielen Pferden bevorzugt aufgenommen. Allerdings ist es deutlich schwieriger zu beschaffen und daher nicht überall verfügbar.

Gerstenstroh und Roggenstroh spielen in der Pferdefütterung dagegen eine deutlich geringere Rolle.

Wasser wird jetzt noch wichtiger

Je höher der Strohanteil in der Ration ist, desto wichtiger wird eine ausreichende Wasseraufnahme. Die schwer verdaulichen Fasern benötigen Flüssigkeit, damit sie im Darm verarbeitet und weitertransportiert werden können.

Besonders im Winter sollte deshalb darauf geachtet werden, dass die Pferde ausreichend trinken. Eingefrorene Tränken, sehr kaltes Wasser oder eine generell geringe Wasseraufnahme erhöhen das Risiko von Verdauungsproblemen deutlich.

Wann sollte auf Stroh verzichtet werden?

Nicht jedes Pferd eignet sich für eine strohreiche Fütterung.

  • Pferde mit Zahnproblemen
  • ältere Pferde mit eingeschränkter Kauleistung
  • Pferde mit bekannten Verstopfungskoliken
  • Pferde mit geringer Wasseraufnahme
  • Pferde mit bestehenden Verdauungsproblemen

In solchen Fällen sollte die Ration besonders sorgfältig geplant werden.

Stroh bei Magengeschwüren – sinnvoll oder problematisch?

Der Einsatz von Stroh bei Pferden mit Magengeschwüren wird kontrovers diskutiert. Einerseits verlängert Stroh die Fressdauer und fördert die Speichelbildung, was grundsätzlich positive Effekte auf den Magen haben kann.

Andererseits können die harten und wenig verdaulichen Strohfasern bei bereits vorgeschädigten Magenschleimhäuten problematisch sein. Einige Untersuchungen zeigen zudem Zusammenhänge zwischen hohen Strohanteilen und einem erhöhten Risiko für Magengeschwüre. Pauschale Empfehlungen sind deshalb schwierig.

Pferde mit bekannten Magengeschwüren sollten individuell betrachtet werden. Nicht jedes Magenpferd profitiert automatisch von einer strohreichen Ration.

Fazit

Die Kombination aus Heu und Stroh kann sowohl ein sinnvolles Fütterungskonzept als auch eine zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeit sein. Richtig eingesetzt hilft sie, Fresszeiten zu verlängern und die Energieaufnahme zu begrenzen, ohne die tägliche Raufuttermenge stark reduzieren zu müssen.

Entscheidend sind dabei die Qualität des Strohs, ausreichend Wasser, genügend Bewegung und eine Umsetzung, die zum jeweiligen Pferd passt. Während bei energiereichem Heu häufig eine gemeinsame Fütterung von Heu und Stroh sinnvoll ist, kann bei pferdegerechtem Heu ein separates Strohangebot die bessere Lösung sein. Wie so oft in der Pferdefütterung gibt es auch hier keine Universallösung, sondern nur die passende Lösung für das einzelne Pferd.

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