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Protein im Heu – warum Eiweiß oft der limitierende Faktor ist

Protein ist einer der wichtigsten Bausteine im Körper des Pferdes. Es bildet die Grundlage für Muskeln, Organe, Enzyme, Hormone, Haut, Fell, Hufe und das Immunsystem. Ohne ausreichend hochwertiges Protein können weder Gewebe aufgebaut noch erhalten werden. Während Energie vor allem den „Brennstoff“ liefert, sorgt Protein für die strukturelle Substanz des Körpers. Viele Prozesse im Stoffwechsel sind direkt oder indirekt von einer guten Eiweißversorgung abhängig.

Pferde benötigen Protein vor allem für den Aufbau und Erhalt der Muskulatur, für Regeneration nach Belastung, für Wachstum, Trächtigkeit und Laktation sowie für die ständige Erneuerung von Körpergewebe. Auch die Bildung von Enzymen und Botenstoffen, die für Stoffwechsel und Hormonhaushalt notwendig sind, ist proteinabhängig. Eine unzureichende Versorgung wirkt sich daher nicht nur auf die Muskulatur, sondern auf den gesamten Organismus aus.

Was passiert bei Proteinmangel?

Fehlt es dem Pferd dauerhaft an Protein, zeigen sich oft unspezifische, schleichende Symptome. Typisch sind Muskelabbau trotz ausreichender Energiezufuhr, schlechte Muskelentwicklung, Leistungsabfall, schnelle Ermüdung und eine insgesamt geringe Belastbarkeit. Viele Pferde wirken matt, bauen schlecht auf, haben stumpfes Fell, brüchige Hufe oder sind anfälliger für Infekte. Auch eine verzögerte Wundheilung oder Gewichtsverlust trotz genug Futter können Hinweise auf eine Eiweißunterversorgung sein. Besonders bei älteren Pferden ist das Thema relevant, da der natürliche Muskelabbau im Alter durch Proteinmangel zusätzlich verstärkt wird.

Warum modernes Heu oft zu wenig Protein enthält

In den letzten Jahren ist in vielen Regionen ein klarer Trend zu proteinärmerem Heu zu beobachten. Ursache sind vor allem spätere Schnittzeitpunkte, stark verholztes Gras und eine insgesamt magere Bewirtschaftung der Flächen. Je länger das Gras steht, desto mehr Rohfaser wird eingelagert und desto stärker sinkt der Proteingehalt. Hinzu kommt, dass viele heutige Wiesen deutlich artenärmer sind als früher. Proteinreichere Gräser und Kräuter sind vielerorts verschwunden, während robuste, strukturreiche Arten dominieren, die zwar viel Masse liefern, aber wenig Eiweiß enthalten.

Ein zentrales Dilemma besteht darin, dass wegen des hohen Zuckergehalts immer später gemäht wird. Spätes Mähen kann zwar den Zucker senken, führt aber gleichzeitig zu einem deutlichen Verlust an Protein. Das Ergebnis ist häufig ein energiearmes Heu, das den Körper aber kaum noch mit hochwertigen Baustoffen versorgt. In manchen Regionen kommt es zudem zu Heu mit viel Zucker und zusätzlich wenig Protein. Viele Pferde erhalten dadurch genug oder zu viel Kalorien, aber zu wenig verwertbare Baustoffe.

Wann entsteht Protein im Gras?

Protein entsteht im Gras vor allem in der aktiven Wachstumsphase. Junges, vegetatives Gras enthält deutlich mehr Eiweiß als überständiges, verholztes Pflanzenmaterial. Ausreichende Wasserversorgung, moderate Temperaturen und ein guter Nährstoffstatus besonders an Stickstoff des Bodens begünstigen die Proteinbildung. Trockenstress, späte Schnitte und magere Böden führen dagegen zu sinkenden Eiweißgehalten. Je reifer das Gras, desto höher der Rohfaseranteil und desto geringer der Proteingehalt.

Rohprotein und dünndarmverdauliches Protein

In der Heuanalyse wird meist der Rohproteingehalt angegeben. Dieser Wert beschreibt den gesamten stickstoffhaltigen Anteil im Futter, sagt aber noch nichts darüber aus, wie viel davon das Pferd tatsächlich nutzen kann. Entscheidend ist das dünndarmverdauliche Protein, also der Anteil, der im Dünndarm aufgeschlossen und vom Körper aufgenommen werden kann. Ein Heu kann auf dem Papier ausreichend Rohprotein enthalten, real aber dennoch eine Unterversorgung verursachen, wenn der verdauliche Anteil niedrig ist. Für die Praxis ist deshalb nicht nur die Menge, sondern vor allem die Qualität des Proteins entscheidend. Mehr zu den Informationen in der Heuanalyse finden Sie in diesem Artikel.

Essentielle Aminosäuren

Neben der Gesamtmenge spielt auch die Zusammensetzung der Aminosäuren eine wichtige Rolle. Besonders die essentiellen Aminosäuren Lysin, Methionin und Threonin sind für Pferde von Bedeutung, da sie vom Körper nicht selbst gebildet werden können. Lysin gilt dabei häufig als limitierende Aminosäure im Heu. Selbst bei scheinbar ausreichendem Rohprotein kann ein Mangel an essentiellen Aminosäuren bestehen, der den Muskelaufbau und die Regeneration deutlich einschränkt. In manchen Fällen macht es durchaus Sinn, essentielle Aminosäuren zuzufüttern.

Proteinüberschuss – selten, aber möglich

Ein echter Proteinüberschuss ist bei Heu in der Praxis eher selten, kann aber bei stark eiweißreichen Rationen auftreten. In solchen Fällen wird überschüssiger Stickstoff über Leber und Nieren ausgeschieden, was diese Organe belasten kann. Typisch sind stark riechender Urin, vermehrte Ausscheidung und eine insgesamt höhere Stoffwechselbelastung. Im Alltag ist jedoch deutlich häufiger ein Mangel als eine Überversorgung zu beobachten.

Was tun bei proteinarmem Heu?

Ist das Heu zu proteinarm, lässt sich die Versorgung gezielt über strukturreiche Eiweißquellen verbessern. Besonders bewährt haben sich Esparsette und Luzerne, die in Form von Cobs oder Pellets gefüttert werden können. Besonders die Esparsette liefert hochwertiges Protein, beeinflusst den Blutzucker kaum und lässt sich gut in eine pferdegerechte Ration integrieren. Im Gegensatz dazu sind stark eiweißhaltige Futtermittel wie Soja für Pferde oft ungünstig, da sie den Stoffwechsel belasten und in der Praxis häufig zu Unverträglichkeiten führen.

Proteinbedarf im Alter und bei Belastung

Mit steigendem Alter, zunehmender Trainingsintensität oder nach längeren Krankheitsphasen steigt der Proteinbedarf zusätzlich. Gerade ältere Pferde verlieren leichter Muskulatur und können Eiweiß schlechter verwerten. Hier zeigt sich besonders deutlich, dass eine ausreichende Energiezufuhr allein nicht ausreicht, wenn die strukturellen Bausteine fehlen. Ohne hochwertiges Protein können weder Muskelaufbau, Regeneration noch ein stabiler Stoffwechsel langfristig funktionieren.

Fazit

Protein ist einer der unterschätzten Engpässe in der modernen Pferdefütterung. Viele Pferde erhalten genug Energie, aber zu wenig verwertbare Baustoffe. Eine ausgewogene Eiweißversorgung ist eine zentrale Voraussetzung für Leistungsfähigkeit, Belastbarkeit und langfristige Gesundheit – und beginnt immer bei der Qualität des Heus.

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