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Mineralfutter verstehen – Aufbau, Bestandteile und Unterschiede

Mineralfutter gehören zur Grundversorgung vieler Pferde. Sie sollen Mineralstoffe, Spurenelemente und oftmals auch Vitamine ergänzen, die über das Grundfutter nicht immer in ausreichender Menge aufgenommen werden. Schaut man sich verschiedene Produkte genauer an, unterscheiden sie sich jedoch erheblich. Manche bestehen fast ausschließlich aus Mineralstoffen, andere enthalten zusätzlich Kräuter, Hefen oder weitere Zusätze. Auch die Trägerstoffe können sehr unterschiedlich sein. Wer verstehen möchte, wie Mineralfutter aufgebaut sind, kann die Qualität und den Einsatzzweck eines Produktes deutlich besser beurteilen.

Wann ist ein Mineralfutter überhaupt ein Mineralfutter?

Nicht jedes Ergänzungsfuttermittel ist automatisch ein Mineralfutter. Nach dem Futtermittelrecht handelt es sich bei einem Mineralfutter um ein Ergänzungsfuttermittel mit einem besonders hohen Gehalt an Mineralstoffen. Dieser wird über den Rohaschegehalt definiert. Ein Mineralfutter muss mindestens 40 % Rohasche enthalten, bezogen auf 88 % Trockensubstanz.

Viele Produkte mit einzelnen oder einer Kombination aus Spurenelementen werden umgangssprachlich ebenfalls als Mineralfutter bezeichnet, obwohl sie rechtlich aufgrund eines Rohaschegehalts von unter 40 % lediglich Ergänzungsfuttermittel sind. Ein Mineralfutter dient der täglichen Grundversorgung mit Mineralstoffen, Spurenelementen und – je nach Produkt – auch Vitaminen. Ergänzungsfuttermittel können diese Grundversorgung in bestimmten Situationen sinnvoll ergänzen, beispielsweise bei besonderen Bedürfnissen oder nachgewiesenen Mängeln. Sie ersetzen jedoch in der Regel kein ausgewogen zusammengesetztes Mineralfutter.

Wie setzt sich ein Mineralfutter zusammen?

Auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt, besteht ein Mineralfutter nicht ausschließlich aus Mineralstoffen. Vielmehr setzt es sich aus mehreren Bestandteilen zusammen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Dazu gehören die eigentlichen Mineralstoffe und Spurenelemente, häufig ergänzt durch Vitamine. Hinzu kommen Trägerstoffe, die die Dosierung und Verarbeitung überhaupt erst ermöglichen. Je nach Hersteller werden außerdem weitere Zusätze wie Aminosäuren, Kräuter, Seealgenmehl oder Hefeprodukte eingesetzt. Erst das Zusammenspiel dieser Bestandteile ergibt das fertige Mineralfutter.

Mineralstoffe – das Herzstück

Den wichtigsten Bestandteil bilden die Mineralstoffe selbst. Dazu gehören die Mengenelemente wie Calcium, Phosphor oder Magnesium sowie die Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Mangan oder Selen. Viele Spurenelemente können dabei sowohl in anorganischer als auch in organischer Form zugesetzt werden. Beide Varianten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer chemischen Bindung und teilweise auch in ihrer Verfügbarkeit für den Organismus. Welche Unterschiede zwischen organischen und anorganischen Spurenelementen bestehen und wann welche Form sinnvoll sein kann, wird im entsprechenden Fachartikel ausführlich erläutert.

Vitamine und weitere Zusätze

Neben Mineralstoffen enthalten viele Mineralfutter zusätzlich fett- und wasserlösliche Vitamine, um die Versorgung des Pferdes abzurunden. Je nach Produkt kommen außerdem weitere Bestandteile hinzu, beispielsweise essentielle Aminosäuren, Seealgenmehl oder Kräuter.

Viele Mineralfutter enthalten heutzutage zusätzlich Bierhefe, Lebendhefen oder probiotische Mikroorganismen. Lebende Mikroorganismen greifen zwangsläufig in das mikrobielle Ökosystem des Darms ein. Welche langfristigen Auswirkungen dies auf die komplexe Darmflora des Pferdes hat, ist bislang jedoch nur unvollständig erforscht. Da sich die Forschung zum Darmmikrobiom noch in einem frühen Stadium befindet und viele Zusammenhänge bisher nicht vollständig verstanden sind, verzichte ich in meinen Fütterungskonzepten bewusst auf die regelmäßige Gabe lebender Hefen oder probiotischer Mikroorganismen. Stattdessen setze ich auf Maßnahmen, die die natürliche Darmflora durch eine optimierte Fütterung und Haltung unterstützen.

Trägerstoffe – mehr als nur Füllmaterial

Mineralstoffe machen nur einen kleinen Teil des Mineralfutters aus. Damit sie gleichmäßig dosiert, verarbeitet und verfüttert werden können, benötigen sie Trägerstoffe. Diese bilden häufig den größten Anteil eines Mineralfutters und übernehmen gleichzeitig wichtige technologische Aufgaben. So beeinflussen sie unter anderem die Rieselfähigkeit von Pulvern, die Stabilität von Pellets sowie die gleichmäßige Verteilung der Mineralstoffe.

Als Trägerstoffe werden beispielsweise Grünmehle, Kleien oder Melasse eingesetzt. Sie unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Nährstoffzusammensetzung und ihrer technologischen Eigenschaften. Gleichzeitig beeinflussen sie Schmackhaftigkeit, Staubentwicklung und Verarbeitung des Mineralfutters. Deshalb werden häufig besonders wohlschmeckende Bestandteile eingesetzt, damit das Mineralfutter von den Pferden zuverlässig aufgenommen wird.

Auch wenn die täglich gefütterten Mengen meist nur wenige Gramm betragen, sind nicht alle Trägerstoffe gleichermaßen sinnvoll. Strukturreiche Grünmehle bringen in der Regel weniger leicht verfügbare Energie mit als größere Mengen zucker- oder stärkereicher Trägerstoffe und können deshalb eine sinnvolle Alternative darstellen. Gerade bei Pferden mit Stoffwechselproblemen oder einer empfindlichen Verdauung lohnt es sich daher, auch einen Blick auf die Trägerstoffe eines Mineralfutters zu werfen.

Warum unterscheiden sich Mineralfutter so stark?

Mineralfutter unterscheiden sich nicht nur in ihrer Qualität, sondern auch in ihrer Zusammensetzung. Hersteller verfolgen unterschiedliche Konzepte und passen die Gehalte einzelner Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine an verschiedene Einsatzbereiche an. So gibt es beispielsweise Mineralfutter für Jungpferde, Zuchtstuten oder Senioren. Andere Produkte berücksichtigen regionale Unterschiede der Böden, hohe Kraftfuttergaben oder richten sich an bestimmte Pferderassen mit besonderen Anforderungen.

Deshalb gibt es nicht das eine richtige Mineralfutter für alle Pferde. Welche Zusammensetzung sinnvoll ist, hängt immer von der gesamten Fütterung, dem Grundfutter, der Nutzung und den individuellen Bedürfnissen des einzelnen Pferdes ab.

Kräutermineralfutter – Mineralfutter oder Kräutermischung?

Immer wieder werden reine Kräutermischungen oder Kräuterprodukte als Mineralfutter beworben. Tatsächlich handelt es sich dabei häufig nicht um echte Mineralfutter, sondern um Ergänzungsfuttermittel mit einem hohen Kräuteranteil.

Kräuter enthalten zwar ebenfalls Mineralstoffe, deren Gehalte unterliegen jedoch natürlichen Schwankungen. Sie hängen unter anderem vom Boden, der Witterung, dem Erntezeitpunkt und der Verarbeitung ab. Dadurch lässt sich über Kräuter allein keine definierte und gleichbleibende Mineralstoffversorgung sicherstellen. Kräuter können deshalb eine Fütterung sinnvoll ergänzen, ersetzen jedoch in der Regel kein bedarfsgerecht zusammengesetztes Mineralfutter.

Fazit

Ein Mineralfutter besteht aus deutlich mehr als nur Zink, Kupfer oder Selen. Erst das Zusammenspiel aus Mineralstoffen, Spurenelementen, Vitaminen, Trägerstoffen und weiteren Zusätzen macht aus den einzelnen Bestandteilen ein gebrauchsfertiges Futtermittel. Wer den grundsätzlichen Aufbau kennt, versteht auch die späteren Detailthemen zu Mineralstoffen, Vitaminen oder Deklarationen deutlich besser und kann die unterschiedlichen Produktkonzepte leichter einordnen.

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